Brikettfabrik in Schutt und Asche gelegt

Von: hewi/nosch
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Die Betonmassen sackten Sekunden, nachdem die Sprengung gezündet wurde, in sich zusammen. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Mit der Sprengung des ehemaligen Aufbereitungsgebäudes der Eschweiler Brikettfabrik endete am Donnerstagmorgen um Punkt 9 Uhr ein Kapitel Hückelhovener Geschichte. Gleichzeitig wird Raum geschaffen für die weitere Entwicklung der ehemaligen Zechenstadt zum attraktiven Einkaufszentrum.

Auch die Natur kommt nicht zu kurz, denn ein Teil der rund 14 Hektar großen Betriebsfläche soll begrünt werden. Neben den Profis des Unternehmens Bohr- und Sprengtechnik Gelderland waren auch rund 40 Feuerwehrleute aus Hückelhoven und Ratheim im Einsatz.

Ihre Aufgabe bestand hauptsächlich darin, das Gelände für Schaulustige abzuriegeln und zur richtigen Zeit eine rund 80 Meter lange Wasserwand entstehen zu lassen, um die Staubentwicklung einzudämmen.

Um 9 Uhr lief dann alles wie am Schnürchen. Nach einem dumpfen Knall sackte der Bau in Richtung der Halde ab, wie es vorgesehen war. Dafür hatten die Fachleute in den Tagen zuvor über 300 Löcher gebohrt und die Sprengladungen angebracht.

Zusätzlich mussten noch 36 Schneidladungen angebracht werden, um das Stahlkorsett des Gebäudes zu „knacken”. Hauptakteur bei der Sprengung waren die Sprengmeister Hermann Havekort, Philipp Fischeder und Jürgen Bauer.

Mit rund 120 Kilo Sprengstoff rückten die Sprengmeister der Anlage zu Leibe. Die Sprengung kostete rund 38.000 Euro. Ein Problem stellten die 24 Kohletrichter dar, die sich in dem Gebäude befanden. Sie verhinderten nämlich, dass es ganz in sich zusammenbrach.

Die Trichter müssen nun auf herkömmlichem Wege abgebaggert werden. Die Aufräumarbeiten dauern noch rund sechs Wochen, bevor mit der weiteren Aufbereitung des Geländes für seine zukünftige Bestimmung fortgefahren werden kann. Bis dahin müssen rund 6000 Kubikmeter Bauschutt auf konventionellem Wege abgebaut und abtransportiert werden.

Im März 2008 wurde die Arbeit der Brikettfabrik eingestellt. Im Jahr 1922 hatte man in Hückelhoven damit begonnen, die Kohle mit Bitumen zu vermischen und zu Eierbriketts zu pressen. Damit wurden die Öfen nicht nur der Kumpel und ihrer Familien gestocht: Die Nachfrage war so groß, dass 1968 eine zweite Fabrik auf dem Zechengelände an der Sophiastraße errichtet wurde.

Da mischte man der schwarzen Kohle Melasse, ein Abfallprodukt aus der Zuckerindustrie, bei und formte die silbernen Klumpen zu kleinen Kissen. Das war in der Stadt auch sinnlich zu spüren: An manchen Tagen roch es in Hückelhoven wie in einer Küche, in der Kamelle gekocht wurden, richtig leckerÉ Die silbernen Klumpen waren besonders bei den Engländern beliebt: In Tüten verpackt war diese Form der Kohle fast staubfrei. 280.000 Tonnen produzierten die beiden Fabriken zur Hochzeit der Kohle Ende der 1960-er Jahre.

Der Händler verkaufte die Tonne für rund 500 Mark. Seit September liefen die Abrissarbeiten, an deren Ende auf dem rund 14 Hektar großen Gelände auch eine Erweiterungsfläche des Hückelhoven Centers stehen wird.

„Der Schwerpunkt liegt in der Planung auf dem Einzelhandel”, betont Gerhard Münch. Er betreut die Abwicklung seines ehemaligen Arbeitsplatzes vor Ort. Ein Teil des Geländes soll zur Grünfläche umgewandelt werden. Ziel ist dabei die ökologische Vernetzung der Millicher mit der Schaufenberger Halde und damit auch eine Stärkung des Naherholungsstandortes Hückelhoven.
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