Biodiversität: Die Vielfalt der Arten fördern

Von: Dettmar Fischer
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Monotone Ackerflächen tragen nicht zur Erhaltung der Artenvielfalt bei. Die Biodiversitätsstrategie des Landes NRW setzt auf einvernehmliche Lösungen zum Stopp des Artenrückgangs. Foto: Dettmar Fischer

Kreis Heinsberg. Mit dem Kiebitz und der Biodiversität beschäftigten sich die Mitglieder des Naturschutzbeirates bei der Unteren Naturschutzbehörde im Kreis Heinsberg intensiv und nicht zum letzten Mal.

Dezernent Josef Nießen stellte nach zweistündiger Sitzung mit Vorträgen und Diskussion fest, dass die Biodiversität neben dem „Boden“ (Stichwort Flächenversiegelung) sicherlich ein Thema sei, das in der Öffentlichkeit noch nicht richtig angekommen sei, obwohl es von existenzieller Bedeutung für die Menschen sei. Nießen: „Das war aber heute ein guter Start.“

Den Startschuss hatte Dr. Bernd Lüttgens, stellvertretender Geschäftsführer des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands gegeben. Lüttgens kennt die Region gut, stammt er doch aus dem kleinen Ort Apweiler, der zu Geilenkirchen gehört. Sein Vortrag unter dem Titel „Biodiversität in der Agrarlandschaft“ eröffnete ein weites Feld mit vielen offenen Fragen.

Das Land NRW hat eine Biodiversitätsstrategie erarbeitet, deren Ziel die Erhaltung und Entwicklung der Artenvielfalt ist. Die sogenannte „Rote Liste“ gefährdeter Arten dokumentiert, dass trotz aller Bemühungen im Naturschutz nach wie vor 45 Prozent der untersuchten Arten in NRW vom Aussterben bedroht oder schon ausgestorben sind.

Lüttgens erklärte, angestrebt sei die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten, man setze auf Freiwilligkeit anstatt auf gesetzliche Regelungen und auf die Abwägung ökologischer und ökonomischer Belange. Geeignete Maßnahmen sollten durch „Runde Tische“ wie den Naturschutzbeirat entwickelt werden.

Unter der Leitung der Unteren Landschaftsbehörde sollen die Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt analysiert und Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt umgesetzt werden. Flankierende Maßnahmen könnten die Anlage von Lerchenfenstern, die Grünlandbewirtschaftung, die Pflege von Wegrainen oder beispielsweise der Schutz von Brutplätzen und die Anlage von Blühstreifen und Brachen sein.

Akzeptanzfördernde Maßnahmen sind ebenfalls vorgesehen. Vor allem sei darauf zu achten, so Lüttgens, dass diejenigen, die sich um den Naturschutz bemühen, am Ende nicht die Leidtragenden seien. Wenn etwa die Erweiterung einer landwirtschaftlichen Betriebsstätte an den erhöhten Auflagen des Naturschutzes scheitere. Als Ziel formulierte Lüttgens: „Besser miteinander reden als übereinander.“

Anna Schellenberg vom Amt für Umwelt und Verkehrsplanung des Kreises Heinsberg stellte dar, dass viele Arten wie Ameisenbläuling, Feldhamster, Rohrweihe und Kiebitz mit den schnellen Veränderungen in der Landwirtschaft nicht klar kämen. Beispiel: Kiebitz. Der brütet fast ausschließlich auf braunen Ackerflächen. Sein Nest ist nur schwer zu entdecken.

Schellenberg führte zwei Flächen auf, die 2007 und 2015 untersucht worden seien. In einer Fläche seien 2007 204 Brutpaare, in der zweiten 167 gezählt worden; 2015 dann 36, beziehungsweise 29 Brutpaare: ein Rückgang um 82 Prozent. Schellenberg: „Da muss etwas passiert sein.“

Konkrete ökologisch sinnvolle und mehrjährige Maßnahmen, die auf die bedrohten Arten und ihre Lebensräume zugeschnitten sind, erhofft sich Schellenberg für den Kreis Heinsberg. Man müsse den Landwirten eine echte Alternative bieten. Sinnvoll bepflanzte Pufferstreifen am Feldrand – statt monotoner Ackerflächen – sind ins Auge gefasst.

Bernhard Conzen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands, verwies auf die Komplexität des Themas Biodiversität. „Ich brauche ein bestimmtes Biotop, um bestimmte Arten zu erhalten.“ Dabei wollten sicherlich alle Beteiligten in die gleiche Richtung, „doch manchmal schüttet man das Kind mit dem Bade aus“. Beispiel: Französische Hundsrauke. Diese sei mal in einer Mischung auf einem Pufferstreifen ausgesät worden – jetzt werde der betroffene Landwirt das Kraut nicht mehr los.

Wie komplex das Thema Artenvielfalt ist, unterstrich auch Ausschussmitglied Hans-Georg Bommer, ein erfahrener Vogelkundler. Er führte den Rückgang der Kiebitzpopulation auf die Intensivierung der Landwirtschaft in Osteuropa zurück. Dem heimischen Kiebitz fehle das frische Blut der nicht mehr so häufig durchziehenden Artgenossen aus dem Osten. Anna Schellenberg hatte gefordert, bei den Faktoren anzusetzen, „die wir beeinflussen können“.

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