„Barrierefreiheit ist noch nicht selbstverständlich“

Von: anna
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„Wir sind dabei“: Menschen mit und ohne Behinderung berichteten in einer Talkrunde mit Regionalredakteur und Moderator Dieter Schuhmachers von ihren Erfahrungen bei dieser Aktion zum Thema Barrierefreiheit. Foto: Anna Petra Thomas
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Landrat Stephan Pusch ist Schirmherr der Aktion zur Barrierefreiheit unter dem Titel „Wir sind dabei“.
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Sängerin Angelika Moczko präsentierte passend zur Aktion den Song unter dem Titel „Wir sind dabei“.
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Ausgezeichnete Preisträger und engagierte Mitwirkende aus Heinsberg zusammen mit den Teilhabekreis-Moderatorinnen Martina Zantis von der Caritas und Denise Lison von der KoKoBe.
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Ausgezeichnete Preisträger und engagierte Mitwirkende aus Hückelhoven zusammen mit Teilhabekreis-Moderatorin Nicole Abels von der Caritas (Moderatorin Adelheid Venghaus von der KoKoBe war erkrankt).
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Ausgezeichnete Preisträger und engagierte Mitwirkende aus Gangelt zusammen mit der Teilhabekreis-Moderatorin Bärbel Windelen von der Caritas und Teilhabekreis-Moderator Jörg Driessen von ViaNobis.
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Ausgezeichnete Preisträger und engagierte Mitwirkende aus Erkelenz zusammen mit Teilhabekreis-Moderatorin Denise Lison von der KoKoBe (Moderatorin Birgit Vasters von der Caritas war erkrankt).
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Ausgezeichnete Preisträger und engagierte Mitwirkende aus Geilenkirchen zusammen mit den Teilhabekreis-­Moderatorinnen Nicole Abels von der Caritas und Sonja Jütten von der KoKoBe.

Kreis Heinsberg. Rund 90 öffentliche Einrichtungen, Behörden, Geldinstitute, Arztpraxen, Gastronomiebetriebe oder Geschäfte im Kreis Heinsberg dürfen ihre Eingangstüren ab sofort mit einem runden grünen Logo schmücken, das in seiner Mitte ein rotes Herz und die Symbole für unterschiedliche Behinderungen von Menschen zeigt. „Barrierefrei – wir sind dabei“ lautet die Aufschrift.

Sie alle haben erfolgreich an einer gleichnamigen Aktion der fünf Lokalen Teilhabekreise in der Region – in Erkelenz, Gangelt, Geilenkirchen, Heinsberg und Hückelhoven – teilgenommen und sind jetzt bei der Preisverleihung im großen Sitzungssaal des Heinsberger Kreishauses mit diesem Logo in Form eines Aufklebers und einer Urkunde ausgezeichnet worden.

Die Moderatorinnen und der Moderator der fünf Teilhabekreise (aus den Reihen von Caritasverband, Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle und ViaNobis – Die Eingliederungshilfe) freuten sich, zu dieser Feier nicht nur Preisträger begrüßen zu dürfen, sondern auch Mitwirkende der Aktion: Menschen mit und ohne mit Behinderung, unter ihnen auch Schüler und Senioren, die mitgemacht hatten.

„Die Belange von behinderten Menschen sind unsere Belange. Ohne Ausnahme“, betonte Landrat Stephan Pusch als Schirmherr der Aktion in seiner Rede. Dass dieses Engagement der Teilhabekreise „eine tolle Aktion“ sei, beweise schon der „innovatio“ genannte Sozialpreis für caritatives und diakonisches Handeln, in dessen Rahmen sie bereits im vergangenen Jahr in Berlin geehrt worden waren.

Mit der ersten Verleihung der Barrierefrei-Siegel im Kreis Heinsberg werde ein wichtiger Schritt getan, „dem allerdings noch viele Schritte folgen sollten“, forderte Pusch. Aus dem großen Engagement der Teilhabekreise werde nämlich zugleich deutlich, dass Barrierefreiheit noch nicht selbstverständlich sei und immer noch eines Anschubs bedürfe.

Als Faktoren, die den täglichen Einsatz für behinderte Menschen maßgeblich beeinflussen würden, benannte er Mitleid, Reputationsgewinn und Druck von oben. Normalität in diesem Sinne werde es vielleicht irgendwann einmal annähernd geben. „Aber nie zur Gänze“, sagte Pusch. Und so müssten die Teilhabekreise auch weiterhin die „Anwälte“ derjenigen bleiben, die Normalität so dringend bräuchten, diese aber nicht immer erfahren würden.

Barrierefreiheit sei nur ein kleiner Teil des großen Gedankens namens „Inklusion“, für die sich der Kreis Heinsberg stark mache, so Pusch weiter. „Machen Sie mit“, forderte der Landrat öffentlich diejenigen auf, die sich an der Aktion noch nicht beteiligt haben. „Damit es Abende wie diese nicht mehr geben muss, wo wir die gelungene Inklusion als etwas Besonderes feiern.“

Im Gespräch mit Regionalredakteur Dieter Schuhmachers, der als Moderator durch die Veranstaltung führte, berichteten Nicole Abels und Denise Lison über Entstehung und Arbeit der Teilhabekreise sowie über die Aktion, bei der mit Fragebögen die Gegebenheiten vor Ort erkundet und bei Erfüllung bestimmter Kriterien die Auszeichnung verliehen worden war.

Von ihren überwiegend positiven Erfahrungen bei der Aktion erzählten dann Menschen mit und ohne Behinderung: Andrea Mirbach und Heidi Faßbender, Martin Debois und Stefan Burg, Rainer Wild und Julian Winkens. Es habe zwar schon ein bisschen Überwindung gekostet, beim Verteilen der Fragebögen auf die Menschen zuzugehen, räumte Burg ein.

„Aber in den meisten Fällen haben wir doch positive Resonanz erhalten“, so Mirbach. Von ganz persönlichen, negativen Erlebnissen im Alltagsleben berichtete sie jedoch auch. Es tue ihr weh, wenn sie hinter ihrem ­Rücken wegen ihrer Gehbehinderung einfach als „besoffen“ bezeichnet werde. „Derjenige, der das sagt, spürt selbst seine Behinderung nicht mehr“, fand Burg, der selbst im Rollstuhl sitzt, treffende und tröstende Worte.

Während der Verleihung von Logos und Urkunden ergaben sich weitere interessante Anregungen für die Weiterführung der Aktion. Christopher Viehausen aus Erkelenz zum Beispiel appellierte an alle Vermieter von Immobilien, sich ebenfalls zu beteiligen. Martina Zantis berichtete, dass dank der Aktion jetzt auch drei Schüler des Heinsberger Kreisgymnasiums regelmäßig an den Teilhabekreis-Treffen teilnehmen würden.

Lebenshilfe-Vorsitzender Klaus Meier bot all denen Beratung an, die sich künftig in ihren Einrichtungen verstärkt in puncto Barrierefreiheit engagieren wollen. Gar nicht mehr unterscheiden zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen wollte Bürgermeister Wolfgang Dieder: „Wir sind alle gemeinsam eine Bevölkerung von Heinsberg!“ Bärbel Windelen und Sonja Jütten gaben schließlich der Hoffnung Ausdruck, dass es über Erkelenz, Gangelt, Geilenkirchen, Heinsberg und Hückelhoven hinaus bald auch in den fünf weiteren Kommunen im Kreis Teilhabekreise geben möge.

Für musikalische Unterhaltung sorgten Angelika Moczko, Kevin Nixdorf und Timo Vogelsang. Sie überraschten das Publikum mit einem eigens für die Aktion geschaffenen Lied: „Wir sind dabei“ lautete denn auch der Titel dieses eindrucksvollen und mit viel ­Applaus bedachten Songs.

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