Bei der Suche nach dem Weg abgezockt

Von: Isabelle Hennes
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Opfer einer Abzock-Falle: Hans
Opfer einer Abzock-Falle: Hans-Gerd Helmgens wird sich zukünftig zweimal überlegen, ob er den Angeboten des Internets glaubt. Foto: Hennes

Heinsberg-Kirchhoven. Hans-Gerd Helmgens ist verärgert. Die achttägige Reise an die Mosel, die er seinen Eltern zur Goldhochzeit geschenkt hatte, war bereits gebucht. Das, was noch fehlte, war eine Wegbeschreibung für die Autofahrt.

Helmgens sucht im Internet bei einem Routenplaner die entsprechende Strecke heraus, druckt sie für seine Eltern aus. Die böse Überraschung ließ nicht lange auf sich warten.

In sein E-Mailpostfach flatterte noch am selben Tag eine Mitteilung der Firma Webtains, in der man sich für den abgeschlossenen Vertrag und die Mitgliedschaft bedankte. „Ich habe mir da noch gar nichts dabei gedacht”, gesteht Helmgens. Schließlich habe er lediglich über eine Suchmaschine einen kostenlosen Routenplaner im Netz aufgerufen. Erst, als die zweite Mail kam, die eine Zahlungsaufforderung von 96 Euro beinhaltete und mit der Einschaltung eines Inkasso-Anwaltes drohte, würde er der geforderten Zahlung nicht nachkommen, wurde er stutzig.

Trotzdem überwies er die 96 Euro an die Firma. „Ich war einfach im Stress”, sagt Helmgens. Kurz darauf kündigte er den Vertrag bei der Webtains GmbH, erhielt jedoch darauf keine Bestätigung.

Das war vor rund einem Jahr. Nun erhielt der 51-Jährige Latein- und Religionslehrer, der während seiner Freizeit häufig im Netz unterwegs ist, eine erneute Zahlungsaufforderung - wieder in der Höhe von 96 Euro. Doch damit nicht genug. Je länger er mit der Überweisung wartete, desto dreister wurden die Mitteilungen der Firma: Er solle den Betrag „schuldenbefreiend” auf ihr Konto überweisen, um die „Entstehung zusätzlicher Mahnkosten zu vermeiden”. „Diesmal werde ich in gar keinem Fall zahlen”, sagt Helmgens entschlossen.

Helmgens ist eines von vielen Opfern sogenannter Abo-Fallen. Die Internetnutzer übersehen das Kleingedruckte in den allgemeinen Geschäftsbedingungen und tappen in die Falle. „Das ist ein absoluter Dauerbrenner bei uns”, berichtet Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen. Die Seiten seien so angelegt, dass der Internetnutzer den Hinweis auf den kostenpflichtigen Vertrag geradezu übersehen muss. Er rät: in jedem Fall die Zahlung verweigern.

Stattdessen direkt auf der Website der Verbraucherzen-trale einen Vordruck für einen Musterbrief kostenlos herunterladen, ausdrucken, ausfüllen und der Firma zukommen lassen. „Es ist natürlich schwierig, wenn der Kunde einmal gezahlt hat. Aber selbst in so einem Fall besteht noch die Möglichkeit, die zweite Zahlung zu verweigern”, erklärt Bradler.

Der Bund hat indes einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Verbraucher im Internet besser schützen und Transparenz bei den angebotenen Produkten bringen soll. Nutzer sollen künftig unmissverständlich auf die Preise von Produkten hingewiesen werden, bevor sie per Mausklick einen Vertrag abschließen. „Neben dem Bestellbutton soll dann nicht mehr nur anmelden stehen, sondern kostenpflichtig anmelden”, erklärt Bradler. Diese sogenannte Button-Lösung ist auch als gesamteuropäische Regelung vorgesehen. Damit soll unseriösen Anbietern die Handhabe genommen werden, Verbrauchern Verträge unterzujubeln.

Für Helmgens kommt dieses Gesetzentwurf leider zu spät. Er muss sich nun eventuell einen Anwalt zur Hilfe nehmen.

Verbraucherzentrale bietet Musterbriefe an

Verbraucher werden auf Internetseiten der Firma Webtains, zum Bespiel www.Routenplaner-Service.de, zur Eingabe ihrer Adressdaten aufgefordert. Anschließend flattern Briefe ins Haus, in denen behauptet wird, dass die Verbraucher einen Zweijahresvertrag eingegangen seien und im Gegenzug 96 Euro pro Jahr, also insgesamt 192 Euro zahlen sollen.

Unseriöse Anbieter lassen nichts unversucht, um Betroffene zur Zahlung zu bewegen. Häufig schalten sie Inkassobüros oder sogar Anwaltskanzleien ein. Unberechtigte Forderungen sollte man zurückweisen. Als Hilfestellung bietet die Verbraucherzentrale Musterbriefe, die mit persönlichen Daten ergänzt werden müssen.

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