Blaue Birne für das richtige Flair: „Die Sauerei geht weiter...”

Von: Dettmar Fischer
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Jörg Nießen stellte in der B
Jörg Nießen stellte in der Buchhandlung Gollenstede „Die Sauerei geht weiter...” vor. Foto: defi

Heinsberg. Jörg Nießen arbeitet seit über 15 Jahren als Rettungssanitäter. Bauer oder Archäologe wollte er als Kind werden. Dem Roten Kreuz sei Dank kam es anders.

Aus dem Zivi im Rettungsdienst wurde ein Feuerwehrmann, Rettungssani und ein unglaublich erfolgreicher Autor.

Sein gerade veröffentlichtes Buch „Die Sauerei geht weiter...” klettert gerade auf den sechsten Platz der Spiegel-Bestsellerliste. Ob er als Bauer oder Archäologe auch so schöne Geschichten erlebt hätte, sei mal dahingestellt. Vom Rettungssanitäterberuf hätte man schließlich auch nicht erwartet, dass er so viele schöne, lustige, fast wahre Geschichten liefert.

Partytime in der Buchhandlung Gollenstede in Heinsberg war angesagt. Selbst die Stehplätze wurden knapp, als Jörg Nießen sein „Heimspiel” hatte. „Vor heimischen Publikum liest es sich doch schwerer”, gestand der Erfolgsautor mit kreisheinsberger Wurzeln.

Es ist eigentlich gar kein schwarzer Humor mit dem Jörg Nießen, die Geschichten, die er und sein bester Kamerad Hein erlebt haben, zu Papier bringt. Nießen hat sich einfach den offenen Blick für die Absurditäten des menschlichen Lebens (Nießen: „Das Leben endet schließlich grundsätzlich tödlich.”) erhalten. Oder wie er es selber beschriebt: „Wenn eine besorgte Dame die Feuerwehr zu einem Tiergehege alarmiert, in dem Ziegenböcke artgerechtes Balzverhalten zeigen, und wenn die Dame dann noch ihre Sorge zum Ausdruck bringt, die Tiere könnten sich verletzen, hätten womöglich schon eine Gehirnerschütterung, dann werde ich aufmerksam?”

Über 150.000 Mal hat sich „Schauen Sie sich mal diese Sauerei an”, Band 1 der Erlebnisse eines Feuerwehrmann und Rettungsassistent in einer nordrhein-westfälischen Großstadt am Rhein, verkauft. Band 2, „Die Sauerei geht weiter?”, dürfte den Erfolg noch toppen, wenn man die Buchvorstellung bei Gollenstede als Indikator nimmt. Das sah schon schwer nach Kultstatus aus.

Abwechselnd las Jörg Nießen eine Geschichte, dann spielten Frank Ollertz & Band wunderbaren Jazz, während Nießen sein neues Buch signierte. Die Lieblingsgeschichte von Mama Nießen ist die „Havannasuite” und spielt in einem Altersheim, das mehr bietet als „satt, sauber und trocken”. Herr Gomez heißt der Patient, den Jörg Nießen und Hein erreichten, nachdem auf der Treppe jeder so seinen Gedanken nachgehangen hatte.

Nießens Schreiben lebt von den frischen Erinnerungen aus 15 Jahren Dienst am Menschen. Hein schaute damals nur auf das Hinterteil von Schwester Mai Lin.

Nießen stellte Betrachtungen über den scharfkantigen Putz an den Wänden an, der unter Rettungsdienstpersonal als „böswillig, gemein und blutig” bekannt ist, da er beim Vorbeigehen mit der Trage „das Fleisch wie mit einer Schruppfeile von den Knochen reibt.”

Um eine schöne Geschichte kurz zu machen, Herr Gomez überlebte den Herzinfarkt, den er sich beim Sex mit der Senta von Apartment 24 zugezogen hatte. Nicht nur Mutter Nießen dürfte diese Geschichte gefallen.

„Ich war sehr bemüht, das Niveau des ersten Buches zu halten”, sagt Jörg Nießen, und das scheint ihm wohl gelungen zu sein. Der Autor empfiehlt - das sei am Rande bemerkt - beim Lesen seines Buches eine blaue Glühbirne in die Leselampe einzuschrauben, das „gibt der ganzen Lektüre ein authentischeres Flair.”
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