Hückelhoven - Beim Fasten an die denken, die arm sind

Beim Fasten an die denken, die arm sind

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Im islamischen Zentrum in Hückelhoven bereiten Dilek Yilmaz, Hatice Savuran und Aliye Yilmaz das Iftar-Essen vor.

Hückelhoven. „Über die Frauen müssen Sie was schreiben. Die haben hier die meiste Arbeit”, so Mehmet Yilmaz, stellvertretender VIKZ-Bundesvorsitzender als er die Treppen der Moschee in der Ludovicistraße zu dem Raum hinuntergeht, in dem die Frauen aus der islamischen Gemeinde das Essen für das Fastenbrechen vorbereiten.

Es ist 16 Uhr am ersten Tag des Fastenmonats Ramadan. An zwei langen Tischen sitzen bereits seit 14 Uhr über 20 Musliminnen und formen kleine runde Kügelchen aus einem Teig aus 20 Kilo Hackfleisch, Zwiebeln und verschiedenen Gewürzen. Auf einem anderen Tisch liegen ungefähr 50 Brote, die noch geschnitten werden müssen. Alle Frauen tragen lange Röcke und bunte Kopftücher; es herrscht reges Treiben, denn bis zum Abend sollen die Speisen fertig vorbereitet sein.

Saum, das Fasten im Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondkalenders, gehört zu den fünf Säulen des Islam und ist Pflicht für alle Gläubigen. Von der Dämmerung bis zum Sonnenuntergang gegen 21.15 Uhr verzichten sie auf jede Art von Getränken und Speisen, aber auch die Abstinenz von Rauchen und Geschlechtsverkehr gehört dazu.

Da das Fasten eine anstrengende Aufgabe ist, sind allerdings schwangere Frauen, Kinder bis zur Pubertät, Reisende, Kranke und körperlich hart Arbeitende von der Pflicht ausgenommen, da der Islam von niemandem verlangt, sich selber Schaden zuzufügen. „Deswegen ist Selbstmord eine große Sünde. Der Körper ist von der Seele nur geliehen”, so Yilmaz.

Viele Muslimen nehmen sich aufgrund des veränderten Tagesablaufs und des täglichen Verzichts auf Nahrung in der Zeit des Fastenmonats Urlaub, so wie Meral Kalayci, Mädchen- und Frauenbeauftragte der Hückelhovener Moscheegemeinde des Verbands der Islamischen Kulturzentren. „So kann ich auch immer in die Moschee gehen.”

Mehmet Yilmaz ist in der ersten Nacht des Ramadan mit seiner Familie um drei Uhr morgens aufgestanden, um viel zu trinken und Leichtkost zu sich zu nehmen, bevor das über 17-stündige Fasten beginnt. „Mittlerweile merke ich, dass meine Lippen etwas trocken sind.” Hunger verspüre er aber keinen. „Das Ganze hat auch viel mit dem Kopf zu tun. Man soll Selbstdisziplin trainieren, in sich kehren, Körper und Geist reinigen und den inneren Schweinehund überwinden”, da das Erfolgreiche einhalten des Fastens auch für andere Aufgaben stärke.

Es soll aber auch jener gedacht werden, die ärmer sind und weniger besitzen. „Wenn man 17 Stunden am Tag nichts isst und trinkt, kann man viel besser nachvollziehen, wie es für Leute ist, die weniger haben als wir hier, wo so viel auch weggeschmissen wird.” Deshalb würden im Monat Ramadan viele Muslimen die vierte Säule des Islams, die Zakat, also das Spenden von Almosen, erfüllen. „Davon finanzieren wir zum Beispiel auch unsere Gemeinde.”

Das Essen zum Fastenbrechen, an dem allabendlich einen Monat lang ungefähr 200 Menschen in der Moschee in der Ludovicistraße teilnehmen, wird oft von freiwilligen Gastgebern gespendet. „Das ist praktisch: Du kannst zum Beispiel mit zwei Freunden Gastgeber sein und dann alle einladen, die du auch zu dir nach Hause einladen wolltest”, so Meral Kalayci über die Vorteile, Gastgeber eines Abends zu sein.

Traditioneller Weise beginnt das Fastenbrechen mit Wasser und Datteln. Die Fleischbällchen, die die Frauen formen, sollen für einen Eintopf sein, zu dem dann Kartoffeln oder Reis gereicht werden. „Wir bereiten das jetzt schon vor und frieren das ein, damit die Köche für circa vier oder fünf Abende davon einen Eintopf machen können”, so Meral Kalayci. Dazu werden aber auch noch Salate, Weinblätter und Joghurtspeisen gereicht, „sonst reicht das nicht mal für eine Nacht”.

Meral Kalayci räumt ein, dass auch die Männer sich bei den Vorbereitungen nicht auf die faule Haut legen. „Die haben auch ihre Aufgaben. Zum Beispiel Tische und Kartoffelsäcke schleppen oder Reparaturarbeiten übernehmen.”

Der 27. Tag des Monats ist ein Gedenktag, an dem die „Nacht der Bestimmung”, Lailat al-Qadr stattfindet, in der der Offenbarung des Korans gedacht wird. Als Ausklang der Fastenzeit wird das „Fest des Fastenbrechens”, Id al-Fitr gefeiert, das auch als Zuckerfest bekannt ist. Beim regulären Fastenbrechen essen Frauen und Männer in der Moschee getrennt voneinander. „Aber an dem Tag, an dem wir dann Gäste aus der Politik und der Öffentlichkeit einladen, essen wir hier im großen Saal alle zusammen”, sagt Meral Kalayci und freut sich darüber, dass sich die Gäste dann jedes Mal mit „Bis nächstes Jahr” verabschieden.
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