Bis zum Schluss schleichende Unruhe spürbar

Von: Rainer Herwartz
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Medienvertreter und Demonstranten waren zahlenmäßig lange Zeit etwa gleichstark vertreten vor dem Haus der Familie D. in Randerath. Foto: Georg Schmitz

Heinsberg-Randerath. 20 Jahre lang war er Ortsvorsteher von Randerath, bis er nach der letzten Kommunalwahl das Amt in jüngere Hände legte. Doch in all der Zeit hat er eine solche Geschichte wie die um Karl D. noch nicht erlebt.

„Das war auch für mich sehr nervenaufreibend”, erinnert sich Heinz Franken. Der Zuzug des verurteilten Sexualstraftäters, der nach verbüßter Haft und trotz schlechter gutachterlicher Prognose bei seinem Bruder im Ort im Februar 2009 bis vor wenigen Tagen ein neues Zuhause gefunden hatte, sollte das dörfliche Leben für lange Zeit auf den Kopf stellen.

„Ich hab´s durch eine Fernsehsendung erfahren, und am nächsten Tag stand es bereits in der Tageszeitung”, sei er doch mächtig überrascht gewesen, sagt Franken. „Morgens klingelte dann auch schon das Telefon Sturm, Zeitungsverlage aus der näheren und weiteren Umgebung wollten von mir Genaueres erfahren. Da ich aber zu dem Zeitpunkt noch nicht das erforderliche Hintergrundwissen hatte, musste ich mich erstmal bei der Stadt und dem Landrat schlau machen.” Im kleinen Kreis, zu dem Landrat Stephan Pusch, der den Stein durch seine Warnung an die Bevölkerung ins Rollen gebracht hatte, der damalige Bürgermeister Josef Offergeld und die Polizei gehörten, sei im Kreishaus besprochen worden, wie mit der ungewohnten Situation öffentlich umgegangen werden sollte.

„In den ersten Tagen nach Bekanntwerden kamen dann auch schon die ersten Demonstranten, deren Zahl stetig anwuchs”, berichtet Franken. In Spitzenzeiten hätten sich wohl so etwa 40 Personen allabendlich vor dem Haus von Karl Ds. Familie versammelt. „In der Bevölkerung breitete sich eine Panik aus, die übertrieben war”, hatte der ehemalige Ortsvorsteher die zündende Idee zu einer Bürgerversammlung, in der die Menschen in Randerath und Himmerich umfassend informiert und zur Besonnenheit aufgerufen werden sollten. „Die Eltern wollten wissen, ob der Schutz durch die vom Landrat eingesetzten Polizeikräfte auch ausreiche.”

Ohne die Sachlage zu verharmlosen, schrieb Franken damals in einem Brief an alle Haushalte: „Wir müssen aber auch das geltende Recht akzeptieren und können uns selber nicht ins Unrecht setzen, indem wir wie im Mittelalter unter Gewaltandrohung Menschen aus dem Ort jagen. Dadurch würden wir uns selbst zu Tätern machen.”

Es gab in dem Zusammenhang zudem einen Brief der Gemeinschaftsgrundschule an die Eltern, in dem darauf hingewiesen wurde, dass fortan die Schule zu den Unterrichtszeiten verschlossen bliebe und kein Kind unbeaufsichtigt vor und nach dem Unterricht auf dem Schulhof spielen solle. „Schon nach der Bürgerversammlung, an der in der proppenvollen Mehrzweckhalle 300 Bürger teilnahmen, beruhigte sich die Stimmung in der Bevölkerung.” Das Zugeständnis des Landrates, mit seiner Polizei für den Schutz der Menschen zu sorgen, habe hierzu entscheidend beigetragen, erklärt der 72-Jährige. Noch heute könne er Pusch, Offergeld und der Polizei für ihren Einsatz nur seinen Dank aussprechen.

„Es zeigte sich, dass schon nach wenigen Wochen die Zahl der Demo-Teilnehmer aus den umliegenden Orten größer war als aus Randerath selbst. Allgemein reduzierte sich ihre Zahl etwa auf 20 Personen, die Abend für Abend bis in den letzten Herbst hinein vor Ort waren.” Vor dem Hintergrund des „unvorstellbaren Drucks” der auf der Familie lastete, habe er schon damals die Menschen zur Ruhe aufgerufen”, erklärt Franken. Und dennoch: Durch die ständige Präsenz der Polizei sei bis zum Schluss eine „schleichende Unruhe” vorhanden gewesen. „Ich bin sicher, dass es auch für die Familie D. jetzt wieder einen Weg in die Normalität geben wird”, begrüßt Franken, dass Karl D. in eine Spezial-Klinik gezogen ist.
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