Das Handwerk will keinen Hygiene-Pranger

Von: agsb
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Im Geilenkirchener Haus des Handwerks Dietmar Brockes, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, verewigte sich im Gästebuch der Kreishandwerkerschaft Heinsberg. Foto: agsb

Kreis Heinsberg. Das Treffen drehte sich um die Hygiene-Ampel: Im Geilenkirchener Haus des Handwerks begrüßte der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heinsberg, Dr. Michael Vondenhoff, Vertreter der heimischen Bäcker- und Fleischer-­Innungen mit den Obermeistern Edwin Mönius und Bruno Zahren, den wirtschaftspolitischen Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Dietmar Brockes, den Kreistagsfraktionsvorsitzenden der FDP, Stefan Lenzen und weitere Freie Demokraten, ferner mit Adalbert Wolf und Dr. Sabine Görgen Vertreter des NRW-Fleischerverbandes sowie vom Verband des Rheinischen Bäckerhandwerks Walter Dohr.

Nach Plänen der Landesregierung sollen mit der Hygiene-Ampel (Kontrollbarometer) die Ergebnisse der amtlichen Lebensmittelüberwachung, insbesondere in Gastronomie und Lebensmittelhandwerk, veröffentlicht werden. Im Frühjahr soll über dieses Gesetz abschließend entschieden werden. „Verbraucher verlangen von Lebensmittelhandwerk und Gastronomie zu Recht, dass Hygienevorschriften eingehalten werden. Diese Vorschriften sind für unsere Lebensmittelbetriebe eine Selbstverständlichkeit“, so Obermeister Mönius von der Bäcker-Innung. „Dazu braucht es keine Hygiene-Ampel, die die gesamte Branche an den Pranger und unter Generalverdacht stellt“, war Mönius mit seinem Obermeister-Kollegen Zahren von der Fleischer-Innung einig.

„Die Hygiene-Ampel sorgt nur für Scheintransparenz, führt Verbraucher in die Irre. Die Einstufung mit Rot, Gelb und Grün verrät dem Verbraucher weder, welche Gesichtspunkte bei der Beurteilung eine Rolle gespielt haben, noch kann er sich auf das amtliche Werturteil verlassen und so auf die hygienischen Zustände in dem Betrieb schließen“, warnte Lenzen vor der Hygiene-Ampel. Er stellte die Idee eines Hygiene-­Führerscheins für Betriebe, die beruflich mit Lebensmittel umgehen würden, in den Raum.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel stand wegen der geplanten Einführung der Hygiene-Ampel in der Kritik der Teilnehmer dieses Treffens in Geilenkirchen. Gefordert wurde stattdessen ein hartes Durchgreifen gegen schwarze Schafe. „Wer Hygienevorschriften nicht einhält, gehört aus dem Verkehr gezogen“, so lautete der Tenor.

Wie die Innungsmitglieder lehnten auch die FDP-Vertreter eine Hygiene-Ampel konsequent ab. Brockes äußerte die Befürchtung, viele Betriebe würden bereits bei Gelb am Pranger stehen, ja schon bei einem „schlechten“ Grün (erkennbar durch Pfeile auf dem Kontrollbarometer) würden die Verbraucher dies hinterfragen. Beklagt wurde auch die Regelung, dass nur ein Prüfer jeweils vor Ort sein solle und es unter den Prüfern unterschiedliche Handhabungen gebe.

Obermeister Mönius erkannte eine weitere Benachteiligung für den kleinen Bäcker oder Metzger vom Dorf. „Falls ein Großbetrieb Rot bekommt, dann steht seine Ampel am Standort auf Rot. Aber in der Filialen steht nichts“.

Walter Dohr, Geschäftsführer des Rheinischen Bäckerhandwerks, schlug in die gleiche Kerbe und beklagte Ungerechtigkeit: „In Duisburg schaut der Prüfer drüber hinweg, wenn ein Deckel auf einem Abfalleimer fehlt, in Düsseldorf gibt es dafür einen Minuspunkt“, sah Dohr noch viele offene Fragen. „Dieses Gesetz ist geschaffen worden, um die Kontrolle der Kontrollen zu dokumentieren“, erhob Dohr weitere Vorwürfe in Richtung Minister.

In einer lebhaften Diskussion thematisierte der Landesinnungsmeister der Fleischer, Adalbert Wolf, das Sterben vieler Betriebe aufgrund ständig neuer Vorschriften. „Irgendwann macht Selbstständigkeit keinen Spaß mehr“, so Wolf mit Blick auf unnötigem Bürokratismus. Mittlerweile würden die Büroarbeiten und Dokumentationen fast einen ganzen Arbeitstag pro Woche in Anspruch nehmen.

„Leidtragende sind die ehrlichen Unternehmer, wenn wegen nur vermeintlich hygienebedingter Schlechtbewertungen mit der Ampel ganze berufliche Existenzen vernichtet werden“, so der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in seinem Schlusswort. Michael Vondenhoff war sich in seinem ­Fazit mit allen ­einig: „Wir brauchen keinen Hygiene-Pranger!“

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