Chronische Angst kann zum Infarkt führen

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Erkelenz. Worüber möchten Sie heute etwas erfahren?” Mit dieser Frage wandte sich Simeon Matentzoglu, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt der Gangelter Einrichtungen Maria Hilf, an die Interessenten, die der Einladung der Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch kranke Menschen Erkelenz des Caritasverbandes für die Region Heinsberg, zu seinem Vortrag „Angst und Angststörungen - wie kann ich mir helfen?” gefolgt waren.

Bevor der Referent in seinem anschaulichen und mit vielen, auch humorvollen Beispielen angereicherten Vortrag einstieg, sammelte er die Fragen, die sein Publikum besonders interessierten. Vieles davon klärte er bereits in seinem anderthalb Stunden dauernden Referat.

Seinen Ausführungen zufolge ist Angst zunächst einmal das menschlichste aller Gefühle und keine Krankheit. „Alle Menschen, alle Kulturen kennen Angst”, so Matentzoglu. Der angstfreie Mensch sei derjenige, der gefährdet sei.

Erfahrene Therapeuten würden heute sagen, dass Angst dabei helfe, etwas zu verändern. Erst wenn die Angst eine bestimmte Schwelle überschreite, werde sie lähmend beziehungsweise störend. Über Angst kommen manchmal andere Problematiken zum Ausdruck, wusste Matentzoglu.

Als Beispiel sprach der Referent die Angst-Panikstörung einer Patientin an. Und zwar bekam sie ihre Panikattacken, wenn sie sich vorher über etwas aufgeregt hatte.

Ein Gefühl, keine Krankheit

Matentzoglu hob hervor, dass jeder eine Panikattacke bekommen kann. Angst ist ein Phänomen, das bei fast allen psychischen Erkrankungen auftreten kann. „Auch Depressionen jeglicher Art sind vergesellschaftet mit der ganzen Palette von Ängsten”, erklärte er.

Es gebe fast keine Sucht, wo nicht Ängste eine große Rolle spielen würden. Zudem gebe es Angst in der ganzen Palette der seelischen Störungen.

Schließlich differenzierte Matentzoglu die generalisierte Angststörung vom normalen Phänomen der Befürchtung. Dabei handelt es sich um ein Krankheitsbild, wobei in mehreren wichtigen Lebensbereichen befürchtet wird, dass etwas Schlimmes auf einen zukommt.

„87 Prozent der Menschen mit einer generalisierten Angststörung haben Rückenschmerzen”, sagte er. In einem weiteren Schritt kam der Chefarzt auf die Phobien zu sprechen.

Hier unterschied er Phobien, denen man leicht aus dem Weg gehen kann, von denen, die das Leben problematisch gestalten. Phobien sind seinen Ausführungen zufolge verbunden mit Vermeidungsstrategien. „Vermeidung ist die Schwester der Angst”, so Matentzoglu. Jede Angst verstärke die Vermeidung, jede Vermeidung verstärke die Angst.

Die Angst überwinden bedeute, die Vermeidung zu durchbrechen, und dies wiederholt. Auch Angstzustände beziehungsweise Panikattacken ohne Auslöser verlaufen nach demselben Mechanismus, und zwar mit Vermeidung.

Schließlich demonstrierte Simeon Matentzoglu zwei Atemtechniken bei Angst, die Lippensperre und die Zahnsperre. „Jede Angst kann ich damit wegatmen”, erklärte er. Eine weitere Übung sei das Seufzen. „Das fünf Mal am Tag kann besser helfen als Psychopharmaka, und das rezeptfrei.”

Zum Abschluss sprach er Therapieformen und medikamentöse Behandlungen an. Eine chronische Angst müsse konsequent behandelt werden, da sie zu den Hauptrisikofaktoren für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall gehört, betonte er noch.
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