Kreis Heinsberg - Beratungsstelle für Suchtfragen sieht „erfreuliche Tendenz”

Beratungsstelle für Suchtfragen sieht „erfreuliche Tendenz”

Von: hewi
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Das Team der Beratungsstelle für Alkohol-,Medikamenten und Drogenfragen der Caritas mit Leiterin marlies trapp (rechts) ist froh über jeden Süchtigen, der den Kontakt sucht. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. Bei der Beratungsstelle für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenfragen der Caritas suchten im vorigen Jahr gegenüber 2008 15 Prozent mehr Menschen Rat und Hilfe.

Die Leiterin Marlies Trapp zeigte sich bei der Präsentation des Jahresberichtes am Donnerstag zufrieden mit dieser gestiegenen Zahl an Klienten. „Man muss die Zahlen richtig verstehen”, erklärte sie. Denn dass immer mehr Betroffene die Beratung der Hückelhovener Stelle suchen, sei eine „erfreuliche Tendenz”.

Die Zahlen sagen nämlich nichts über die Anzahl der Suchtkranken im Kreis aus, betonte sie. Diese könne anhand vorhandener bundesweiter Zahlen nur geschätzt werden. Sie liegt bei drei bis fünf Prozent der Bevölkerung, wobei es in der konkreten Ausprägung auch noch regionale Unterschiede gibt.

So ist die Zahl der Cannabiskonsumenten, die bei der Beratungsstelle Hilfe suchen, im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands vergleichsweise hoch. Dies liegt an der Grenznähe und der damit verbundenen leichten Beschaffbarkeit der preiswerten Cannabisprodukte. In Frankfurt am Main sei zum Beispiel die Zahl der Crack-Konsumenten sehr hoch, wohingegen diese Droge im Kreisgebiet keine Rolle spiele.

Von den 627 Personen, die 2009 zur Beratungsstelle kamen, hatten 224 Alkoholprobleme (2008 waren es 209) gestiegen ist auch die Zahl der Ratsuchenden, die Aufputschmittel oder Stimulanzien zu sich nehmen (59 gegenüber 42). Nach lange rückläufigen Fallzahlen nahm im vorigen Jahr die Zahl der Konsumenten von Heroin und Opiaten wieder zu (50 gegenüber 38).

175 der Ratsuchenden kamen, um Hilfe für ihre abhängigen oder gefährdeten Angehörigen zu erfragen und sich aufklären zu lassen, was man tun könne. 403 der Klienten waren so genannte „Intensivklienten”, die mehr als eine Beratung in Anspruch nahmen. 224 Klienten beließen es bei einem einmaligen Gesprächskontakt.

„Depression und Sucht verstärken sich gegenseitig”, so Trapp. Die Sucht spiegelt oftmals die Probleme wider, die in einem stecken. Viele Süchtige hätten nicht gelernt, über ihre Wünsche und Bedürfnisse zu kommunizieren. Im Kreis Heinsberg hat man es weniger mit Junkies im klassischen Sinne” zu tun, die schon durch ihren Lebensstil und ihr Verhalten auffallen. Die meisten Suchtkranken stammen aus bürgerlichen Verhältnissen.

Der „normale Abhängige” im Kreis Heinsberg lebt noch bei seinen Eltern oder in anderen geordneten Verhältnissen und geht einer geregelten Beschäftigung nach. Zu der Erkenntnis, dass gehandelt werden müsse, komme es oftmals erst, wenn der Führerschein weg ist und die Medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) oder kurz der „Idiotentest” droht. Dann beginnt die Ambulante Rehabilitation Sucht” (ARS) mit dem Ziel, das Suchtverhalten zu überwinden oder die Substitution, bei der der Süchtige auf Ersatzmittel ausweicht und durch die Beratungsstelle psychosozial betreut wird. Im Kreis werden rund 120 Substituierte betreut.

Zu den Aufgaben der Beratungsstelle gehört auch die Suchtberatung von Strafgefangenen. In der JVA Heinsberg wurden im vorigen Jahr 331 Einzelgespräche mit Strafgefangenen durchgeführt. „Gerade junge Strafgefangene sitzen oftmals ein, weil sie mit dem Betäubungsmittelgesetz in Konflikt geraten sind”, betonte Trapp.

Wichtig sei vor allem, dass schnelle Hilfe gewährleistet werden könne. „Wenn jemand zu uns kommt, kann man ihn nicht wegschicken und sechs Wochen warten lassen”, erklärte Trapp. Denn wenn die Bereitschaft Hilfe anzunehmen schon gegeben sei, müsse auch schnell darauf eingegangen werden.

Die Beratungsstelle für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenfragen befindet sich an der Parkhofstraße 93a (Seiteneingang) und ist telefonisch unter 02433 / 86 238 oder per E-Mail unter drogenberatung@caritas-heinsberg.de erreichbar.

Die Sprechstunden sind dienstags von 16 bis 19 Uhr und donnerstags von 9 bis 12 Uhr. Für den Erstkontakt bei den Sprechstunden sind keine Wartezeiten zu erwarten. Auch der weitere Kontakt oder die Vermittlung anderer Hilfsangebote werden schnell geregelt.

Erreichbar ist die Beratungsstelle auch montags und dienstags sowie donnerstags und freitags von 9 bis 12 Uhr.

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