Clusterkopfschmerz: „Einen glühenden Dolch ins Auge gestoßen“

Von: Dieter Schuhmachers
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In Berlin trafen Jakob C. Terhaag und Anja Alsleben (von links) sowie Wilfried Oellers und Dr. Harald Müller (von rechts) Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (Bildmitte). Foto: CSG

Kreis Heinsberg. Anlässlich des internationalen Tages des Clusterkopfschmerzes hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den Vorstand vom Bundesverband der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen (CSG) in ­seinem Berliner Büro empfangen.

Der CSG-Vorstand mit dem Präsidenten Dr. Harald Müller aus Dormagen, Schatzmeisterin Anja Alsleben aus Gronau und dem Generalsekretär und Geschäftsführer ­Jakob C. Terhaag aus Waldfeucht hatten dabei Gelegenheit, über diese seltene Kopfschmerz-Erkrankung und die Probleme der Patienten zu informieren. Das Treffen war auf Vermittlung des Heinsberger CDU-Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers zustande gekommen. Er nahm an dem Treffen teil und sagte dem CSG seine weitere Unterstützung zu.

Gröhe zeigte sich bei dem Treffen schon sehr gut über das Thema informiert, nicht zuletzt dank eines früheren Besuchs von Müller und Terhaag in Gröhes Neusser Wahlkreisbüro. „Da haben doch sicherlich die Angehörigen auch gewaltig darunter zu leiden?“ Dies fragte er seine Gesprächspartner, nachdem er ein Video vom CSG gesehen hatte, das ihm die Gewalt einer solchen Kopfschmerzattacke vor Augen geführt hatte. „Es ist, als würde dem Betroffenen ein glühender Dolch ins Auge gestoßen“, erklärte Terhaag.

Anja Alsleben, selbst Angehörige eines Betroffenen, konnte dem Minister eindrucksvoll schildern, wie sie sich morgens auf dem Weg zur Arbeit fühlt, wenn ihr Mann in der Nacht ein, zwei oder sogar drei dieser Anfälle durchlebt und sie dabei aus dem Schlaf gerissen hat.

Wartezeiten

„Wie ist denn die psychologische Behandlung der Patienten und unter Umständen auch der Angehörigen geregelt?“ So erkundigte sich der Minister. „Aktuell gar nicht“, musste ihm Müller entgegnen. In Österreich werde bei der Diagnose sofort ein Psychologe eingeschaltet. In Deutschland dagegen würden die Wartezeiten für einen Termin beim Psychologen oftmals sechs bis zwölf Monate betragen, in Einzelfällen noch länger. Angesichts der enormen Schmerzen seien suizidale Gedanken bei mindestens 50 Prozent der Betroffenen bekannt, die jedoch faktisch nicht therapiert würden, so Müller weiter. Daher fordere der CSG bereits seit langem, die psychologische Betreuung der Patienten und der Angehörigen bereits bei der Diagnose regelmäßig einzuplanen.

Müller thematisierte auch die teilweise mangelnde Versorgung der Patienten mit dem entsprechenden Notfallmedikament in Form von Triptan-Injektionen. Nur in zwei der bundesweit 17 Kassenärztlichen Vereinigungen sei es derzeit möglich, die Verordnung dieser Medikamente mittels einer bestimmten Codenummer als sogenannte Praxisbesonderheit zu deklarieren, wodurch sie dann nicht dem Budget des Arztes angelastet würden.

Dieses Medikament koste pro Anwendung etwa 35 Euro und werde bis zu acht Mal täglich über durchschnittlich zehn Wochen benötigt. Von den angeschriebenen Kassenärztlichen Vereinigungen hätten es sechs nicht einmal für nötig erachtet, sich innerhalb von mehr als fünf Wochen überhaupt zu der Frage zu äußern, ob ein vergleichbares ­System in ihrem Bereich etabliert sei.

Gröhe bot an, ihn bei entsprechenden Schreiben an die Kassenärztlichen Vereinigungen in Kopie einzubeziehen, um damit die Bedeutung der Anfragen zu unterstreichen. Der Minister erklärte, dass das Budget-System zwischenzeitlich abgeschafft sei und es von daher „keine Probleme mehr geben darf“. Offenkundig seien diese Informationen noch nicht bis in die letzte Arztpraxis vorgedrungen, denn Patienten würden weiter noch von Verweigerungshaltungen berichten, die mit Budget­ängsten begründet würden, so Müller.

Nur Platz im Mittelfeld

Der Bundesverband der Clusterkopfschmerz-Selbsthilfe-Gruppen fordert, dass die Verordnungspraxis sich künftig an den Bedürfnissen der Patienten orientiert. Dies umso mehr, als eine im Januar dieses Jahres durchgeführte Studie der Europäischen Kopfschmerz Allianz ergeben hat, dass Deutschland in der Versorgung der Clusterkopfschmerz-Patienten nur einen Platz im Mittelfeld belegt.

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