Boule auf dem Markt eine „Superidee”

Von: Petra Wolters
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Harry Schirrmeister (3.v.r.) im Kreise seiner Waldfeuchter Boule-Freunde, die einen Hauch von französischer Lebensart verströmen. Foto: Wolters

Waldfeucht. Wer schon einmal in Frankreich unterwegs war, hat sie ganz sicher gesehen: rechteckig eingefasste Schotterplätze mitten im Ort, weniger breit, aber dafür lang und an den Enden Menschen mit Metallkugeln, die versuchen, mit einem geschickten Wurf eine kleine Holzkugel am anderen Ende des Platzes zu treffen.

„Boule” heißt dieses Spiel, das jetzt auch ganz im Westen Deutschlands, genauer gesagt auf dem Marktplatz in Waldfeucht, eine Heimat und ganz viele begeisterte neue Anhänger gefunden hat.

Hierher mitgebracht hat es Heinz Schirrmeister, den in Waldfeucht alle nur als „Harry” kennen. 1948 verschlug es den aus Mitteldeutschland stammenden, gelernten Landmaschinenschlosser als sogenannten Freiarbeiter nach Frankreich. In Haspres, in der Nähe von Valenciennes, lernte er auch seine Frau Bernadette kennen, die 1954 mit ihm nach Alsdorf zurückkehrte.

Schon hier frönten die beiden dem Boule-Spiel auf einem Platz, der mit der Asche von der Kohlenhalde gebaut wurde. 1984 kam er mit seiner Frau nach Waldfeucht, um hier seinen Ruhestand zu verbringen. Und Boule spielte er auch in seiner neuen Heimat, zuerst im Garten, dann auf Feldwegen.

Im Februar 2009 beteiligte er sich mit einem Vorschlag an dem Wettbewerb, in dem der Selfkant die „Superidee” suchte. „Generationen übergreifend hat man die Möglichkeit, an der frischen Luft in freier Natur mit kleinem finanziellen Aufwand viele schöne gesellige Stunden zu verbringen”, begründete der mittlerweile 80-Jährige seinen Vorschlag.

Der Bauhof setzte seine Idee auf dem Waldfeuchter Marktplatz um, „und die Mitarbeiter des Bauhofs waren am 12. August die ersten, die mit meinen Kugeln auf dem Platz gespielt haben”, erinnert er sich noch genau.

Fünf Tage später kam die Landeskommission im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft”. Der Platz sei vielleicht etwas klein, habe ihm einer der Juroren gesagt, so Schirrmeister. „Aber es ist doch wichtig, einen solchen Platz in den Ortskern zu integrieren. Er muss doch da sein, wo sich die Leute treffen”, betont er.

Dass sie sich treffen, davon kann man sich auf dem Marktplatz bei trockenem Wetter derzeit fast jeden Abend überzeugen. Vor allem der Donnerstagabend ist zu einem festen Boule-Treffpunkt geworden. „Bei gutem Wetter spielen wir manchmal abends bis zehn Uhr.”

„Je älter, desto verrückter”, schmunzelt seine Frau. „Aber besser so als krank!” Und so zieht es Harry derzeit fast jeden Tag auf den Platz, zum Spiel mit Freunden, aber auch, um seine Spielkunst an neue Interessenten weiterzugeben.

Wichtig sei es, die Hand beim Abwurf über der Kugel zu haben, so könne man ihre Richtung am besten steuern, lautet dabei einer seiner ganz wesentlichen Tipps. Und für alle, denen es wie ihm schwer fällt, sich nach dem Spiel nach den Kugeln auf dem Platz zu bücken, hat er sogar selbst ein kleines Hilfsmittel entwickelt: Mithilfe einer Schnur, an deren Ende ein kleiner Magnet befestigt ist, „fischt” er seine Kugeln wieder vom Boden.

Wer sich gerne mal im Spiel versuchen will: Kugeln fürs Spiel leiht die Pizzeria gleich neben dem Platz kostenlos aus.
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