CDA zu Gast bei der Heinsberger Lebenshilfe

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„Der macht das richtig gut!“: Anerkennend stellte sein Chef Jürgen Dick (r.) fest, wie souverän der frischge­backene Bäckergeselle Michael Örtel (im roten Shirt) den Besuchern seine Arbeit erläuterte. Foto: Lebenshilfe

Kreis Heinsberg. Auf Einladung vom Kreisverband der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) besuchte Claudia Middendorf, Sozialpolitikerin und Landtagsabgeordnete der CDU aus Dortmund, die Lebenshilfe Heinsberg, um die vielfältigen beruflichen Förder- und Entwicklungsmöglichkeiten der Werkstatt für behinderte Menschen kennenzulernen.

Claudia Middendorf ist Berichterstatterin der CDU-Fraktion für dieses Fachgebiet und Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales. Begleitet wurde sie bei dem Besuch unter anderem von dem CDU-Kreisvorsitzenden und Heinsberger Landtags­abgeordneten Bernd Krückel und dem CDA-Kreisvorsitzenden Alexander Scheufens. Denn die CDA, der Sozialflügel der CDU, lädt im Rahmen ihrer Sommertour jedes Jahr Fachpolitiker zu Besuchen und Gesprächen mit Institutionen und Unternehmen vor Ort ein.

„Seit mehr als 40 Jahren bietet die Lebenshilfe Heinsberg Arbeits- und berufliche Förderangebote mit dem Ziel, jedem Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen“, erläuterten Vorstandsmitglied Heinz-Willi Jansen und Lebenshilfe-Geschäftsführer Edgar Johnen bei der Begrüßung.

„Wir legen Wert auf vielfältige Produktions- und Dienstleistungsangebote, denn wir suchen nicht den Menschen für unsere Arbeit, sondern erweitern ständig unsere Arbeitsangebote, um die Kompetenz unserer Mitarbeiter zu fördern und ihnen vielfältiges Know-how zu vermitteln“, so Johnen.

Für die berufliche Begleitung und Assistenz der rund 1100 Mitarbeiter stehen rund 250 Fachkräfte aus Industrie und Wirtschaft, Pädagogik und Pflege mit Zusatzqualifikationen in der Arbeits- und Berufsförderung zur Verfügung. „Unser Ziel ist die Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben“, so Johnen weiter, „deshalb verstehen wir die Werkstatt für behinderte Menschen als integralen Teil des allgemeinen Arbeitsmarktes.“ Neben der Möglichkeit, dauerhaft in den unterschiedlichen Abteilungen der Werkstatt zu arbeiten, hätten die Mitarbeiter auch die Chance, externe Betriebe durch betriebsintegrierte Praktika und Arbeitsplätze kennenzulernen.

Daraus können sich berufliche Chancen entwickeln, wie die Gäste beim anschließenden Besuch in der Bäckerei von Jürgen Dick feststellen konnten. Dort führte sie der frischgebackene Bäckergeselle Michael Örtel durch die große Backstube in Heinsberg an der Industriestraße. „Michael Örtel arbeitete früher in der Küche der Lebenshilfe Heinsberg.

Sein Wunsch war es, Bäcker zu werden“, erläuterte Wolfgang Voßen, pädagogischer Leiter der Lebenshilfe-Werkstatt. „Also suchten wir mit ihm eine geeignete Praktikumsstelle. Durch unsere enge Zusammen­arbeit mit Jürgen Dick fanden wir einen Platz für Herrn Örtel.“ ­Bäckermeister Jürgen Dick erkannte das Engagement seines Praktikanten und wollte ihm eine Chance geben: „Herr Örtel hat uns mit seinem Engagement überzeugt, und nach Verlängerung des Praktikums stand für uns fest, dass er das Zeug für die Ausbildung zum Bäckerhelfer hat.“ Schließlich schaffte Michael Örtel im weiteren Ausbildungsverlauf sogar die Gesellenausbildung und wurde im Sommer losgesprochen.

„Nicht ­jeder Werkstatt-Mitarbeiter wird diesen Berufsweg einschlagen können“, erklärte Edgar Johnen, „aber wir bieten heute schon mit mehr als 60 betriebsintegrierten Arbeitsplätzen in Kindergärten, Altenheimen, im Handwerk sowie in diversen Industriezweigen eine Vielzahl individueller, beruflicher Teilhabechancen im allgemeinen Arbeitsmarkt.“

Zudem bietet die Lebenshilfe-Werkstatt mit mittlerweile vier Cafés auch eigene berufliche Qualifizierungsmöglichkeiten im gastronomischen Bereich, wovon sich die Gäste beim abschließenden Besuch im Café Samocca überzeugen konnten. Das Museumscafé am Begas-Haus in Heinsberg beschäftigt zehn Menschen mit Behinderung. Sie sind beteiligt an allen Abläufen – von der Zubereitung der Speisen bis zum Servieren und Kassieren.

Die CDU-Abgeordneten Claudia Middendorf und Bernd Krückel zeigten sich begeistert von diesen beruflichen Entwicklungschancen für Menschen mit Behinderung im Kreis Heinsberg. Alexander Scheufens, der wie Claudia Middendorf auch Mitglied im CDA-Landesvorstand ist, betonte die Chancen des ausgereiften Werkstätten-Systems in Deutschland: „Was wir heute gesehen haben, ist beeindruckend!

Durch die Vielfalt der beruflichen Förderangebote findet in der Werkstatt jeder Mensch einen Arbeitsplatz, der zu ihm passt und der ihm gefällt. Auch Menschen mit schweren Behinderungen werden in dieser Werkstatt-Vielfalt fest eingebunden und ganz individuell gefördert. Das ist echte Teilhabe am Arbeitsleben!“ Er warnte zugleich: „Es darf im Kontext der aktuellen Inklusionsdebatte nicht zu einer Fehlentwicklung kommen.

Der derzeit politisch diskutierte Ausbau alternativer Werkstattangebote für behinderte Menschen darf nicht im Ergebnis dazu führen, dass es nur noch Angebote für die Leistungsstärkeren gibt. Wir brauchen auch in Zukunft ein Werkstatt-System, in dem alle Menschen mit Behinderung gefördert werden können, egal wie schwer ihre Behinderung ist.“

Als ein solches Negativbeispiel für eine verfehlte Inklusionspolitik verwies Scheufens auf England. Dort sei das über Jahrzehnte gewachsene Werkstättensystem für behinderte Menschen „regelrecht implodiert“. Denn zwischen 2007 und 2013 seien dort alle Werkstätten geschlossen worden. Nun hätten heute in England schwerst­behinderte Menschen kaum noch eine Chance, am Arbeitsleben teilzunehmen.

Dazu dürfe es in Deutschland nicht kommen, so Scheufens: „Vielmehr sollten wir die bereits vorhandenen Werkstattangebote sowie die Förderung von Beschäftigungsmöglichkeiten durch betriebsintegrierte Arbeitsplätze langfristig und dauerhaft ausbauen. Das Ziel muss sein: eine umfassende Inklusion für alle! Und genau das haben wir heute hier bei der Lebenshilfe in Heinsberg beobachten dürfen.“

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