„Bewegungsförderung bringt viel Freude“

Von: disch
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„Kids ‘n‘ Motion“: Bewegung ist wichtig für Kinder und Jugendliche. Foto: Stock/Joker/Archiv/Passage
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Leiter des Kreisgesundheitsamtes und Mitglied im Starke-Kids-Netzwerk: Dr. Karl-Heinz Feldhoff.

Kreis Heinsberg. Das von der AOK initiierte Starke-Kids-Netzwerk im Kreis Heinsberg hat unter dem Motto „Kids ‘n‘ Motion“ alle Kindergärten und Schulen im Kreisgebiet zur Teilnahme an einem Wettbewerb rund um das Thema „Bewegung“ aufgerufen. Bewerben können sich Kindergärten oder Schulen, aber auch einzelne Gruppen, Klassen oder Personen. Als Preisgeld stellt das Starke-Kids-Netzwerk insgesamt 2500 Euro zur Verfügung.

Fünf Aktivitäten sollen beispielhaft mit jeweils 500 Euro belohnt werden. Im Aktionszeitraum von „Kids ‘n‘ Motion“ – vom 11. bis zum 16. April – sollen in Kindergärten und Schulen im Kreis Heinsberg besondere Aktivitäten oder Projekte rund um das Thema „Bewegung“ realisiert werden. Dabei geht es nicht nur um große Lösungen, sondern vor allem um ein Engagement, das beispielhaft ist.

Im Vorfeld der Aktionswoche beantwortete Dr. Karl-Heinz Feldhoff, Leiter des Kreisgesundheitsamtes und Mitglied im Starke-Kids-Netzwerk, Fragen zum Thema „Kinder und Bewegung“.

Wie wichtig ist aus Sicht des Mediziners Bewegung für Kinder und Jugendliche?

Feldhoff: Für ein gesundes Aufwachsen ist körperliche Bewegung unabdingbar notwendig. Bewegung fördert nicht nur den Muskelaufbau bei unseren Kindern und Jugendlichen, sondern trägt auch wesentlich zur gesunden seelischen Entwicklung bei. Darüber hinaus ist auch bei den Kindern und Jugendlichen die Bewegung ein wichtiger Faktor zur Regulierung der Stoffwechselfunktionen und des gesunden Schlafes und nicht zuletzt auch für die psychosoziale Entwicklung der Kinder. Gemeinsame Bewegungsspiele zunächst in den jungen Jahren mit den Eltern oder Geschwistern, das Rangeln der Jungen mit ihren Vätern oder Brüdern, das gemeinsame Spielen in den weiteren Lebensjahren mit Gleichaltrigen – auch im Wettbewerb – formen die Persönlichkeit, fördern das Ertragen von Niederlagen und bilden soziale Kompetenzen aus, die unverzichtbar sind für ein respektvolles und verträgliches Miteinander in ihren jeweiligen Lebenswelten.

Im Rahmen der Einschulungsuntersuchungen nehmen Sie ja auch die körperliche Entwicklung der Kinder in den Blick. Ist Bewegungsmangel da ein Defizit, das für Sie oft erkennbar ist?

Feldhoff: Bedauerlicherweise müssen wir bei unseren Einschulungsuntersuchungen feststellen, dass der Anteil der Einschulkinder mit Auffälligkeiten in der Grob- und Feinmotorik in den letzten Jahren zugenommen hat. Wir haben im Einschuljahrgang 2014/2015 bei Überprüfung der grobmotorischen Fähigkeiten feststellen müssen, dass etwa acht Prozent unserer Kinder grobmotorische und koordinative Defizite bei den Sprung- und Hüpfübungen zeigten und ein erheblicher Anteil der Kinder – circa fünf Prozent – auch noch unzureichende feinmotorische Fähigkeiten im Hinblick auf ihr Lebensalter aufwiesen. In früheren Jahren hatten wir einen Auffälligkeitsgrad von circa fünf Prozent in der Grobmotorik. Viele Kinder können in diesem Alter noch nicht mit dem Seilchen springen. Ich möchte hier einmal an die Eltern appellieren, doch zusammen mit ihren Kindern dieses früher sehr beliebte Bewegungsspiel neu zu beleben. Leider ist in vielen Familien ein Seilchen gar nicht mehr vorhanden.

Was sollten Eltern denn überhaupt tun, um die Bewegung Ihrer Kinder zu fördern?

Feldhoff: Sie sprechen hier ein wichtiges Thema des gemeinsamen Bewegungsspiels an, aber auch die Nutzung der in allen kreisangehörigen Städten und Gemeinden von den Sportvereinen für die Kinder und Jugendlichen angebotenen Gruppen und Sportmöglichkeiten. Da ist aufgrund der Vielfalt in den örtlichen Vereinen praktisch für jedes Kind und jeden Jugendlichen etwas möglich. Oft wird uns in den Schuluntersuchungen das Argument der Kosten vorgebracht, das für eine Nichtbeteiligung an den sportlichen Aktivitäten außerhalb des Kindergartens oder der Schule angeführt wird. Die Mitgliedsvereine des Kreissportbundes Heinsberg haben für die Kinder und Jugendlichen Beiträge festgelegt, die eigentlich für alle erschwinglich sein sollten, wenn man mal ernsthaft die persönliche Ausgabenstruktur analysiert. Bewegungsförderung für die Kinder und Jugendlichen ist natürlich auch außerhalb der Sportvereinsaktivitäten möglich und sinnvoll, hier sind dann die Eltern gefragt, gemeinsam mit ihren Kindern und Jugendlichen sportliche Aktivitäten zu initiieren oder gemeinsam zu unternehmen. Das ist die gemeinsame Fahrradtour, das Federballspielen, das Schwimmen und vieles andere mehr, die allesamt dazu beitragen, die körperliche und geistige Entwicklung zu fördern.

Mit Blick auf die Kindergärten und die Schulen im Kreis Heinsberg: Was läuft gut beim Thema Bewegung? Was könnte Ihrer Meinung nach verbessert werden?

Feldhoff: Alle Kindergärten im Kreis bieten für die Kinder Bewegungsmöglichkeiten in ihren Freiflächen, in vielen Kindergärten laufen auch spezielle Bewegungsprogramme, die spielerisch eingebaut sind in den Kindergarten­betrieb. Ich erinnere dabei an unser ehemaliges Interreg-Projekt „Klasse in Bewegung“, wo zu jeder Jahreszeit und begleitend im Kindergartenjahr für die Kinder unter Anleitung der Erzieherinnen spielerische Übungen zur Bewegungsförderung in den Kindergartenalltag eingefügt sind. Wir sind gerade dabei, diese Aktionen erneut aufleben zu lassen, da wir beobachten, dass nunmehr in den Kindertagesstätten neue Mitarbeiter tätig sind, die die Methodik noch nicht ihr Eigen nennen.

Etwas differenzierter muss ich die Schulen darstellen. Hier erfolgt der Sportunterricht gemäß den curricularen Vorgaben in allen Schulformen und Klassen flächendeckend. Nicht ganz so gut sind die Möglichkeiten des Schwimmunterrichts einzuschätzen. Das Ziel, dass spätestens mit Übergang in die vierte Grundschulklasse jedes Kind im Kreis Heinsberg schwimmen können sollte, ist leider noch nicht allerorts verwirklicht. Als Schularzt wünschte ich mir hier, dass wir insbesondere in den ersten Schuljahren ein Mehr an Sportunterricht verankert bekämen, um die zu beobachtenden Defizite innerhalb des regulären Schulsportes noch intensiver angehen zu können.

Wir geben in unseren Förderempfehlungen bei den Einschuluntersuchungen schon Hinweise auf vermehrte Bewegungsübungen für diese und jene Bereiche, stoßen natürlich an Grenzen im Schulbetrieb, wo eine Ausweitung der Stunden nicht so ohne Weiteres möglich ist. Mit dem Kreissportbund wird überlegt, wie man nach der regulären Unterrichtszeit vielleicht eine weitere Sportstunde innerhalb des Sozialraums Schule durch geschulte Übungsleiter etablieren kann. Hier könnte ein wesentlicher Synergieeffekt zwischen Bewegungsförderung, Förderung sozialer Kompetenz und geistig-seelischer Entwicklung erreicht werden.

Welche Impulse erhoffen Sie sich von dem Aufruf des Starke-Kids-Netzwerks zur Aktionswoche „Kids ‘n‘ Motion“?

Feldhoff: Der diesjährige Aufruf ermöglicht für alle, noch einmal dem Thema Bewegungsförderung ein besonderes Augenmerk zu widmen und die in den Einrichtungen vorhandenen Aktivitäten nicht nur kennenzulernen, sondern auch als Good-Practice-Beispiele über die jeweiligen Einrichtungen hinaus bekannt werden zu lassen. Davon können wir alle im Kreis profitieren und vielleicht einiges von den vorhandenen Aktivitäten auch in andere Einrichtungen übertragen. Ich würde mich ebenso wie sicher alle anderen ­Jurymitglieder über eine breite Beteiligung sehr freuen. Dabei sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass Bewegungsförderung, Sport und körperliche Aktivitäten sehr viel Freude bringen und gesundes Aufwachsen ermöglichen.

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