Cannabis-Konsumenten oft noch minderjährig

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„Klarer Durchblick”: Bei der Präsentation vom Jahres- und Qualitätsbericht der kreiseigenen Suchtberatung stellte Ilona van Halbeek (links) ihren Kollegen Wolfgang Sommer, Johannes Müllers und Doris Thoms (von rechts) das neue Faltblatt zum Thema Alkoholmissbrauch vor. Foto: Petra Wolters

Kreis Heinsberg. Der Rat der Suchtberatungsstellen des Kreisgesundheitsamtes in Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg ist gefragt. Das geht aus dem Jahres- und Qualitätsbericht für das Jahr 2009 hervor, den Wolfgang Sommer als Leiter der Beratungsstellen jetzt gemeinsam mit Mitarbeitern im Kreishaus vorstellte.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 726 Menschen betreut, im Vergleich zu 635 im Jahr zuvor. Diese Steigerung um 14,3 Prozent resultiere vor allem daraus, dass sich Menschen verstärkt um Hilfe bemühen würden, auch im Zusammenhang damit, dass die Arbeit der Beratungsstellen bekannter werde, so Sommer. Glücklich sei er, dass die Beratung auch weiterhin an den drei Standorten in Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg stattfinden könne, denn viele Klienten seien doch körperlich und auch psychisch sehr eingeschränkt.

Nicht nur bei Alkohol- und Medikamentenmissbrauch bieten die Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes Hilfe an, sondern auch bei Problemen mit illegalen Drogen, bei Essstörungen oder zum Beispiel auch bei Spielsucht. Beraten werden dabei nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Paare oder ganze Familien. Bei Bedarf kooperieren die Beratungsstellen mit Kliniken. Sie engagieren sich zudem in der Suchtprophylaxe und in der Nachsorge im Anschluss an Klinikaufenthalte.

Drei aktuelle Trends würden deutlich, führte Sommer weiter aus mit Blick auf die vorgelegten Statistiken. So beobachte man zunächst schon seit Mitte der 90er Jahre, dass sich der Schwerpunkt der Beratungsarbeit vom Alkohol Richtung Drogen verschiebe. Viele Klienten seien zudem mehrfach abhängig, zum Beispiel von Cannabis und Amphetaminen. Schließlich beobachte man auch vermehrt, dass Menschen neben einer Abhängigkeit etwa von Drogen auch psychische Probleme mitbrächten, etwa durch Psychosen im Zusammenhang mit dem Konsum von Cannabis.

Zugenommen hat die Zahl der Ratsuchenden in allen Beratungsbereichen. Während deren Alter beim Alkohol meist zwischen 40 und 60 Jahren liege, seien die Klienten, die Probleme mit Opiaten oder Cannabis hätten, jünger, betonte Sommer. Bei Opiaten liege das Alter zwischen 30 und 40, bei Cannabis zwischen 15 und 29 Jahren. Große Sorgen bereitet den Beratungsstellen gerade die Zunahme oft noch minderjähriger Cannabis-Konsumenten.

Mit einem Hinweis auf die neuen Angebote der Suchtberatungsstellen schloss der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie seine Übersicht. Gut angenommen werde die neue, zweimal pro Monat angebotene Sprechstunde für Menschen mit Essstörungen. „Der Bedarf ist da”, so Sommer. Weiter erläuterte er die Arbeit einer Elternselbsthilfe in Geilenkirchen und eine ebenfalls in Geilenkirchen abgeschlossene Schulvereinbarung zum Thema Sucht, die diese Problematik dort „deutlich entaktualisiert” habe.

Ilona van Halbeek stellte ihre Arbeit in der Prophylaxe vor. Neben realisierten Projekten sei für sie vor allem die Beratung und Fortbildung von Multiplikatoren wie Erziehern und Lehrer wichtig, darüber hinaus auch die Arbeit in Netzwerken, an denen zum Beispiel Polizei, Jugendämter, Krankenkassen und Selbsthilfegruppen beteiligt seien. Diese Netzwerkarbeit gehe dabei auch über Landesgrenzen hinweg. In den Niederlanden gebe es zum Beispiel bereits Erfahrungen zum Thema Online-Sucht oder auch zur prophylaktischen Arbeit mit lernbehinderten Kindern und Jugendlichen. Jüngstes Projekt ihrer Arbeit ist ein Faltblatt mit dem Titel „Klarer Durchblick”, das ein Gesprächsangebot enthält für Jugendliche, die nach Alkoholmissbrauch ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.

Suchtberatung des Kreises

Suchtberatung in Erkelenz: Gesundheitsamt, Freiheitsplatz 2, 02431/9771810.

Suchtberatung in Geilenkirchen: Gesundheitsamt, Vogteistraße 16, 02451/911190.

Suchtberatung in Heinsberg: Gesundheitsamt, Valkenburger Straße 45, 02452/135324.
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