Bürgersolarstrom im Kreis Heinsberg: Gute Rendite und gutes Gefühl als Ziel

Von: disch
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Eines der Bürgersolarstromprojekte wird in Heinsberg-Scheifendahl realisiert: Auf den Dächern der Kreisstraßenmeisterei sind bereits die Photovoltaikanlagen auf einer Fläche von zirka 260 Quadratmetern installiert worden.

Kreis Heinsberg. Die Genossenschaft Bürgersolarstrom im Kreis Heinsberg - auf einer Initiative von Kreissparkasse Heinsberg und NEW Re GmbH basierend - steht unmittelbar vor Eintragung ins Register und Aufnahme ihrer Geschäftstätigkeit.

Landrat Stephan Pusch freute sich bei einem Pressegespräch am Montag im Heinsberger Kreishaus darüber, dass der Kreis ein Zeichen setze mit umweltfreundlicher Stromerzeugung auf Dächern von kreiseigenen Gebäuden, und betonte, die Rendite solle bei den Bürgern ankommen.

Das Projekt geht auf einen gemeinsamen Antrag von CDU und Grünen im Bauausschuss zurück. Verpachtet wurden schließlich Dachflächen von Kreisstraßenmeisterei in Heinsberg-Scheifendahl (256 Quadratmeter), Rurtal-Schule in Oberbruch (1101 Quadratmeter) und Berufskolleg in Geilenkirchen (2131 Quadratmeter) an die Genossenschaft Bürgersolarstrom, die nach einer Ausschreibung den Zuschlag erhielt.

Auf den Dächern dieser drei Gebäudekomplexe soll mit Hilfe von Photovoltaikanlagen Strom erzeugt werden: jährlich bis zu 375.000 Kilowattstunden. So wäre - rechnerisch - der Jahresstrombedarf von etwa 95 Einfamilienhäusern zu decken; eine jährliche Kohlendioxidreduzierung von zirka 260 Tonnen. Da die Sonne aber nicht ununterbrochen scheine, Strom jedoch ununterbrochen benötigt werde, seien Schattenkraftwerke (meist fossil befeuert) weiterhin erforderlich. Allerdings ändere sich der Kraftwerksmix stetig zugunsten regenerativer Stromerzeugungsquellen, erklärte Markus Palic von NEW Re. Die Photovoltaikanlagen würden an das Stromnetz von Nuon und West angeschlossen. „Die Erlöse, die wir aus der Stromerzeugung der ersten 20 Jahre erzielen können, belaufen sich auf rund 2,7 Millionen Euro.”

Dr.Richard Nouvertné von der Kreissparkasse sagte, viele Bürger würden beim Thema Geldanlage umdenken. Ihnen reiche eine gute Rendite nicht mehr aus. Sie wollten vielmehr wissen, was mit ihrem Geld passiere. „Sie wollen Werte schaffen, indem sie Werte hochhalten”, so Nouvertn. „Und neben der guten Rendite gibt das auch noch ein gutes Gefühl.”

Das Investitionsvolumen liegt bei 1,373 Millionen Euro. Davon sollen 1,040 Millionen Euro über ein Förderdarlehen fremdfinanziert werden, 333.000 Euro sollen durch die Einzahlung von Investoren aufgebracht werden.

Nouvertné skizzierte Chancen: Die Bürger könnten eine Investition mit einem geringen Betrag (3000 Euro) vornehmen. Die prognostizierte Rendite liege bei durchschnittlich zirka 6,2Prozent im Jahr; die prognostizierte Ausschüttung steige von 1,46 Prozent im Jahr 2010 auf 16,35 Prozent im 20.Jahr. Als weitere Vorteile nannte er unter anderem überschaubare Verwaltungskosten, Haftungsbeschränkung auf das eingesetzte Kapital, Bonität des Verpächters und Planungssicherheit durch schnelle Tilgung des Darlehens. Er verschwieg nicht die Risiken: wenn zum Beispiel die Sonne deutlich weniger scheinen sollte als prognostiziert oder sich Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen negativ auf die Rentabilität auswirken würden.

„Ich bin zuversichtlich, dass unser Angebot von den Bürgern des Kreises akzeptiert wird”, sagte Nouvertné. Palic sprach von einem „guten Schritt in die Zukunft”. Beide schlossen nicht aus, dass die Genossenschaft ihre Aktivitäten ausdehnen könnte, wenn der Kreis weitere geeignete Dachflächen verpachten sollte.

Der Vertrieb der genossenschaftlichen Anteile erfolgt über alle Filialen der Kreissparkasse Heinsberg. Die Vermittlungsgebühr sei mit zwei Prozent außergewöhnlich niedrig, betonte Dr. Richard Nouvertné von der KSK.

Diese Investition in Form der unternehmerischen Beteiligung ist mit einer Mindestsumme von 3000 Euro möglich. Jeder Bürger kann also drei Geschäftsanteile im Wert von jeweils 1000 Euro zeichnen. Die Anteile sollen verlost werden. Dies bedeutet, dass bei Überzeichnung ein Losverfahren angewendet wird - zunächst unter den 3000er Bietern. Sollten dann noch Anteile vorhanden sein, erfolgt eine Verlosung unter Mehrbietern.

Ein- und Austritt sind ohne notarielle Mitwirkung möglich. Jeder Investor hat - unabhängig von der Höhe des Geschäftsanteils - eine Stimme in der Generalversammlung. Alle Gewinne stehen ausschließlich den Genossen zu.

Das Investment ist nach Einschätzung von Nouvertné geeignet für Anleger, die das Kapital langfristig zur Verfügung stellen wollen. Die Rückzahlung kann erfolgen durch Verkauf des Anteils an einen anderen Investor, Kündigung des Anteils (sofern ein verteilbares Auseinandersetzungsguthaben vorhanden ist oder ein anderer Investor eintritt), oder Herabsetzung des Genossenschaftskapitals nach 20 Jahren.

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