„Crash Kurs NRW” am Kreisgymnasium

Von: Anna Petra Thomas
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Solche Bilder will die Polizei
Solche Bilder will die Polizei mit dem Präventivprogramm „Crash Kurs NRW” vermeiden. Ein 18-Jähriger war hier gegen eine Mauer gefahren. Der Motorblock lag 35 Meter weiter. Tempo 50 war vorgeschrieben, 110 zeigte der Tacho an. Foto: Georg Schmitz (Archiv)/Anna-Petra Thomas

Heinsberg. Für einige Schüler waren die Bilder und Schilderungen so hart, dass sie nicht bis zum Ende bleiben konnten. Sie mussten den „Crash Kurs NRW” frühzeitig verlassen.

Da gab es zum Beispiel die Geschichte von Martina Wilms. Mit einem Feuerzeug in der Hand ging sie auf die Bühne des Heinsberger Kreisgymnasiums. Sie hat bei einem Unfall ihre Tochter verloren.

Den Grund für den Unfall vermutet man darin, dass sie sich beim Fahren eine Zigarette anzünden wollte. Eindrucksvoll schilderte sie den jungen Menschen ihren Verlust. Sie erzählte von einem Schlafanzug in einer fest verknoteten Plastiktüte, mit der sie versuchte, den Geruch ihrer Tochter zu behalten, von Anrufen, von E-Mails und Briefen, die sie ihr nach ihrem Tod geschrieben hat. „Packt alles in den Kofferraum!”, lautete ihr Rat an die jungen Fahrer, um jegliche Ablenkung beim Fahren zu vermeiden.

Der Anteil von jugendlichen Verkehrsteilnehmern bei den Verursachern von schweren Unfällen ist überproportional hoch. Überhöhte Geschwindigkeit, das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes sowie der Konsum von Alkohol und Drogen sind zudem in mehr als 50 Prozent aller Fälle die Ursachen für schwere oder tödliche Verletzungen im Straßenverkehr. Grund genug für die Polizei, unter dem Motto „Crash Kurs NRW” neue Wege in der Präventionsarbeit zu gehen.

Nach Probelauf an Schulen

Nach einem Probelauf mit Auszubildenden der Kreissparkasse bringt Michael Okuhn, stellvertretender Leiter der Direktion Verkehr, das Programm derzeit an die Schulen im Kreis Heinsberg. „Realität erfahren. Echt hart”, lautete das Motto so auch für 200 Oberstufenschüler des Heinsberger Kreisgymnasiums, die im eigens dafür abgedunkelten pädagogischen Zentrum an der Veranstaltung teilnahmen.

Der „Crash Kurs NRW” folgt einem Beispiel aus Großbritannien. Vor einigen Jahren wurde hier in Staffordshire ein „Crash Course” entwickelt. Mit guten Erfahrungen: Die Zahl der Unfälle sei dadurch um etwa 50 Prozent gesunken, erklärte Okuhn in seiner Begrüßung. So stellte er auch für den Kreis Heinsberg und seinen „Crash Kurs” ein Team zusammen, dessen Mitglieder den Schülern aus ganz unterschiedlicher Perspektive ihre Erlebnisse mit schweren Unfällen schilderte.

Immer wieder dazwischen eingespielt wurden Filmsequenzen mit realitätsnah gedrehten Situationen ganz schwerer Unfälle. Kooperationspartner bei der Realisierung des Kurses für den Kreis Heinsberg waren neben Kreis und Polizei die Verkehrswacht sowie das St.-Elisabeth-Krankenhaus und die Feuerwehr in Geilenkirchen.

Für die Präsentation im Heinsberger Gymnasium arbeitete Okuhn zudem mit Lehrer Herbert Jansen zusammen, der hier für die Themen Verkehrserziehung und Mobilität zuständig ist.

„Ihr habt es in der Hand!”, erklärte Okuhn den Schülern zum Schluss seiner Rede die Tatsache, dass viele Unfälle durch angemessenes Verhalten im Straßenverkehr vermeidbar wären, bevor er an seine Kollegin Angela Jansen übergab, die in der Polizeiwache Heinsberg Dienst tut. „Es war ein wunderschöner Frühlingstag”, begann sie ihren Bericht, der im Horrorszenario eines Unfalls endete, in dem die Mutter eines drei Wochen alten Babys getötet wurde. Sehr deutlich wurde auch Michael Wassen, Feuerwehrmann in Geilenkirchen, der sich in voller Montur auf die Bühne stellte: „Ich bin es wirklich leid zu sehen, wenn ihr blutend und schreiend vor mir liegt!”, sagte er den Schülern. „Wir sind bereit, alles aus uns herauszuholen, aber manchmal kommen wir wirklich zu spät.”

Am Ende der Schilderung seines Beispiels erfuhren sie dann sogar, dass er selbst das Opfer des Unfalls war, von dem er ihnen berichtet hatte.

Zu schockieren ist nicht das Ziel

Dritter im Bunde war Notarzt Sebastian Fritz. „Wir wollen nicht schocken”, erklärte er. „Wir zeigen Sachen, die für uns Alltag sind.” Und es gelang ihm eindrucksvoll zu verdeutlichen, was er für ihn bedeutet, eine Stunde neben einem Fahrzeug zu stehen, in dem ein Unfallopfer eingeklemmt ist, „und man kann nix tun!” Wem diese Schilderungen zu nahe gingen, für den standen draußen Gesprächspartner bereit, die dabei halfen, das Gesehene zu verarbeiten.
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