Begleitung Sterbender benötigt Ressourcen

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Kreis Heinsberg. Stationäre Pflegeeinrichtungen brauchen mehr Personal und mehr Geld, um schwerkranke und sterbende Bewohner besser betreuen zu können. Das fordern katholische Pflegeeinrichtungen in der Region Heinsberg.

Sie unterstützen damit den Caritasverband für das Bistum Aachen und seine so genannten Aachener Thesen zur nachhaltigen Hospiz- und Palliativkultur in stationären Pflegeeinrichtungen. Die Kernforderung des Verbandes: In den Rahmenverträgen und Vereinbarungen soll der Ansatz der palliativen Pflege gleichwertig neben die aktivierende Pflege treten. Entsprechendes steht auch in einer gemeinsamen Erklärung des Deutschen Caritasverbandes und der Diakonie Deutschland zur Anhörung im Bundestag zur Weiterentwicklung der Hospiz- und Palliativversorgung in Pflegeheimen und Krankenhäusern.

Neben Hospizen entwickeln sich Alten- und Pflegeheime immer mehr zu Orten, in denen Menschen hoch betagt sterben. Während Hospize finanziell und personell auf diese Entwicklung vorbereitet seien, gibt es aus Sicht der Caritas in Pflegeeinrichtungen Nachholbedarf. Josef Aretz, Leiter des Katharina-Kasper-Pflegeheims in Gangelt, hat begrüßt, dass sich die Caritas im Bistum Aachen so eindeutig positioniert. „In unserem Leitbild der Dernbacher Gruppe steht folgender Satz: ,Wir begleiten Sterbende in ihrer letzten Lebensphase und lassen sie in ihren letzten Stunden nicht allein.‘ Diesem Anspruch versuchen wir gerecht zu werden – und dies gelingt uns nur durch die hohe Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter.“

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Pflege, aus der Sozialen Betreuung, aus der Seelsorge und Ehrenamtler würden sich untereinander abstimmen, um eine kontinuierliche Begleitung des sterbenden Menschen zu gewährleisten. Angehörige würden stets eingeladen, die letzten Tage und Stunden ebenfalls zu begleiten. „Ohne den sehr hohen Einsatz der Beteiligten wäre dies jetzt nicht möglich. Um auf Dauer eine entsprechende palliative und hospizliche Versorgung anbieten zu können, muss dies finanziell und personell unterstützt werden“, so Aretz.

Die in den Aachener Thesen formulierten sozialpolitischen und fachpolitischen Forderungen sind abgeleitet aus Interviewergebnisses eines Forschungsprojektes des Caritasverbandes für das Bistum Aachen zur Nachhaltigkeit der Hospiz- und Palliativkultur in Pflegeeinrichtungen, das von einem Institut für Palliative Care und Organisationsethik/IFF Wien wissenschaftlich begleitet wurde.

„Wir hoffen, damit die Akteure zu ermutigen, dass sie in die Stärkung der hospizlichen Kultur in ihren Einrichtungen weiter investieren“, erklärte Diözesancaritasdirektor Burkard Schröders. Die Caritas im Bistum Aachen wolle aber auch die Politik darauf aufmerksam machen, dass eine angemessene Sorge um Menschen am Lebensende Ressourcen benötige, die durch die gegenwärtige finanzielle und personelle Ausstattung der Einrichtungen nicht abgedeckt seien.

Die Caritas fordert eine angemessene personelle Ausstattung der Pflegeheime, damit die hospizliche Begleitung und die palliative Versorgung pflegebedürftiger Bewohner gewährleistet werden könne. Das bedeute unter anderem, so die Caritas, dass für die Begleitung sterbender Bewohner in der Nacht ebenso wie an Wochenenden zusätzliche hospizliche Begleitung zur Verfügung stehen müsse, ohne dass diese auf den Personalschlüssel angerechnet werden müsse.

Pflegekräfte hatten laut Caritas in der Untersuchung berichtet, dass sie gegenüber den anderen Bewohnern zuweilen ein schlechtes Gewissen hätten, wenn ein sterbender Mensch ihre Zuwendung stärker beanspruche als sonst. Auch die Begleitung und die Beratung der Angehörigen sollten nach Ansicht der Caritas vergütet werden. Zudem sollten Pflegeeinrichtungen Anreize erhalten, damit sie die Hospizkultur in ihrem Umfeld verankern, fordert der Diözesancaritasverband.

Auch wenn sich seine Einrichtung nicht am Forschungsprojekt beteiligt habe, unterstütze er die Aachener Thesen ausdrücklich, so Josef Aretz aus Gangelt. Denn die Erfahrungen, die den Forderungen zugrunde lägen, seien Alltag in den Pflegeeinrichtungen. Als Beispiel nannte er die Etablierung einer entsprechenden Kultur in der Begleitung von Sterbenden. Es bedürfe zunächst eines breit angelegten Fortbildungskonzeptes. Interessierte Mitarbeiter müssten entsprechende Fort- und Weiterbildungen absolvieren und als Multiplikatoren für die anderen Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Die Sterbekultur müsse von allen Berufsgruppen der Einrichtung von der Alltagsbegleiterin über die Pflegekraft bis hin zur Einrichtungsleitung gelebt werden.

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