Christliche Kirchen: Spaltung nicht zeitgemäß

Von: Rainer Herwartz
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„Die Kirchenspaltung ist ein Ärgernis und widerspricht dem Willen Christi.” Der Heinsberger Propst Markus Bruns findet deutliche Worte. Foto: dpa

Heinsberg. Günther Jauch fände es gut, ebenso Alt-Bundespräsident Richard von Weizäcker. Der Zuspruch für den Aufruf von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zur Überwindung der Kirchenspaltung in Protestanten und Katholiken eint offenbar die unterschiedlichsten Menschen.

„Ökumene jetzt - ein Gott, ein Glaube, eine Kirche” lautet Lammerts These. Und wie sehen dies die Vertreter der Kirchen in Heinsberg?

„Die Kirchenspaltung ist ein Ärgernis und widerspricht dem Willen Christi.” Der Heinsberger Propst Markus Bruns findet deutliche Worte. 50 Jahre nach Konzilsbeginn und vor der 500-Jahr-Feier der Reformation sei ein solcher Aufruf ein anregender Impuls an die Kirchenleitungen, den ökumenischen Dialog verstärkt aufzunehmen und weiter voranzubringen. „Die größten theologischen Herausforderungen sind dabei sicher das Verständnis der Eucharistie bzw. des Abendmahles sowie das Amtsverständnis der beiden Kirchen.” Hier habe es jedoch in der Vergangenheit viele konstruktive Auseinandersetzungen gegeben, die sich lohnten, fortgesetzt zu werden. „Die gelebte Einheit muss das Ziel sein: auf einem soliden und fundierten theologischen Grund.”

Vor Ort und an der Kirchenbasis gebe es viele Ansätze von gelebter Einheit, so Bruns. „In Heinsberg pflegen wir nicht nur menschlich sehr gute Kontakte. An vielen Stellen wird die konkrete Zusammenarbeit praktiziert: bei ökumenischen Gottesdiensten in unseren Kirchen oder in den Schulen. Ein herausragendes Projekt ist die ökumenische offene Jugendarbeit, die in Heinsberg in Kürze an den Start gehen wird.”

In einer sich wandelnden Welt - Bischof Mussinghoff spreche da von epochalen Veränderungen - seien neue ökumenische Impulse notwendig und unverzichtbar, glaubt der Heinsberger Propst. „Etwas vereinfacht ausgedrückt: eine Trennung können sich die Kirchen dauerhaft nicht mehr leisten. Der Anteil der Gemeinsamkeiten ist doch wesentlich größer als das Trennende.”

Das sieht auch sein evangelischer Amtskollege in der Kreisstadt, Pfarrer Sebastian Walde, so. „Gemeinsam bekennen wir uns im apostolischen Glaubensbekenntnis zu der einen christlichen Kirche und halten doch an der Trennung fest. Eigentlich sollte diese skandalöse Spannung zwischen Glauben und Leben jeden Menschen, der in der Kirche Verantwortung trägt, so schmerzen, dass sein ganzes Bemühen auf die Aufhebung dieser unhaltbaren Spaltung gerichtet sein sollte.” Dies sei aber gegenwärtig für ihn nicht erkennbar. Insofern fürchtet er, dass der Appell, der sich auch an die Kirchenleitungen richte, in dieser Richtung ohne spürbare Resonanz verhallen wird.

„Meine Hoffnung ist, dass es uns immer besser gelingt, innerhalb der Grenzen, die die Amtskirche zieht, Ökumene zu praktizieren und so den begrenzten Spielraum voll auszuschöpfen, vielleicht sogar in evangelischer Freiheit die Grenzen zu überspringen.” Dass sich prominente katholische Christen für die Sache einsetzten, mache ihm Mut und zeige, dass das Anliegen von Martin Luther, die Kirche zu reformieren, ein echt katholisches Anliegen sein könne, so Walde. „An dem Maßstab des Evangeliums und des Glaubens, der aus dem Evangelium kommt, ist und bleibt die Kirche jedenfalls reformbedürftig.”
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