Bier aus der Region: Die Vielfalt wächst

Von: Daniel Gerhards
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Bier aus der Region: Roßberger, Anton‘s und Hilfarther (v.r.) werden im Kreis gebraut. Das Rurtaler (l.) hat die Produktion ausgelagert, das Rezept aber behalten. Fotos (4): Gerhards Foto: Gerhards

Kreis Heinsberg. Es gibt zwei gegensätzliche Trends in Deutschland: Die Menge des gebrauten Bieres nimmt ab, und die Zahl der Brauereien steigt. Letzteres liegt auch daran, dass regionale Biersorten und sogenanntes Craft Beer im Trend liegen, die in kleinen Mengen unabhängig von den großen Konzernen hergestellt werden. Zum Welttag des Bieres am Freitag haben wir uns im Kreis Heinsberg nach heimischen Brauern und Biersorten umgeschaut.

Braupionier im Kreis ist Wilhelm Fell. „Es gibt für mich keinen schöneren Beruf als den des Brauers“, sagt er. In seinem Hilfarther Brauhaus stellt er seit 2011 gewerblich Bier her. Für ihn ist das „ein Traum“, der Wirklichkeit geworden ist. „Ich habe immer schon gesagt, dass ich mir irgendwann mal eine gebrauchte Gasthausbrauerei kaufe. Und das habe ich dann 2011 auch getan“, sagt Fell. Seitdem läuft das Geschäft mit dem Hilfarther Bier. Seine Kapazitäten hat er mittlerweile jedenfalls schon verdoppelt.

Neben dem hellen Kellerbier, dem dunkleren Spezial und Bier mit dem Namen Schwarzer Leo braut Fell auch Saisonbiere. Zum Beispiel den Maibock im Frühling, ein leichtes Sommerbier oder demnächst das festliche Schützengold. Für viele Biertrinker mag diese regionale Vielfalt neu sein, genauso wie die gegenüber dem industriell erzeugten Bier kurze Haltbarkeit.

Die Biere aus den kleinen Brauereien im Kreis müssen gekühlt werden, dann sind sie mehrere Wochen haltbar. Das Hilfarther hält sich dann acht Wochen lang. Bitburger, Warsteiner und Co. sind dagegen ein Jahr haltbar, auch bei Zimmertemperatur. Das liege daran, dass die großen Brauereien ihr Bier zum Ende der Arbeitskette noch einmal erhitzen. Den Unterschied müsse man sich so vorstellen wie bei Frischmilch und H-Milch, sagt Fell.

Mit der kurzen Haltbarkeit muss man leben, wenn man ein Bier von einer kleinen Brauerei aus der Region trinken will. „Dafür ist der Geschmacksunterschied auch riesig“, sagt Fell. Wegen der kürzeren Haltbarkeit sei es für die kleinen Brauereien sehr schwierig, Getränke- oder Supermärkte zu beliefern. Deshalb verkaufen die kleinen Brauereien ihre Biere in erster Linie an lokale Restaurants, Privatleute oder schenken sie gleich selber aus.

Sein Wissen hat Fell sich selber angeeignet. Er ist – wie die anderen Brauereibesitzer im Kreis auch – Quereinsteiger. Aber Fell will es dabei nicht belassen. Aktuell steckt er mitten in seiner Braumeisterausbildung. An 30 Wochenenden lernt er bei Seminaren in Bayern alles Wissenswerte übers Brauen. Zur Prüfung ist er bereits zugelassen.

In Wassenberg gibt es aktuell zwei heimische Biere. Bis Anfang des Jahres war das Rurtaler das einzige Wassenberger Bier. Gebraut wurde im Braukeller am Roßtorplatz. Allerdings seien die Räume für die Bierherstellung ungeeignet gewesen, sagt Heijo Schümmer, Pächter des Braukellers. Es war zu eng und die Braugerüche hätten den regulären Restaurantbetrieb gestört, sagt er. Das Rurtaler Bier gibt es immer noch – mit vier Sorten –, gebraut wird es aber außerhalb von Wassenberg. Denn Schümmer wollte nicht darauf verzichten, seinen Gästen zum Essen ein „besonderes Bier“ anzubieten.

Dafür ist am Roßtorplatz eine neue Brauerei entstanden. Sebastian Sonnenschein-Lüngen, der zuvor das Rurtaler braute, stellt nun das Roßberger her. Das Rezept und die Brauanlage sind dieselben, der Name und die Aufmachung sind neu. Alle zwei Wochen braut er Landbier und India Pale Ale, das Pils hat er erst einmal aus dem Sortiment genommen – wegen der begrenzten Kapazitäten, sagt seine Frau Katrin Sonnenschein, die wie ihr Bruder Arndt beim Bierprojekt mitarbeitet.

Ohnehin sei die Bierherstellung in der kleinen Brauerei auch immer mit viel Planung verbunden. Das Roßberger Landbier brauche fünf Wochen bis es fertig ist, das India Pale Ale sechs bis sieben Wochen. Deshalb heiße es für die Brauer, früh genug beginnen, damit die Vorräte nicht zur Neige gehen, sagt Katrin Sonnenschein. Und ihr Mann gehe in dem Handwerk voll auf, sagt sie: „Das ist doch der Traumberuf für jeden Mann.“

Neu im Brauereigeschäft ist Christian Dorn. Der Inhaber des Hotels und Restaurants Anton‘s am Erkelenzer Bahnhof braut ein Helles Kellerbier und ein obergäriges Amber Ale – dazu noch saisonal unterschiedliche Biere. „Viele Leute können gar nicht glauben, dass wir hier selber brauen“, sagt Dorn. Aber das „mit Erkelenzer Wasser gebraute“ Bier werde gut angenommen.

Beim Austüfteln des richtigen Rezepts gab es für ihn eine Prämisse: „Das Bier muss schmecken.“ Dabei setzt er eher auf klassische Zutaten. Mancherorts wird das Craft Beer mit so ausgefallenen Zutaten gebraut, dass es dem eingefleischten Biertrinker kalt den Rücken herunterläuft. „Dabei darf man es nicht übertreiben“, sagt Dorn. Schließlich soll das Gebräu am Ende noch nach Bier schmecken. Dorn hat seinen Weg nun gefunden: „Für mich ist Bier eine Leidenschaft.“

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