Das Kindeswohl stärker in den Fokus rücken

Von: Anna Petra Thomas
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Die Broschüre des Familienhebammendienstes, den Dr. Karl-Heinz Feldhoff, Hans-Jürgen Oehlschläger, Dorothea Krollmann und Willi Paffen (von links) bei der Auftaktveranstaltung für das Netzwerk „Frühe Hilfen“ vorstellten, kam bei den Teilnehmern gut an. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Um Schwangere und Eltern mit Kindern im Alter bis zu drei Jahren noch besser in ihrem Lebensalltag unterstützen zu können, will die im Kreisjugendamt angesiedelte Koordinationsstelle „Frühe Hilfen“ alle Experten, die im Kreis Heinsberg Angebote für diese Zielgruppe vorhalten, in einem Netzwerk mit gleichem Namen zusammenbringen.

Erster Schritt dazu war eine Auftaktveranstaltung auf Burg Wassenberg.

Wilhelm Paffen, stellvertretender Landrat, blickte bei seiner Begrüßung noch einmal zurück auf die Entstehungsgeschichte der seit 1. April bestehenden Koordinierungsstelle. Möglich wurde sie durch Finanzmittel des Bundes, darüber hinaus durch die Kooperation der Jugendämter der Städte Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg und Hückelhoven sowie dem Kreisjugendamt und dem Kreisgesundheitsamt.

Erste Aufgabe für die neue Koordinationsstelle, die von Dorothea Krollmann geleitet wird, war der Aufbau eines kreisweiten Familienhebammendienstes. Dabei handele es sich nicht um Jugendhilfe, betone Kreisjugendamtsleiter Hans-Jürgen Oehlschläger. Vielmehr biete dieser Dienst ein niederschwelliges Angebot für Mütter und Väter, um diesen bei der Bewältigung der mit der Schwangerschaft und nach der Geburt auftretenden Problemlagen behilflich zu sein. Und dafür gebe es „einen nicht geahnten Bedarf“. Seien in den Monaten April und Mai noch drei beziehungsweise sechs Fälle von den Hebammen bearbeitet worden, seien es im vergangenen Monat schon 30 gewesen. Darüber hinaus solle jetzt im Sinne des Bundeskinderschutzgesetzes das Netzwerk „Frühe Hilfen“ geschaffen werden mit dem Ziel, das Bewusstsein für das Kindeswohl stärker in den Vordergrund zurücken.

Dr. Karl-Heinz Feldhoff, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, stellte noch einmal die rechtlichen Grundlagen der Aktivitäten dar und erläuterte die Präventionsdaten der Schuleingangsuntersuchungen. Dorothea Krollmann ging dann auf die eigentliche Netzwerkarbeit ein, die sie als „Gratwanderung“ sah zwischen Autonomie versus Abhängigkeit, Vertrauen versus Kontrolle und Kooperation versus Wettbewerb. „Meine Rolle ist die der neutralen Akteurin, ich verstehe mich quasi als Werkzeug für das Netzwerk“, erklärte sie. „Natürlich sollten wir uns nicht der Illusion hingeben, dass ein Netzwerk, so gut es auch funktionieren mag, jedwede Kindesmisshandlung verhindern kann“, fuhr sie fort, „aber eben so viele wie möglich“.

Ein solches Netzwerk aufzubauen, gehe nur in kleinen Schritten, so Krollmann weiter. Zunächst will sie eine Internetplattform aufbauen, die alle Angebote abbilden soll. Jeder Akteur soll sich dort vorstellen können, zudem sollen temporäre Angebote auf einer aktuellen Seite zu finden sein. Als Service zum Ausdrucken wird es etwa eine Seite mit Notfallnummern geben. „Weitere Ideen sind natürlich willkommen!“, erklärte sie. Auf der Internetseite soll es später auch einen Bereich für die Fachleute geben und über den Online-Auftritt hinaus Fachgespräche, -tagungen und -fortbildungen. Ein erstes Gespräch ist bereits geplant für den 14. Januar zum Thema „Fetales Alkoholsyndrom“.

„Offenheit, Vertrauen, Kritikfähigkeit und ein wertschätzender Umgang sind die Kriterien, die ich mir für unser Netzwerk wünsche“, schloss Krollmann ihre Rede. Ein reger Austausch mit den Gästen schloss sich den Referaten an.

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