Heinsberg - „Das Motorrad soll passen wie ein Schuh”

„Das Motorrad soll passen wie ein Schuh”

Von: Rainer Herwartz
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Sie sind so unterschiedlich wi
Sie sind so unterschiedlich wie ihre Motorräder, doch alle drei verbindet die Freude am Biken: Maren Manthey (links), Cornelia Jung (Mitte) und Pia Dohmen. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Die Hochsaison ist in vollem Gange. Besonders an sonnigen Tagen ist es schon von weit her zu hören - das Blubbern, Stampfen oder Röhren. Nicht nur auf dem Land oder in waldreichen Gegenden, auch in den Städten sieht man sie in unterschiedlichen Größen und teils grell schillernden Farben.

Manchmal alleine, nicht selten versammelt in einem Pulk, der sich gemächlich oder zügig vorwärts bewegt. Es ist Bikezeit. Rund 3,5 Millionen der zweirädrigen Stahlrösser gibt es in Deutschland.

Und immer häufiger sitzen in ihrem Sattel nicht Männer, sondern Frauen. In den letzten acht Jahren hat ihre Zahl um rund 25 Prozent zugenommen. Auch in der Heinsberger Region finden sich mittlerweile viele begeisterte Motorradfahrerinnen.

„Das spiegelt den Wandel in der Gesellschaft wider”, meint Cornelia Jung. „Ich glaube, dass meine Mutter gar nicht darüber nachdenken konnte, ob es ihr Spaß gemacht hätte.” Zu viele Zwänge und Konventionen habe es früher gegeben, was die Aufgabe und Position der Frauen anbelangte. Es sei schön, dass man heute seine Werte und Wünsche besser ausleben könne. Und dazu gehört für die 32-jährige aus Wassenberg auch ihre quietschgelbe Suzuki 650 Savage.

Dass der Chopper schon zehn Jahre auf dem Buckel hat, sieht man ihm wahrlich nicht an. Er strahlt in Farbe und Chrom, als sei er frisch „vom Band” gerollt. „Mein Partner hat mir einfach die Maschine vor die Tür gesetzt”, nachdem sie jahrelang immer wieder beteuert habe, irgendwann den Führerschein endlich zu machen.

„Dann gab es plötzlich keine Ausrede mehr”, lächelt Jung. Doch das sei okay gewesen, denn die Faszination für das Motorradfahren wurde bei der zierlichen Frau bereits in frühester Jugend geweckt. „Schon als Kind mit sechs, sieben Jahren bin ich regelmäßig mitgefahren.”

Das kann Maren Manthey noch toppen. Der 20-Jährigen aus Erkelenz wurde das Biker-Gen quasi in die Wiege gelegt. Ihre Geschichte auf dem Weg in den Motorradsattel lässt beinahe den Schluss zu, dass durch ihre Adern eher Benzin als Blut fließt.

Die Tochter eines Fahrschullehrers besitzt schon jetzt einen Führerschein für fast alles, was Rollen hat. Ausgenommen vielleicht einen Panzer, doch auch das könnte sich bald ändern, denn die junge Frau strebt eine Karriere bei der Bundeswehr an.

„Ich habe schon auf dem Motorrad gesessen, bevor ich laufen konnte, mit einem Jahr auf Papas Honda.” Mit sechs fuhr sie dann erstmals eine Moto-Cross-Maschine für Kinder. „Seitdem bin ich irgendwie ins Gelände gegangen, was die Maschine betrifft.” Ihr ganzer Stolz, eine knallrote BMW 650 GS, passt da natürlich ins Bild.

Mensch und Maschine müssten schon harmonieren. Das sieht auch Cornelia Jung so. „Das ist ganz wichtig, das Motorrad muss passen wie ein Schuh.” Für die ausgebildete Physiotherapeutin gehört zwar auch das Naturerlebnis zu den Highlights des Bikens, doch das bitteschön gemütlich beim Cruisen.

„Es ist so schön, dass man alles so hautnah erleben kann. Die Präsenz beim Fahren ist ganz anders als im Auto. Nur Fliegen ist schöner. Das Fahrzeug ist eine Erweiterung der eigenen Möglichkeiten. Alles erlebt man unmittelbar, die Gerüche, jeden Hubbel, jede Mücke. Beim Motorradfahren geht es nicht in erster Linie darum, von A nach B zu gelangen, sondern um das Fahren an sich.”

Letzteres sieht die 17-jährige Pia Dohmen aus Waldfeucht allerdings noch etwas anders. „Bei mir war es die Freiheit, die ich durch den Motorradführerschein gewonnen habe.” Mit ihrer kleinen, 125 ccm starken Yamaha YBR ergab sich für die Schülerin erstmals die Chance, auch weitere Strecken unabhängig von den Eltern zurücklegen zu können.

Einen Vergleich zum Autofahren kann sie noch nicht anstellen, da sie derzeit erst die Schulbank für die begehrte Lizenz drücken müsse. Dass ihr erstes motorisiertes Gefährt jedoch kein Roller sein sollte, wie bei so vielen Gleichaltrigen, stand fest.

„Mein Stiefvater war total begeistert, dass endlich wieder eine Maschine in der Garage steht.” Nur der Opa könne sich nicht so recht dafür begeistern. Vielleicht sollte er seine Einstellung ändern. Seine Enkelin verkündet jedenfalls voller Vorfreude, dass sie am Sonntag die Drosselung, die bei ihrer Maschine nur Geschwindigkeiten bis 80 Km/h erlaubt, entfernen darf.
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