Beim Erweitern des Wohnareals auf Spuren der Römer getroffen

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:
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Das Areal für die Erweiterung des Gewerbe- und Industrieparkes Commerden in Erkelenz ist bereitet. Noch aber werden vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege Spuren der Vergangenheit gesichert. Foto: stock/Peters
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Die Einsamkeit des Archäologen bei der Arbeit.

Erkelenz. Wer die Zukunft sichern will, muss sich erst mal mit der Vergangenheit auseinandersetzen. In Erkelenz kann das jeder, der von Süden kommend in die Stadt einfährt, mit eigenen Augen beobachten: Auf einem großen, eingegrenzten Areal schaben und kratzen an bestimmten Stellen Frauen und Männer auf dem Boden rum.

„Ja“, sagt Bürgermeister Peter Jansen, „auf den Feldern ist derzeit noch der Denkmalschutz zugange. Aber die werden wohl Ende des Monats fertig werden, dann können wir endlich mit der Erweiterung des Gewerbe- und Industrieparks Commerden (GIPCO) beginnen.“ Die Denkmalschützer, Archäologen also.

Gibt‘s denn schon etwas Vorzeigbares, haben die Ausgräber schon etwas gefunden? „Die Fachleute jedenfalls sind begeistert“, sagt Jansen. Natürlich sind es Spuren des täglichen Lebens, ihres Alltages also, die die Römer während der Belagerung des Rheinlandes zurückgelassen haben, die nach fast 2000 Jahren musealen Charakter gewonnen haben. Wer in – sagen wir 500 Jahren – noch einmal an gleicher Stelle buddelt, wird womöglich Überreste unserer Zivilisation des 21. Jahrhunderts finden. PCs, Smartphones, Joghurtbecher – sowas. Auch das hätte dann, also in 500 Jahren, „musealen Charakter“.

Aber zurück in die Gegenwart: „Nach Abschluss der Grabungen bekommen wir eine Darstellung der Funde“, sagt der heutige Erkelenzer Bürgermeister.

Für Ansgar Lurweg, den Technischen Beigeordneten der Stadt, sind die Grabungen nichts Außergewöhnliches: „Wir wissen ja, dass die Römer auf dem Gebiet der heutigen Stadt Erkelenz gesiedelt haben. Also finden wir auch überall, wo wir in die Tiefe gehen, Spuren von denen“.

Die Fachleute des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege seien diesmal „länger als geplant“ auf dem Erweiterungsgelände des GIPCO aktiv gewesen, möglicherweise auch, weil die angrenzende B 57 römische Heerstraße gewesen ist. „Wenn etwas Spektakuläres gefunden worden wäre, dürften wir das Gebiet wohl nicht weiter verfolgen. Dann hätten wir ein Problem“, sagt Lurweg.

Rund 180.000 Euro werden in die Grabungen nach den Hinterlassenschaften der Römer im Rheinland investiert. „Deshalb müssen wir den Kaufpreis für die Grundstücke im Vergleich zu den anderen im GIPCO um zehn bis 15 Euro erhöhen“, sagt Peter Jansen. Die Kosten für den Denkmalschutz werden nämlich vom Land auf die Kommunen weitergegeben.

Das erste Grundstück auf dem rund 100.000 Quadratmeter großen Areal ist bereits verkauft. „Zwei weitere Kaufverträge werden wohl in Kürze abgeschlossen“, sagt der Bürgermeister. Das, so Jansen, seien zwei Erkelenzer Unternehmen, die expandieren wollen. „Wir haben mehr Nachfrage als Fläche“, fügt er hinzu.

Das wird den Kämmerer freuen: Je mehr Unternehmen in Erkelenz ansiedeln oder sich ausbreiten, desto üppiger sprudelt auch die Gewerbesteuer. „Das ist sicher richtig: Unsere augenblickliche Gewerbesteuereinnahme ist auf einem historischen Höchststand.“ Da schwingt bei Bürgermeister Peter Jansen ein wenig Stolz mit.

Oder? „Richtig. Unsere Gewerbesteuereinnahme wird von vielen kleineren Unternehmen getragen. Wir haben lieber auf dieser Fläche mehrere kleine Unternehmen mit 20 oder 50 oder auch hundert Beschäftigten, als zwei ganz große“, sagt er. Und: „Die Gewerbesteuer ist sicher ein Punkt, aber sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze sind mir lieber.“ Wobei das eine das andere ja nicht ausschließen muss.

Jedenfalls ist die Nachfrage nach Grundstücken auf industriell nutzbarer Fläche in Erkelenz derzeit sehr hoch. Man sei nach der Erweiterung des Gewerbe- und Industriegebiets Commerden bis zur B 57 schon „überbucht“, wie der Bürgermeister es nennt. Man habe, sagt er, bereits Grundstücke jenseits der B 57 für eine neuerliche Ausweitung des Gewerbe- und Industriegebietes Commerden im Gebietsentwicklungsplan ausgewiesen. „Das läuft gut an“, sagt Peter Jansen. „Die Chancen, dass sich da in den kommenden zwei Jahren etwas entwickelt, sind realistisch.“

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