Berufskolleg Wirtschaft steht ein gegen Rassismus

Von: gs
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Sie präsentierten den Film „Fremde Heimat“ als Ergebnis eines Schülerprojekts: Projektleiter Adi Klaming (r.) stellte seine Darstellerriege und die Regisseure Miriam Pucitta (vorne links) und Michael Chauvistré (vorne rechts) vor. Fotos (2): Georg Schmitz Foto: Georg Schmitz
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So sieht das Plakat zum Film „Fremde Heimat“ aus.

Kreis Heinsberg. Die Zuschauer im Forum der Berufskollegs in Geilenkirchen am Berliner Ring zeigten sich begeistert: Sie spendeten nach der Premiere des in einem Schülerprojekt entstandenen 36-minütigen Films „Fremde Heimat“ viel Applaus.

Eine Kamera hatte seit November Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 bis 20 Jahren begleitet, deren Wurzeln nicht in Deutschland, sondern in anderen Ländern dieser Welt liegen. Das Ergebnis wurde den Besuchern bei der Premiere im Forum vor Augen geführt. „Fremdenhass hat bei uns nichts zu suchen“, lautet das Fazit des Projekts, das aus Anlass der Aktivitäten vom Berufskolleg Wirtschaft (BKW) im Zusammenhang mit der bereits erfolgten Zertifizierung als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ realisiert worden ist. Das BKW wird auch von 43 jungen Menschen mit Migrationshintergrund als Bildungseinrichtung genutzt.

Landrat Stephan Pusch hatte für „Fremde Heimat“ die Schirmherrschaft übernommen und warb in seiner kurzen Ansprache um gegenseitiges Verständnis. „Es wird vergessen, wie groß die Bereicherung durch den Zuzug von ausländischen Menschen ist“, sagte Pusch. Viele Länder sähen in den Neubürgern aus fremden Ländern eine Chance und keine Gefahr. Man solle den Blick auf die Frage richten: „Was können wir von ihnen lernen?“ Das Rheinland sei schon immer ein Schmelztiegel der Kulturen gewesen. „Meine Vorfahren stammen aus Polen“, ließ er die Besucher wissen. Er sei stolz darauf, dass sich die Schülerinnen und Schüler aktiv mit dem Thema beschäftigten. „Macht weiter so“, machte der Landrat den jungen Menschen Mut.

Schon zu Beginn hatten die Schüler die Gäste in verschiedenen Sprachen willkommen geheißen. „Wir stehen ein gegen Rassismus und arbeiten an einem toleranten und offenen Umgang miteinander, unabhängig von der sozialen Herkunft und der Kultur“, ergriff Schulleiterin Gabriele Kaspers das Wort. Es dürfe nicht nur einfach geredet werden. Das Filmprojekt zeige, dass es auch um eine aktive Bewältigung der aktuellen Lebensaufgaben und Herausforderungen im Miteinander gehe.

„Ich bezeichne es als ein Gebot der Moral, den jungen Menschen, die zu uns kommen, schnellstmöglich eine Teilhabe in unserer Schule zu sichern, ihnen eine Kultur der Begegnung anzubieten und ihnen eine bestmögliche Bildung mit auf den Lebensweg zu geben“, sagte die Schulleiterin. Menschen, die aus anderen Ländern in die Region kommen würden, seien Fremde, die auch fremde kulturelle Eigenarten mitbringen würden. Kaspers: „Über die Begegnung schaffen wir es zunehmend mehr, aus dem Fremden Vertrautes wachsen zu lassen.“ Willkommenskultur heiße, dass alle dankbar sein müssten, Fremde in ihren Reihen zu haben, die das Leben reicher gestalteten. Gabriele Kaspers bedankte sich für die finanzielle Förderung durch das Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“.

Projektleiter und Oberstudienrat i. R. Adi Klaming brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass der Film mithelfe, Toleranz für Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zu fördern.

Marvin Santos und Philipp Prepols lasen einen Text zum Nachdenken vor: „Du hast ein deutsches Auto, trinkst russischen Wodka, isst italienische Pizza und türkisches Kebap. Die Demokratie ist griechisch, dein Kaffee aus Brasilien, die Filme kommen aus Amerika, dein T-Shirt aus Indien, dein Öl aus Saudi-Arabien, deine elektronischen Geräte aus China, deine Zahlen sind arabisch, deine Buchstaben Lateinisch – und du regst dich darüber auf, dass dein Nachbar ein Migrant ist ?“

Adi Klaming stellte mit Miriam Pucitta und Michael Chauvistré die beiden Aachener Filmregisseure vor, die bei dem Projekt die künstlerische Leitung übernommen hatten. „Am Sonntag haben wir noch die Musik eingearbeitet – und gestern war der Film fertig“, erklärte Michael Chauvistré. Von den anfangs 20 interessierten Schülerinnen und Schülern sei letztendlich ein „harter Kern“ von zehn Darstellern übrig geblieben. Ahmad Semmo, Islim Cil, Maja Petrovic, Marvin Santos-Lobato, Maurely Maloko, Mohammed Eggert, Pascal Winter, Philipp Prepols, Sharuga Ravithas sowie Jamina Al-Hamadi sind die jungen Menschen, die in „Fremde Heimat“ ihre Geschichten erzählen.

Ihre Wurzeln liegen in Albanien, Algerien, Kroatien, Libanon, Österreich, Russland, Sri Lanka, Türkei und Deutschland. Der Film wurde über mehrere Monate an verschiedenen Orten im Kreis Heinsberg gedreht und im Medienzentrum des Zeitungsmuseums in Aachen geschnitten. Er beginnt mit der Geschichte von Maurely, der zwar in Deutschland eine unbeschwerte Kindheit erlebte, aber ab der Grundschule auch wegen seiner Hautfarbe gehänselt wurde. Seine Eltern stammen aus dem Kongo, er wurde in Geilenkirchen geboren. „Du bist ja schwarz“ oder „Du siehst aus wie Schokolade“, habe er sich anhören müssen. Manchmal habe er geweint, aber das Ganze durchgestanden. Als er dann sogar zum Schülersprecher der Geilenkirchener Realschule gewählt worden sei, habe er sich immer mehr geöffnet.

„Ich wurde immer ehrgeiziger“, sagt Maurely. So haben auch die anderen neun „Filmstars“ ihre eigene Geschichte zu erzählen. Bei den Einblicken in ihren Alltag ging es um Kopftuch, gemeinsames Gebet, Vorurteile und Anerkennung. „Fremde Heimat“ vermittelt Eindrücke in andere Kulturen und fördert unterschiedliche Meinungen zutage. „Wenn ich mir einen Bart wachsen lasse, bin ich nicht gleich ein Terrorist“ oder „Wenn wir Kopftuch tragen, denkt der Mann nicht an eine schöne Frau“ oder „Ich bin eine Person, die zwei Kulturen lebt“ – dies waren einige Äußerungen der Schauspieler. „Wir sind hier in einer Gegend, die ohnehin nicht reinrassig ist“, brachte es Regisseur Michael Chauvistré auf den Punkt.

Der Film kann auch gebucht werden per E-Mail an filmprojekt@bkwirtschaft.de.

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