Wassenberg - Das Obst steht für den alten Fritz Spalier

Das Obst steht für den alten Fritz Spalier

Von: Verena Müller
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Fritz Pahl, fast 85, ist von morgens bis abends im Rheinischen Obstgarten zwischen Wassenberg und Wildenrath. Seit Jahrzehnten engagiert er sich für den Naturschutz, ohne diese Aufgabe, sagt er, sei er sicherlich nicht so alt geworden. Foto: V. Müller

Wassenberg. Heute morgen hat der Fritz den Seitenschneider noch nicht angerührt. „Das ist ja das Schöne, ich muss ja nicht”, sagt der Rentner. Stattdessen saß er bei den Tumbrincks zu Hause in der Küche, hat Kaffee gekocht.

So macht er das jeden Morgen, wenn er noch keine Lust hat, im Rheinischen Obstsortengarten zwischen Wassenberg und Wildenrath zu arbeiten. In gut zwei Wochen wird der Garten eröffnet, deshalb laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

Mit einem Korb, mit Kaffeekanne, Tassen und Milch, geht Fritz Pahl nun zügig durch die Obstbäume, die stramm Spalier stehen. Die Hemdsärmel hochgekrempelt, die Ärmel der Strickjacke auch. Keine fünf Minuten später kommt Johannes Tumbrinck, sein fünfjähriger Wahlenkel, mit den Keksen hinterher. „Ah, da kommt mein Freund”, sagt Pahl und lächelt.

Fritz Pahl ist so etwas wie der gute Geist der Nabu-Naturschutzstation Haus Wildenrath, die zusammen mit dem Landschaftsverband Rheinland den Garten angelegt hat. Immer so gegen 10 Uhr käme der Fritz, erzählt Katharina Tumbrinck vom Nabu, wisse meist selbst am besten, was im Garten zu tun sei, esse dann mittags und abends in ihrer Familie mit, bevor er sich gegen 19.30 Uhr wieder mit dem Auto nach Wegberg aufmache. Unkraut jäten, Zäune erneuern, für nichts ist er sich zu schade. Am Montag wird der 85.

„Ich sag immer: Das geht alles. Man muss nur ein bisschen Ruhe und Geduld haben”, erzählt Fritz Pahl. Erst wollte er gar nicht für den Nabu ehrenamtlich arbeiten, habe Anfragen mehrfach abgelehnt. Damals, 2003, ging es darum, das Haus Wildenrath umzubauen und auf Vordermann zu bringen. Und weil Pahl gelernter Maurer in Frühpension war, war es naheliegend, ihn zu fragen.

Seine Frau, Gertrud, hatte sich beim Nabu viele Jahre um verletzte und kranke Tiere gekümmert, bis sie im Jahr 2000 starb. Für Fritz Pahl war das ein schwerer Schlag, mit etwas Anlauf fand er aber ins Leben zurück, inzwischen ist die Naturschutzstation mit Familienanschluss sein zweites Zuhause, sogar am Wochenende ist er hier. „Ob ich ohne die Aufgabe noch hier sitzen würde, ob ich so alt geworden wäre, weiß ich nicht”, sagt Pahl.

Der Einsatz für die Natur sei ihm schon immer wichtig gewesen, früher habe er als Landschaftswart beispielsweise darauf geachtet, dass keine wilden Müllkippen entstehen. Das Wandern hat er inzwischen an den Nagel gehängt, die Schuhe trägt er aber immer noch.

Pahl stammt aus Brandenburg, kam 1948 nach Erkelenz und lebt seit 1951 in Wegberg. Das Haus, in dem er bis heute lebt, hat er zum großen Teil selbst gebaut, deshalb will er da auch nicht raus, wenn es irgendwie geht. Im Moment geht es sehr gut. In seiner „Freizeit”, abends und am Wochenende, muss Fritz Pahl sich um seinen eigenen Garten kümmern, wo er Tomaten, Gurken und anderes Gemüse anpflanzt - auch den Haushalt macht der Mittachtziger selbst. Er habe mal eine Putzfrau gehabt, erzählt er, aber da müsse man im Haus überall runde Ecken machen. Dann putze er lieber selbst, wenn eh die Hälfte unerledigt bliebe.

Langsam wird Fritz Pahl wird unruhig, denn alle um ihn herum arbeiten bereits. Da, wo ein Zelt hin soll, wird mit dem Bagger Erde bewegt, im Vorzugsgarten, wo die jungen Bäumchen stehen, wird Unkraut gejätet und Gras geschnitten. Fritz geht in den Schuppen, holt sich die Gartenschere und kniet sich mit einer Beweglichkeit, die man einem Mittachtziger so nicht unbedingt zutrauen würde, in die Nähe von Katharina Tumbrinck, um die Ränder der Beete freizuschneiden.

Montag, erzählt er, werde seine Tochter zu Besuch kommen. Aber selbst dann wird nur ein Stück Kuchen gegessen und gearbeitet. Geburtstag hin oder her.

Kennen Sie auch einen stillen Helden, jemanden, der sich - ohne großes Aufsehen zu erregen - gesellschaftlich engagiert? Der noch nicht zig Verdienstnadeln und Orden für sein ehrenamtliches Engagement bekommen hat, es aber ebenso verdient, gewürdigt zu werden? Dann melden Sie sich bei uns. Vielleicht wird er dann in unsere Serie aufgenommen und porträtiert.

Kontakt: Heinsberger Zeitung/Heinsberger Nachrichten, Apfelstraße 48, 52525 Heinsberg,
? 02452/1571330 oder per E-Mail: lokales-heinsberg@zeitungsverlag-aachen.de.
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