Kreis Heinsberg - Beratungsstelle für Suchtfragen: 607 Menschen suchen Rat

WM Pokal Weltmeisterschaft Russland DFB Nationalmannschaft

Beratungsstelle für Suchtfragen: 607 Menschen suchen Rat

Von: hewi
Letzte Aktualisierung:
16845729.jpg
Marlies Trapp leitet die Beratungsstelle für Suchtfragen in Hückel­hoven. Foto: Wichlatz

Kreis Heinsberg. Alkohol und Cannabis sind die Drogen, mit denen die meisten Klienten der Hückelhovener Beratungsstelle für Suchtfragen Probleme haben. Eben so große Probleme, dass sie sich bei Marlies Trapp und ihren Kollegen melden. Die Zahl der Personen, die sich jedes Jahr bei der Beratungsstelle melden, ist relativ stabil.

Dies geht aus dem Jahresbericht 2017 hervor, den Trapp nun vorstellte. 607 Ratsuchende waren es laut Jahresbericht. 385 von ihnen nahmen mehrere Beratungsgespräche in Anspruch, 222 beließen es bei einem einmaligen Gesprächskontakt. Auch die Verteilung der Geschlechter ist unverändert: mit rund zwei Dritteln Männer (64 Prozent) und rund einem Drittel (36 Prozent) Frauen. Trapp spricht von einem „klassischen Verhältnis in der Suchtarbeit“.

Die für den gesamten Kreis zuständige Beratungsstelle befasst sich – neben Alkohol- und Drogensucht – auch mit der Abhängigkeit von Medikamenten und Nikotin, gestörtem Essverhalten sowie pathologischer Spielsucht. Oftmals wird die Beratungsstelle von Angehörigen oder Bezugspersonen der Suchtgefährdeten aufgesucht. Rund ein Viertel der Klienten kamen 2017 wegen Suchtproblemen von Angehörigen.

Alkohol ist immer noch die Volksdroge Nummer eins, was sich auch in den Zahlen des Jahresberichtes mit 157 Fällen widerspiegelt. Seit fünf Jahren sind die anteiligen Zahlen jedoch rückläufig, so Trapp. Zusammengenommen haben die illegalen Rauschmittel den „König Alkohol“ längst überholt und ihm den Rang abgelaufen. Vor allem Cannabis ist stark auf dem Vormarsch. Auch die Konsumenten von Amphetaminen suchen zunehmend Rat. Die aufputschenden Substanzen entsprechen einem Bild von der Gesellschaft, in der alles immer schneller gehen müsse, stellt die Diplom-Psychologin fest. „Die Leute sind effizient und leben in Superlativen“, beschreibt sie die Klientel. „Sie nehmen ihr Leben eindimensional wahr und haben ein erhöhtes Aggressionspotenzial.“

Ein Angebot der Beratungsstelle ist die Ambulante medizinische Rehabilitation Sucht (ARS). Seit 20 Jahren wird diese ambulante suchttherapeutische Behandlung im Verbund mit dem Kreisgesundheitsamt angeboten. Die Gruppentreffen finden in Erkelenz, ­Geilenkirchen, Heinsberg und ­Hückelhoven statt und bieten so die Möglichkeit einer wohnortnahen Behandlung. Bisher schlossen 744 Klienten die ARS-Behandlung ab, davon 268 als Vollmaßnahme und 476 als nachstationäre Maßnahme nach einer stationäre Entwöhnung.

Gerade für Klienten, die nicht aus ihrem häuslichen Umfeld weg oder eine mehrmonatige Abwesenheit auf der Arbeit nicht erklären könnten, sei die ambulante Methode gut geeignet, betont Trapp. Die Termine werden so vereinbart, dass die Klienten die Therapie neben ihrer beruflichen Tätigkeit wahrnehmen können. Trapp verweist auf die Gedanken und Erinnerungen eines Klienten, die als Text dem Jahresbericht beigefügt sind. „Du hast Orientierung gefunden, leben musst du selbst“, so sein Fazit.

 

Die Homepage wurde aktualisiert