Cannabis erlauben? Keine leichte Frage

Von: disch
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Es wird diskutiert, ob Cannabis legalisiert werden soll. Foto: dpa

Kreis Heinsberg. Marlies Trapp und ihr Team von der Beratungsstelle für Suchtfragen skizzieren eine Reihe von Punkten, die für eine Legalisierung von Cannabis sprechen würden. Sie betonen aber auch Aspekte, die bei einem solchen Schritt dringend zu beachten wären.

Wie wird der Vorstoß der Jungen Liberalen von Experten eingeschätzt? Sinnvoll oder Unfug? Machbar oder gefährlich? Bei der Beratungsstelle für Suchtfragen in ­Hückel­hoven fällt das Echo auf die Forderung der FDP-Nachwuchsorganisation auf Nachfrage differenziert aus.

Leiterin Marlies Trapp und ihr Team haben eine Reihe von Punkten skizziert, die für eine Legalisierung sprechen würden, sie haben aber auch Aspekte betont, die bei einem solchen Schritt dringend zu beachten wären.

Für eine Legalisierung würde nach ihrer Ansicht die Enttabuisierung dieses Themas sprechen. Wenn offen über Cannabis und Cannabiskonsum geredet werden könne, seien mehr authentische wissenschaftliche Studien möglich. „Auch die Qualität von Therapie und Beratung könnte dadurch erhöht werden.“ Konsumenten würden zudem keine Kontake zu Dealern benötigen – und diese hätten bekanntlich ja auch andere, gefährlichere Stoffe „im Bauchladen“. Die Betroffenen müssten nicht in illegale Konsummuster verfallen, würden nicht so schnell auf die kriminelle Schiene geraten, so die Einschätzung der Experten.

Nach ihrer Meinung würde die Legalisierung zur Entkriminalisierung von vielen jungen Menschen führen, die keinen Bruch in ihrer Biografie und auch keine Knastsozialisation erfahren müssten. Weniger staatliche Verfolgung würde zudem eine Kostenersparnis bringen. „Repression scheint ohnehin nicht wirklich hilfreich zu sein“, sagte Marlies Trapp, sonst würde es ja keine Probleme mit Cannabis geben.

Das Beratungsteam unterstrich zudem den gesundheitlichen Aspekt: Wenn das Rauschmittel legal wäre und geordnet in Abgabestellen zu erhalten wäre, dann würde es weniger gesundheitliche Schäden durch verunreinigten Stoff geben, wurde auf Gefahren wie Blei in der Blutbahn oder Sand in der Lunge verwiesen.

Wenn Politik sich dazu entschließen sollte, Cannabis zu legalisieren, ist nach Ansicht von Trapp und ihren Kolleginnen aber einiges zu bedenken: So sei die Gefahr einer Verharmlosung gegeben. Wenn der Stoff plötzlich erlaubt sei, wirke er unbedenklich. Und es drohe vermehrter Konsum. Pädagogische Programme müssten da ebenso ansetzen wie bei der fehlenden Kultur im Umgang mit Cannabis. Diese müsse erst wachsen. Grenzenlose Verfügbarkeit sollte es nach Ansicht der Suchtberater nicht geben. Die Mengen müssten unbedingt begrenzt werden. Nicht überall dürfe Cannabis erhältlich sein. Werbung dafür dürfe keinesfalls erlaubt werden.

Neben einer Altersgrenze, die deutlich über 18 Jahren liegen sollte, wäre zu bedenken, dass eine solche nur eine fiktive Grenze darstellen würde. Ausschlaggebender für einen verantwortungsvollen und bewussten Umgang mit Cannabis sei vielmehr, wie fortgeschritten der individuelle Reifungsprozess des Einzelnen sei.

„Verbote helfen nicht, wichtiger wären Förderung und Bereitstellung von spezifischen Präventions- und Behandlungsangeboten für Menschen mit Cannabis-Problemen“, so Trapp.

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