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Biogasanlage: Wie nach grünem Hering und zu viel Bier

Von: Dettmar Fischer
Letzte Aktualisierung:
Landwirt Hans-Josef Derichs (3
Landwirt Hans-Josef Derichs (3.v.r.) führte in die Funktionsweise der Biogasanlage Heinsberg ein. Eingeladen hatte die Biogas Heinsberg die in der Nachbarschaft wohnenden Einwohner von Schafhausen. Foto: defi

Heinsberg-Schafhausen. Das sähe aus, als hätte man einen grünen Hering mit viel zu viel Bier verspeist und dann Verdauungsprobleme bekommen, meinte ein Besucher im breitesten Schafhausener Platt, als er einen Blick durch das Bullauge der Biogasanlage geworfen hatte, die die Biogas Heinsberg GmbH & Co. KG im Feld an der Linderner Straße zwischen Schafhausen und Heinsberg im Oktober 2011 in Betrieb genommen hat.

Aus Gülle, Mist und nachwachsenden Rohstoffen wird unter den fünf grünen „Zirkuszelten”, die von der Linderner Straße aus gut zu sehen sind, regenerative Energie gewonnen. Versorgt werden mit dieser Energie die Kreisverwaltung, die Kreispolizeibehörde, die AWO und die Firma Sera Heimtierbedarf im Heinsberger Stadtgebiet.

Um den Einwohnern von Schafhausen, die in der Nähe der Anlage wohnen, einen Einblick in die Funktionsweise der Produktion zu geben, hatte die Biogas Heinsberg zu einer Betriebsbesichtigung eingeladen.

Was als Erstes auffiel, war, dass selbst für feinste Nasen nichts zu riechen war, allenfalls ein leicht süßlicher Geruch aus dem Silagelager, wie man ihn bei jeder Miete auf dem Feld vorfindet. Der Gärungsprozess der landwirtschaftlichen Produkte, vom oben zitierten Schafhausener so bildhaft beschrieben, ließ sich nur optisch wahrnehmen. Den kompletten Produktionsweg des Biogases erläuterte Landwirt Hans-Josef Derichs, der zusammen mit Hubert Dautzenberg die Anlage vor Ort betreut, den Besuchern. Diese wurden vom Geschäftsführer der Florack Energie, Rainer Florack, auf dem Betriebsgelände begrüßt.

Die Florack Energie GmbH hält 51 Prozent der Biogas Heinsberg, die übrigen 49 Prozent sind in der Hand von 23 Landwirten aus der Region. Diese Landwirte bilden das Rückgrat für die Versorgung der Biogasanlage. Langfristige Lieferverträge für Mais, Triticale, Rüben, Gülle und Rinderfestmist sichern die Belieferung der Anlage mit nachwachsenden Rohstoffen.

Diese Rohstoffe werden, wie Hans-Josef Derichs den Besuchern erläuterte, in sogenannten Fermentern von Bakterien in Methangas umgewandelt, das über eine Gasleitung zu den Blockheizkraftwerken vor Ort transportiert wird. Strom und Wärme, die im Blockheizkraftwerk durch Verbrennung des Gases entstehen, werden dann bei den jeweiligen Abnehmern eingespeist. Diese sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung zeichnet sich durch einen besonders hohen Wirkungsgrad aus, der bei optimaler Ausnutzung doppelt so hoch ist wie der eines Kohlekraftwerkes. Und auch das erfuhren die Besucher der Biogasanlage: Der nach dem Gärungsprozess verbleibende Rest der eingebrachten landwirtschaftlichen Rohstoffe kann am Ende als wertvoller Dünger zurück aufs Feld.

Die erzeugte elektrische Energie der Biogasanlage Heinsberg deckt den Strombedarf von 1000 Wohnungen, die zusätzlich entstehende Wärme reicht für 300 Einfamilienhäuser. Aufs Jahr gerechnet ermöglicht die Biogasanlage Heinsberg eine CO2-Einsparung von 3500 Tonnen gegenüber der Produktion der gleichen Menge Energie mit Hilfe fossiler Rohstoffe wie Kohle, Erdgas oder Erdöl.

Und auch ein lang gehegter Menschheitstraum wird so wahr; nämlich die Beantwortung der Frage, wie man aus „Sch...” Geld machen kann - oder in heutiger Zeit noch weitaus wichtiger: sowohl klima- als auch umweltschützende Energie.
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