Heinsberg - Bei rund 400 Insassen JVA „optimal” belegt

Bei rund 400 Insassen JVA „optimal” belegt

Von: Rainer Herwartz
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Innerhalb der JVA Heinsberg sind die Bauarbeiten zum Teil noch in vollem Gange. Dann muss auch mal ein Zaun mit SZ-Draht zur Sicherheit dienen. Durch die verstärkte Bewachungstätigkeit seien natürlich viele Bedienstete gebunden, die ansonsten der Häftlingsbetreuung dienten, meint der Justizvollzugsbeauftragte. Foto: Herwartz

Heinsberg. „Das Gespräch sollte nicht abbrechen, denn die Geschichte ist noch nicht zu Ende.” Ohne den Kaffeesatz zu bemühen, darf man sich dieser „Weissagung” des Justizvollzugsbeauftragten Nordrhein-Westfalens getrost anschließen.

Wenn auch derzeit rund um die Heinsberger Justizvollzugsanstalt eine gewisse Ruhe eingekehrt ist, wird es bei einer Vollbelegung der Einrichtung im nächsten Jahr schnell zum Härtetest kommen. Erst dann wird sich zeigen, ob das Lärm- und Belästigungsproblem für die Anwohner wirklich in den Griff zu kriegen ist. Gerade im Hinblick darauf sei jetzt der richtige Zeitpunkt, so Prof. Dr. Michael Walter, „die Bemühungen zu einer vernünftigen Lösung zu führen”.

Zwischenzeitlich, so erklärt Walter, habe er in der Heinsberger Angelegenheit mit der Anstaltsleitung und dem Justizministerium gesprochen. Ein erstes Ergebnis lässt sich auch vorweisen: „Das Ministerium ist bereit, hinsichtlich der Begrünung kräftig etwas zu tun, aber nur außerhalb - aus Sicherheitsgründen.” Denn wenn es um den Aspekt der Sicherheit gehe, „dann ist man schnell mit seinem Latein am Ende”.

Es soll auf diese Weise verhindert werden, dass sich zwischen den Häusern 8 und 9 ein Schalltrichter bilde, der die Geräusche aus der JVA bis hin zu den Anwohnern noch verstärke. Vielleicht gebe es aber auch noch eine andere Lösung. Er stehe derzeit in Kontakt zu einem der betroffenen Häuslebauer, der noch eine weitere Möglichkeit zur Lärmdämmung in petto habe, so Walter. Das müsse er sich allerdings noch genau erläutern lassen.

Der Lärm sei am Ende als drängendstes Problem übrig geblieben, sagt er. Einige andere Aspekte, die von den Anwohnern ins Feld geführt wurden, hätten sich als weniger bedeutsam erwiesen. Erfahrungen in der Umgebung anderer deutscher Haftanstalten zeigten, dass die Befürchtung der Anwohner, aus dem Gefängnis heraus ausgespäht zu werden, wahrscheinlich unbegründet sei. „Das ist eine Sorge, die ich nachvollziehen kann, aber es hat sich nicht bewahrheitet.” Denn dazu gebe es weit bessere Möglichkeiten für potenzielle Einbrecher.

Die Uneinigkeit zwischen Anwohnern und dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW als Bauherrn der Anstalt in puncto Vorabinformation ließ sich wohl auch nicht aus dem Weg räumen. Der BLB behaupte, die Anwohner seien über das Vorhaben informiert gewesen, diese wiederum bestritten dies. Nur auf Nachfrage habe es Informationen gegeben. Dass jedoch die JVA in der Höhe über die Sicherheitsmauer wachsen würde, sei dabei nicht zur Sprache gekommen. „Aus dieser Auseinandersetzung kann man wenig Honig saugen”, meint Walter. Zudem sei ja klar, dass ein vierstöckiger Bau die Mauer überrage.

Die Aussage einiger Bürger, es müsse nur mit den Insassen der JVA „eine härtere Gangart gefahren werden”, um das Lärm- und Pöbelproblem zu beseitigen, hält der Justizvollzugsbeauftragte für wenig zielführend. Dennoch glaubt er, dass nach der Beendigung der Bauarbeiten bei den Bediensteten wieder mehr Kapazität für eine Betreuung der Häftlinge vorhanden sei. Ob es reichen wird, sei jedoch dahingestellt, denn der Professor macht in seinem Tätigkeitsbericht für das Jahr 2011 keinen Hehl daraus, was er von Haftanstalten der Heinsberger Größenordnung hält.

Dort ist unter anderem zu lesen: „Soweit neuer Platzbedarf, insbesondere aus Sanierungsgründen, entsteht, ist der Bau überschaubarer, maximal mittelgroßer Anstalten zu empfehlen... Größenordnungen, die zu anonymen Strukturen führen, sind schließlich deswegen mit dem Ideal eines resozialisierenden Vollzugs unvereinbar, weil sie dem Gefangenen kein hinlängliches soziales Lernfeld zur Verfügung stellen.”

Für den Justizvollzugsbeauftragten ist demnach bei rund 400 Insassen das Ende der Fahnenstange erreicht. In Heinsberg ist diese Zahl mit momentan 352 Häftlingen beinahe gegeben. Bei einer Vollbelegung werden es jedoch 573 sein.
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