Selfkant - Corsten wirft Steuerzahler-Bund schlechte Recherche vor

Corsten wirft Steuerzahler-Bund schlechte Recherche vor

Von: dawin
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Selfkants Bürgermeister Herbert Corsten ist empört über die Äußerungen des Steuerzahler-Bundes. Foto: Rainer Herwartz

Selfkant. „Was auf dem Papier nach einer prima Idee aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als bemühte Inszenierung eines Punktes irgendwo im Nirgendwo.“ Herbert Corsten, Bürgermeister der Gemeinde Selfkant, bringt diese niederschmetternde Kritik des Bundes der Steuerzahler mächtig auf die Palme.

Grund: Im aktuellen Schwarzbuch findet auch die kleine Westgemeinde – im Reigen mit weiteren 15 Kommunen aus NRW – eine unrühmliche Erwähnung, weil sie nach Einschätzung des Steuerzahler-Bundes unnötig Gelder in Höhe von rund 500 000 Euro für die Schaffung des „Erlebnisraumes Westzipfel“ verplempert. Corsten verteidigt das Projekt, das bereits mit einer Ausschreibung angeschoben wurde: „Die Gemeinde hat keine andere Möglichkeit, sich zu präsentieren, sogar bundesweit zu präsentieren.“

Jüngst beim Tag der Deutschen Einheit in Hannover habe sich einmal mehr gezeigt, dass man mit solchen Alleinstellungsmerkmalen wie der westlichste Punkt Deutschlands gut werben könne: „Wir haben rund 5000 Zipfelpässe unter die Leute gebracht. Und wenn die Besucher dann anreisen, wollen sie natürlich die Attraktion, den westlichsten Grenzstein, auch sehen.“ Der Fremdenverkehr sei nun mal ein wichtiges Brot für den ansonsten einnahmeschwachen Selfkant, mit dem sich die klamme Gemeindekasse auffüllen lasse. Und außerdem: „Man kann uns doch deshalb nicht verübeln, dass wir ein Projekt realisieren wollen, das zu 80 Prozent vom Land gefördert wird.“

Herbert Corsten verweist in Richtung Bund der Steuerzahler: „Wenn man solche Sachen veröffentlicht, sollte man besser recherchieren.“ So werde es nie eine Schaukel an der grenzüberschreitenden Brücke geben, es werde auch keine weißen Betondielen geben. Auch stimme die Darstellung nicht, dass die übrigen Zipfelgemeinden auf ein derart prätentiöses Zipfelerlebnis verzichten können und ihnen ein Zusammenschluss im „Zipfelbund“ genüge. Corsten: „Den Vergleich finde ich unzutreffend. List auf Sylt hat keine Möglichkeit, im Naturschutzgebiet einen Erlebnisraum zu schaffen. Wenngleich man jetzt dort, nach unserer Initiative, einen Grenzstein hingesetzt hat. Oberstdorf in Bayern kann den Grenzstein nicht vermarkten, der steht irgendwo mitten im Gebirge. Und Görlitz in Sachsen ist schwierig, da es dort die spezielle Ausgangssituation zu Polen gibt.“

Der Steuerzahler-Bund habe sich einmal, vor einem Jahr, im Rathaus gemeldet; er habe diesem mitgeteilt, dass die Planungen laufen. Danach habe es keinen Informationsaustausch mehr gegeben.

Verschwiegen werde im Schwarzbuch-Bericht geflissentlich, dass das Projekt und damit dessen Förderung segensreiche Konsequenzen für den Selfkant, ja für die Region „Der Selfkant“ hätten. So werde in Millen ein Park- und Bike-Platz geschaffen, es werden Erlebnistafeln auch in den Nachbarkommunen Waldfeucht und Gangelt aufgestellt, die Wanderer und Radler über die Sehenswürdigkeiten vor Ort informieren; und es werde – auch das gehöre mit in das geförderte „Gesamtpaket“ – geschwindigkeitshemmende Maßnahmen auf der Kreisstraße 1 geben, nämlich dergestalt, dass die Fahrbahn durch eine zusätzliche Busspur verengt wird.

Wie monierten die Steuerzahler doch so bitterscharf: „… die Inszenierung eines Punktes irgendwo im Nirgendwo.“ Darauf reagiert Bürgermeister Herbert Corsten trotzig: „Die Damen und Herren scheinen nicht zu wissen, dass der Erlebnisraum eine internationale Dimension hat. Bei der Einweihung werden die belgische Gemeinde Maaseik und die niederländische Gemeinde Echt-Susteren mit dabei sein. Wo bei uns der westlichste Punkt ist, ist für die Niederländer die schmalste Stelle des Landes, und diese wollen sie auch in größerem Rahmen vermarkten. Daneben wird die Gemeinde Echt-Susteren eigens eine neue Radwegeverbindung hin zum westlichen Punkt anlegen, und man arbeitet mit der Waterschap Roer en Overmaas gezielt an einer Renaturierung des Rodebachs – unter anderem an dieser Stelle. Das Ganze wird also auf breiter Basis getragen. Von wegen Nirgendwo.“

Die Selfkänter wollen sich auf keinen Fall ihre Attraktion madig machen lassen. Nicht durch eine Platzierung im Schwarzbuch, die nach Einschätzung des Bürgermeisters ohnehin durch projektkritische Personen an den Steuerzahler-Bund rangetragen worden sein könnte. Am Fahrplan wird nicht gerüttelt: „Nach der laufenden Ausschreibung erfolgen die Arbeiten. Am 20. Juni 2015 wird der Erlebnisraum feierlich eingeweiht.“

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