BUND verfolgt Monitoring zu Garzweiler II kritisch

Von: disch
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Kreis Heinsberg / Düsseldorf. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist beim Monitoring zu Garzweiler II nicht dabei. „Der BUND hatte schon sehr frühzeitig bekundet, daran nicht mitwirken zu wollen“, erklärt Dirk Jansen, Geschäftsleiter vom BUND-Landesverband Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, auf 1998 zurückblickend.

„Zum einen wollten wir nicht zum Erfüllungsgehilfen bei der Realisierung des Tagebaus werden, zumal eine Überprüfung durch eine unabhängige Stelle nicht vorgesehen war. Zum anderen war von Anfang an auch die Konzeption des Monitorings mangelhaft, da nicht alle dem Braunkohlenplan zugrunde liegenden Grundannahmen mit einbezogen werden sollten. Gleichwohl haben wir natürlich das Monitoring über die Jahre hinweg kritisch verfolgt.“

Schon jetzt sind nach Einschätzung vom BUND die grundwasserabhängigen Feuchtgebiete im Nordraum des Rheinischen Braunkohlenreviers durch die Grundwasserabsenkungen des Tagebaus irreversibel, also nicht umkehrbar, geschädigt. Trotz der Einleitungen von jährlich vielen Millionen Kubikmeter aufbereitetem Sümpfungswasser in die ­trocken fallenden Grundwasserleiter bleibe bis heute zweifelhaft, ob es möglich sein werde, die zeitlich und räumlich in Zentimetern der Horizontalen und Vertikalen differenzierten Schwankungen der Grundwasserstände innerhalb der Biotoptypen der Feuchtgebiete dauerhaft sicherzustellen, erklärte Jansen.

Der „Härtetest“ stehe jedenfalls noch bevor: „Erst um das Jahr 2024/2025 soll der ­Tagebau Garzweiler II die größte Abbautiefe erreichen und damit besonders nahe an die geschützten Feuchtgebiete heranrücken“, so der Diplom-Geograf. „Ebenso schwierig wird es sein, eine Infiltrat-Qualität dauerhaft sicherzustellen, die sich von den Werten des Feuchtgebietswassers so wenig wie möglich unterscheidet. Beides aber wäre zur dauerhaften naturidentischen Erhaltung der Feuchtgebiete, ihrer Lebensgemeinschaften und Entwicklungspotenziale unabdingbar.“

Schon jetzt sind die Naturschutzgebiete aus Sicht des BUND „Biotope am Tropf“, gespeist von Sümpfungswasser, abhängig von technischen Ausgleichsmaßnahmen – und das für Jahrhunderte. Mit selbst gesteuerten Ökosystemen, in denen die Natur sich selbst reguliere, habe dies nichts mehr zu tun. Dazu würden noch die ungelösten Probleme mit dem projektierten Restsee und der sogenannten Kippenversauerung kommen. Für Jansen steht fest: „Insgesamt ist Garzweiler II nach wie vor ein gigantisches Versuchsprojekt mit ungewissem Ausgang.“

Ungeachtet dieser generellen Unzulänglichkeiten scheine das Monitoring aber bislang seinen definierten Zweck zur Prüfung der Wirksamkeit der Ausgleichsmaßnahmen, wie sie im Braunkohlenplan Garzweiler II festgelegt worden seien, erfüllt zu haben, räumte der BUND-Geschäftsleiter ein. „Zielabweichungen konnten erkannt und es konnte gegengesteuert werden.“ Letztendlich heiße es aber: „Learning by doing“.

Auf die Frage, was wäre, wenn der Tagebau gestoppt würde, antwortete Jansen: „RWE bliebe natürlich weiter in der Pflicht. Allerdings sind die Sicherheitsleistungen vollkommen unzureichend. Hier müsste vom Bergbautreibenden eingefordert werden, dass schon jetzt angemessene Rücklagen gebildet werden, weil ansonsten die Gefahr besteht, dass die Ewigkeitsschäden von der Allgemeinheit getragen werden müssen.“

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