Besuch am Berufskolleg: „Religion gehört zum Allgemeinwissen”

Von: dK
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Dialog im Erkelenzer Berufskol
Dialog im Erkelenzer Berufskolleg: Das Foto zeigt Superintendent Jens Sannig im Gespräch mit Religionslehrerinnen und -lehrern sowie der Schulleitung. Foto: dK

Kreis Heinsberg. Als der Leiter des Berufskollegs des Kreises Heinsberg in Erkelenz, Oberstudiendirektor Paul-Günther Threin, pünktlich um 8 Uhr seine Gäste begrüßte, waren die Schülerinnen und Schüler schon seit einer halben Stunde an der Arbeit.

Superintendent Pfarrer Jens Sannig und die Bezirksbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises Jülich für den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen, Pfarrerin Bernhild Dankert, besuchten im Rahmen ihrer Visitationen wenige Tage vor Weihnachten die Schule in Erkelenz an der Westpromenade.

Eine erste Gesprächrunde führte den Superintendenten und seine Begleitung in eine Klasse mit angehenden Erzieherinnen und Erziehern. Der Superintendent diskutierte die Frage, warum es überhaupt religiöse Erziehung in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche geben solle: „Kenntnisse über Religion gehören zum Allgemeinwissen”, sagten die Schülerinnen und Schüler. „Es ist wichtig, den Kindern und Jugendlichen die Feste der verschiedenen Religionen nahezubringen und zu erklären.”

Anschließend hatte der Superintendent die Gelegenheit zum Gespräch mit einer sehr gemischten Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Ausbildungsgängen. Deren Berufswünsche reichten von Hebamme über Kfz-Mechatroniker, von Sozialpädagogin bis Einzelhandelskaufmann, von Ergotherapeutin bis zum Polizeibeamten.

Offenheit im Gespräch

Gefragt nach ihrer Motivation, am Religionsunterricht teilzunehmen und nach dem Stellenwert dieses Fachs innerhalb ihres Schulalltags, nannten die Jugendlichen die dort besprochenen Themen aus dem sozialen und ethischen Bereich, die dort erfahrene Offenheit im Gespräch und die Wertschätzung ohne Vorbedingungen, die Möglichkeit, sich selbst zu entdecken oder auch ganz einfach die Abwechslung im Vergleich zum Unterrichtsstoff der übrigen Fächer.

Diskutiert wurde die Frage, ob man zum Glauben überhaupt die Kirche brauche, also die Gemeinschaft von Mitchristinnen und Mitchristen. Und als eine Schülerin vorschlug, man solle die Kirchensteuer abschaffen, konnte der Gast aus dem Kirchenkreis deutlich machen, welche sozialen und diakonischen Projekte mit diesem Geld ermöglicht würden.

Den Eindruck von einem lebendig und engagiert gestalteten Religionsunterricht nahmen die beiden Gäste mit in das Gespräch, das sie mit den evangelischen Religionslehrerinnen und Religionslehrern führten: Annette Rath, jüngstes Mitglied im Team, Hermann Kaspers, seit 32 Jahren an der Schule tätig, Pfarrer Sebastian Schade, zusätzlich musikalisch begabt, Melanie Wahnemühl, seit 2003 dabei, Lothar von Mengershausen, altgedient und zur Zeit im Sabbatjahr. Allen gemeinsam: ein hohes Engagement für die Sache „Evangelischer Religionsunterricht”, die Bereitschaft und Fähigkeit zur Teamarbeit, die Offenheit für gute ökumenische Kontakte mit den Lehrkräften des katholischen Religionsunterrichts.

Lebendige Vermittlung von Unterrichtsstoff, Beziehungs- und Seelsorgearbeit, Förderung der Gesprächsfähigkeit und der Kreativität bei Schülerinnen und Schülern - diese und viele andere persönliche Fähigkeiten bringen sie in den Schulalltag ein, die fünf, die die evangelische Kirche in einem nicht immer einfachen, aber immens wichtigen Bereich repräsentieren. Dass die Zahl der Abmeldungen vom evangelischen Religionsunterricht sich in engen Grenzen hält, wunderte die Besucher nicht.

Freiraum zum Denken

Schulleiter Paul-Günther Threin und seine Stellvertreterin Gabriele Kaspers sehen das Fach „Evangelische Religion” als Freiraum zum Denken, als Möglichkeit der Wertevermittlung, als Chance zum kritischen Gespräch - und damit als wichtige Ergänzung zum übrigen Lernstoff. Sie würden gerne noch mehr Stunden dieses Fachs unterrichtet sehen, so denn eine weitere Lehrkraft beschäftigt werden könnte. Die Schulleitung, das wurde deutlich, macht schon in der Gestaltung des Stundenplanes für circa 2500 Schülerinnen und Schüler in 103 Klassen die Wertschätzung des Religionsunterrichtes sichtbar: RU ist an dieser Schule kein „Randstundenfach”. Und dass fünf evangelische und fünf katholische Lehrerinnen und Lehrer das Fach Religion erteilen, ist im Kirchenkreis Jülich die absolute Ausnahme und spricht für sich.

Am Ende eines eindrucksvollen Vormittages dankte der Superintendent den Lehrkräften für ihre engagierte Arbeit und der Schulleitung für die gute Unterstützung. Und Annette Rath, Hermann Kaspers, Pfarrer Sebastian Schade und Melanie Wahnemühl dankten Pfarrerin Bernhild Dankert ausdrücklich für die gute Begleitung durch Fortbildungsangebote und andere Hilfen.

Musikprojekt Lebens(t)räume wird verwirklicht

Wer Pfarrer Sebastian Schade aus seiner früheren Tätigkeit in der Evangelischen Kirchengemeinde Übach-Palenberg-West kennt, den wundert es nicht, dass er auch in seinem neuen Wirkungskreis wieder musikalisch aktiv ist.

So erarbeitet er mit Schülerinnen und Schülern das Musikprojekt Lebens(t)räume. Ein Projekt, das thematisch eng an der Wirklichkeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen orientiert ist und bei dem die Mitwirkenden eigene kreative Fähigkeiten entdecken und entwickeln können.

Dass die Schulleitung Pfarrer Schade einen hervorragend eingerichteten Probenraum ermöglichte, dürfte sich bei der Arbeit an diesem (und an folgenden) Projekten auszahlen.

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