Bedarf wächst: Pfarrgemeinde St.Gereon baut altersgerechte Wohnungen

Von: Norbert F. Schuldei
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Das Projekt „Generationen-Cam
Das Projekt „Generationen-Campus” in Ratheim am Haller Bruch ist bereits fertiggestellt. Die 33 Wohneinheiten für Senioren waren in Nullkommanichts belegt. Der Bedarf an altengerechtem Wohnraum im Stadtgebiet Hückelhoven wächst von Jahr zu Jahr. Foto: Koenigs

Hückelhoven-Brachelen. Was Bernd Bogert sagt, ist eigentlich eine Binsenweisheit: „Die Menschen leben im Hier und Jetzt. Und das muss Spaß machen.” Interessant wird diese Aussage erst dann, wenn man weiß, dass Bogert Geschäftsführer der St.-Gereon-Altenhilfe ist.

Und dass er diese Binsenweisheit auf Menschen angewendet wissen will, die das Leben nicht mehr vor sich, sondern die größte Strecke des Weges bereits beschritten haben. Und die oft nicht mehr in der Lage sind, ihren Alltag ohne Hilfe anderer Menschen zu bewältigen.

„20 Prozent der über 80-Jährigen im Kreis Heinsberg brauchen einen Heimplatz”, sagt Bogert. Zwischen Wegberg im Norden und Übach-Palenberg im Süden leben derzeit 12 187 Männer und Frauen, die dieses Alter erreicht oder überschritten haben. „Einen Heimplatz zu errichten”, sagt Bernd Bogert weiter, „kostet rund 90.000 Euro”.

Multipliziert man diese Summe und geht rein theoretisch davon aus, das alle Menschen über 80 einen solchen Pflegeplatz in Anspruch nähmen, dann wird schnell deutlich, dass hier nicht über - um ein Bild des ehemaligen Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, zu gebrauchen - „Peanuts” gesprochen wird: Für den Kreis Heinsberg wären das 220 Millionen Euro pro Jahr.

Und: Die Zahl der Menschen über 80 wird in den nächsten Jahren nicht nur im Kreis Heinsberg deutlich ansteigen. Ganz praktisch leben zurzeit rund 2600 Frauen und Männer im Kreis Heinsberg in einer Pflegeeinrichtung, also nicht mehr im eigenen Heim.

Für Bogert ist deshalb schon heute klar: „Auf Dauer können wir Heime für alte Menschen, in der Form, wie wir sie heute anbieten, nicht mehr bezahlen.”

Die Kirchengemeinde St. Gereon in Brachelen, die bereits eine ganze Reihe von Einrichtungen im Bereich der Altenhilfe und Altenpflege betreibt, schlägt deshalb einen neuen Weg ein. „Wir bauen in Ratheim und jetzt auch in Hilfarth altengerechte Wohnungen, in denen die Senioren selbstständig wohnen und auf Hilfe nur dann zurückgreifen, wenn es dringend erforderlich ist”, sagt Bogert.

Die Rechnung könnte auch ein Milchmädchen machen: „Wenn du das Geld für fünf Heimplätze nimmst, kommst du theoretisch auf 450.000 Euro. Dafür kannst du locker ein Haus bauen, in dem fünf Senioren altersgerecht wohnen. Und die dann, wenn es nötig ist, auch fachgerecht betreut werden.” Das, sagt Bogert, sei unter dem Strich auf alle Fälle kostengünstiger als die jetzigen Form der Heimplätze.

Niedrige Geburtenrate und zunehmende Lebenserwartung erhöhen ständig den Anteil der älteren Menschen in unserer Gesellschaft. „Die geringere Kinderzahl, die erhöhte Mobilität der jüngeren Generation und die hohe Erwerbsquote von Frauen”, sagt Bogert, „führt zudem zu einer Abnahme der Möglichkeit, Pflegebedürftige im Rahmen eines familiären Umfeldes ohne professionelle Hilfe zu betreuen.”

In Ratheim, im gerade fertig gestellten „Generationen-Campus”, sind so 33 Plätze für Senioren entstanden; in Hilfarth am alten Rasenplatz an der Fichtenstraße wird derzeit gebaut, dort entstehen 32 solcher Wohneinheiten für Menschen im Seniorenalter, Baubeginn soll im Frühjahr 2013 sein.

Ist das die Zukunft für das Leben alter Menschen, die sich allein nicht mehr versorgen können? Bogert will sich da nicht festlegen: „Was wir in Ratheim und Hilfarth realisieren, sind Einrichtungen, in denen gewohnt wird und Wohnungen, in denen gepflegt wird.

Wohnformen, in denen sich die älteren Menschen mit ihrer Kompetenz einbringen, solidarische Formen des Zusammenlebens praktizieren, also als Menschen gefragt sind - ja, das ist sicher eine Perspektive.”

Die Menschen leben im Hier und Jetzt, und das, keine Frage, soll Spaß machen. Auch im Alter. Dass man dafür nach neuen Formen des Zusammenlebens sucht, ist sicher kein Holzweg.
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