Kreis Heinsberg - Biber gehen mit Biss ans Werk

Biber gehen mit Biss ans Werk

Von: Katharina Menne
Letzte Aktualisierung:
Biber Heinsberg
An diesem Baum hat ein Biber kräftig zugelangt. Um den Konflikten Rechnung zu tragen, erarbeitet NRW einen Bibermanagementplan. Ab 2018 soll die Ausbreitung stärker kontrolliert werden.
15074570.jpg
Alexander Terstegge von der Naturschutzstation Haus Wildenrath sieht die Rückkehr der Biber mit Freude.
15074295.jpg
Der Schulpsychologische Dienst des Kreises Düren und die Volkshochschule laden wieder zur „Entdecker-Woche“ ein. Symbolfoto: Felix Heyder/dpa

Kreis Heinsberg. Er ist zurück. Daran besteht kein Zweifel mehr. Der Biber hat sich im Kreis Heinsberg wieder angesiedelt und fühlt sich offensichtlich wohl. Vor allem entlang des Rurufers kommt das unter strengem Schutz stehende Säugetier wieder flächendeckend vor. Das verraten die markanten Spuren, die er hinterlässt: Biberdämme und -bauten sowie angenagte oder auch bereits umgestürzte Bäume.

Für Alexander Terstegge von der Naturschutzstation Haus Wildenrath sind diese zerstörerisch anmutenden Eingriffe in die Natur ein Grund zur Freude. „Biber schaffen Lebensräume und befördern so die Artenvielfalt“, sagt der Landschaftsökologe. „Sie sind perfekte Ökosystemingenieure.“

Durch ihre Dämme können trocken gelegte Landschaften wieder überflutet und die Fließgeschwindigkeit von künstlich begradigten Gewässern verringert werden. Angenagte Bäume sterben ab und werden zur Kinderstube von zahlreichen Insekten und Vögeln. Auch Amphibien und Reptilien, die im Gewässer und deren Uferbereichen leben, profitieren vom Biber und seinen Bautätigkeiten.

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich die Zahl der Biberreviere im Kreis deutlich erhöht. Knapp 40 Reviere konnten bei der letzten Bestandszählung ausgemacht werden. Eine Biberfamilie besteht dabei aus einem Elternpaar und zwei Jungtier-Generationen. Im dritten Lebensjahr wird der Nachwuchs aus dem Bau vertrieben und muss sich ein eigenes Zuhause aufbauen.

Dabei galt der Biber in Nordrhein-Westfalen eigentlich als ausgerottet. Vor allem sein dichtes Fell und sein wohlschmeckendes Fleisch machten ihn bis ins 19. Jahrhundert zur beliebten Beute. Im Jahr 1877 wurde dann nachweislich der letzte rheinische Bieber erlegt. Erst 1981 begannen in NRW erste Wiederansiedlungsversuche. Damals wurden insgesamt sechs Biberpärchen in der Nähe von Hürtgenwald im Kreis Düren ausgesetzt, die sich nach und nach immer weiter vorwagten.

Doch nicht alle freut die Rückkehr des Bibers. Aufgrund seiner eigenwilligen Landschaftsgestaltung kommt er immer häufiger in Konflikt mit den Interessen der Menschen. Erst kürzlich hat ein besonders eifriges Exemplar mehrere Obstbäume in einem Garten bei Wegberg umgenagt. Für den Baumbesitzer ein herber Verlust – wie bei allen Wildtierschäden besteht keinerlei Anspruch auf Schadenersatz. Auch Hochwasserschutzanlagen wie Deiche können durch Untergrabungen erheblich geschädigt werden. Überflutete Felder und Wiesen nahe den Ufern von Flüssen und Seen ärgern die Landwirte.

Marcus Seiler vom Wasserverband Eifel-Rur ist um konstruktive Lösungsansätze bemüht. „Eine Bekämpfung des Bibers ist nicht gestattet und nicht sinnvoll“, sagt er. „Stattdessen gilt es, bestimmte Dinge einfach vor dem Zugriff des Bibers zu schützen.“ So könnten wertvolle Baumbestände mit Drahtgeflecht umwickelt und Wühl- und Grabetätigkeiten an Dämmen mit sogenannten Bibermatten verhindert werden. Allerdings sind viele der Maßnahmen aufwendig und kostspielig.

Um den Konflikten entgegenzuwirken, erarbeitet das Land Nordrhein-Westfalen bereits einen Bibermanagementplan. Ab 2018 soll dann die Ausbreitung des Tiers stärker überwacht und kontrolliert werden. Denn der ausgewachsene Biber hat kaum natürliche Feinde. Lediglich junge Biber können Füchsen, wildernden Hunden oder Uhus zum Opfer fallen.

Regionale Biberarbeitsgruppen und Biberberater, die den Kommunen mit Rat und Tat zur Seite stehen, gibt es bereits. Auch Privatpersonen können sich bei Fragen dorthin wenden. Denn auch wenn der Biber auf den ersten Blick niedlich und flauschig aussehen mag: Mit dem größten Nagetier Europas ist nicht zu spaßen. Er hat scharfe Zähne und weiß sich zu verteidigen, wenn er sich bedroht fühlt. Vorsicht ist deshalb grundsätzlich immer geboten, wenn man ihm begegnet. Doch Alexander Terstegge betont, dass der direkte Kontakt zwischen Biber und Mensch äußerst selten sei. „Zum einen ist er nachtaktiv, zum anderen äußerst scheu“, sagt er. Er versuche eher zu verschwinden als sich mit Menschen anzulegen.

Terstegge ist vor allem wichtig, dass die Rückkehr des Bibers als Chance begriffen wird. „Der Mensch hat verstanden, dass Auenlandschaften und Fließgewässer an vielen Stellen renaturiert werden müssen, um natürlichen Hochwasserschutz zu gewährleisten und vielfältige Lebensräume zu ermöglichen“, sagt er. Der Biber hilft dabei – kostenlos.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert