Chef des Gefahrstofflagers rudert zurück

Von: Verena Müller
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Wegberg/Heinsberg. Der Geschäftsführer des Wildenrather Gefahrstofflagers TLI (Times Logistics International) hat darauf verzichtet, dem Bauausschuss der Stadt Wegberg mitzuteilen, welche Gefahrstoffe er in größerer Menge lagern will und stattdessen seinen Antrag auf Änderung des Bebauungsplans zurückgezogen.

Das teilte der Bürgermeister der Stadt Wegberg, Reinhold Pillich, unserer Zeitung mit. Rechtlich gesehen hat die Stadt nun auch keine Möglichkeit mehr, darauf zu pochen, dass TLI die Chemikalie benennt.

Zu seinen Beweggründen sagte TLI-Geschäftsführer Carlo Knippenberg: „Die potenziellen Kunden haben ihre Aufträge zurückgezogen, weil sich die Entscheidung zu lange hingezogen hätte.” Ob das Kapitel damit endgültig abgeschlossen ist, ist die Frage. Knippenberg will zwar „vorerst” keinen neuen Antrag stellen, zuvor hatte er aber angekündigt, sein Ziel weiterzuverfolgen, auch wenn Kunden absprängen und er sein Vorhaben nicht kurzfristig durchsetzen könne.

Zwischen TLI und der Verwaltung scheint derweil Funkstille zu herrschen. Laut Bürgermeister Pillich hat es nach der Bauausschusssitzung vom 15. November keinen Kontakt mehr zwischen dem Unternehmen, der Verwaltung oder der Politik gegeben.

Verärgerung an allen Fronten

Die Sitzung hatte zu großer Verärgerung und Unruhe geführt, nicht nur, weil Ausschussmitglieder befürchteten, TLI könne künftig hochexplosive oder andere Stoffe lagern, die bei einem Unfall auf dem Gelände oder beim Transport durch die Kommunen Wegberg und Wassenberg eine Gefahr für die Bevölkerung darstellen.

Verärgerung kam auch auf, weil der Eindruck entstand, der Antrag solle schnell durch den Ausschuss und den Rat gewunken werden, die Vergangenheit des Vorgängerunternehmens von TLI ignorierend. Vor rund zehn Jahren hatte die Staatsanwaltschaft ermittelt, weil auf dem damaligen TCE-Gelände illegal Chlorgas gelagert wurde.

Verärgert war bei der Sitzung auch der Vorsitzende des Bauausschusses, Georg Gellissen (CDU). „Normalerweise wird die Tagesordnung mit dem Ausschussvorsitzenden im Detail abgestimmt”, sagte Gellissen. Er habe keine Gelegenheit gehabt, sich die Vorlage vorher anzusehen. Kurz vor der Sitzung waren Herbstferien, Gellissen befand sich im Urlaub.

Gerade bei brisanten Themen wie dem Gefahrstofflager müsse die Verwaltung aber wissen, so der Ausschussvorsitzende weiter, dass man gut daran tut, Wichtiges vorab zu klären. Etwa, wem im Ausschuss das Wort erteilt wird oder nicht. Laut Vorlage sollte ein Unternehmensvertreter die Pläne von TLI erläutern dürfen. Als sich aber im Ausschuss Unmut über den Antrag breit machte, musste Knippenberg mit seinem Berater unverrichteter Dinge gehen. Der TLI-Chef fühlte sich dadurch vor den Kopf gestoßen.

Damit aber nicht genug. „Sehr ungewöhnlich” sei die Schnelligkeit gewesen, mit der die Vorlage erstellt wurde, sagte Gellissen. Der Eingangsstempel des Antrags, der dieser Zeitung vorliegt, trägt das Datum 28. Oktober 2011. Bereits am 31. Oktober war die Vorlage des Fachbereichs Planen, Bauen und Wohnen fertig. Der 28. Oktober war ein Freitag. Die Verwaltung hatte also nur zwei Arbeitstage gebraucht. „Sehr ungewöhnlich” nennt Gellissen dieses Tempo, weil er selbst in der Stadtverwaltung Viersen arbeitet und weiß, dass ein solcher Vorgang üblicherweise „ein paar Wochen” dauert.

Rudolf Fabry, technischer Beigeordneter der Stadt Wegberg, sagt, man habe den Antrag „in Ruhe und vernünftig geprüft”. Das sei nicht „hopplahopp” gegangen. Arbeite die Verwaltung zu langsam, werde ihr dies zum Vorwurf gemacht, arbeite sie zu schnell, auch. Dass er TLI gemeinsam mit dem Baudezernenten Hans-Peter Wilms und dem Bürgermeister im Sommer besucht und Knippenberg erklärt habe, welche rechtlichen Möglichkeiten es gebe, sei ebenfalls kein ungewöhnlicher Vorgang. „Wir besuchen regelmäßig Firmen”, so Fabry. „Als der Antrag dann kam, haben wir schriftlich darauf hingewiesen, dass ein Gutachten zur Gefährdungsabschätzung erstellt werden muss.” Dem sei TLI aber nicht nachgekommen.

TLI hatte erklärt, von der Sub-stanz, die „auch Bayer lagert”, bereits 180 Tonnen auf dem Firmengelände deponiert zu haben und eine Genehmigung für bis zu 1000 Tonnen haben zu wollen.

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Wegberg versicherte, dass die Zusammenarbeit mit TLI „sehr vertrauensvoll” sei. Alle Sicherheitsvorkehrungen von TLI seien auf dem neuesten Stand und das Gefahrenabwehrkonzept werde jährlich aktualisiert, sagte Wehrleiter Dietmar Gisbertz. Der Plan sehe vor, dass bereits bei kleinsten Rauchmengen drei Löschzüge ausrücken. Alle drei Jahre werde außerdem eine Übung auf dem Gelände durchgeführt, so Gisbertz weiter. Bislang gebe es nichts zu beanstanden.
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