„Barefooting“: Pablo Adolph auf dem Weg an die Spitze

Von: Daniel Gerhards
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Das Tempo macht‘s: Beim „Barefooting“ ist Pablo Adolph mit bis zu 72 Kilometern pro Stunde unterwegs. Wer barfuß fahren will, braucht viel mehr Geschwindigkeit als mit den Wasserski oder dem Wakeboard. Foto: Reiner Adolph
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Jede Menge Edelmetall: Pablo Adolph hat im „Barefooting“ auf nationaler und internationaler Eben abgeräumt. Foto: Daniel Gerhards

Hückelhoven. Pablo Adolph ist in seinem Sport auf dem besten Weg an die europäische Spitze. Medaillen hat er in diesem Jahr bei internationalen und nationalen Titelkämpfen jedenfalls schon zuhauf abgeräumt.

Bei der EM in Schweden holte er Bronze im Slalom und Gold im Team, bei der WM in den USA schaffte er einen starken neunten Platz im Springen und bei den Deutschen Meisterschaften, die in den Niederlanden ausgetragen wurden, holte er vier – und damit alle – Junioren-Titel im „Barefooting“.

Und „Barefooting“ geht so: Die Sportler lassen sich mit bis zu 72 Kilometern pro Stunde von einem Motorboot über die Wasseroberfläche ziehen, dabei zeigen sie einen Trick nach dem anderen – und das barfuß. Pablo Adolph fährt also Wasserski ohne Ski.

Besonders große Füße brauche man dazu nicht, sagt Pablo Adolph. Der 15-Jährige hat zwar schon Schuhgröße 45. Aber darauf komme es nicht an. Es gehe um das ideale Verhältnis von Geschwindigkeit zu Körpergewicht, darum, seine Tricks flink und geschickt auszuführen, und um Kraft. Deshalb trainiert Pablo Adolph nicht nur auf dem Wasser, sondern auch im Fitnessstudio, was dank einer Ausnahmegenehmigung schon seit einiger Zeit möglich ist.

Am wichtigsten ist aber das Training auf dem Wasser. Deshalb fährt Pablo Adolph im Sommer so gut wie jedes Wochenende mit seinen Eltern nach Pommern an der Mosel, um zu trainieren. Weil es dort nun auch eine Sprungschanze gibt, konnte sich der junge Sportler in der Disziplin „Springen“ noch einmal stark verbessern. Zuletzt stand er noch um die sieben Meter weite Sprünge. Bei der Weltmeisterschaft in Wisconsin gelang ihm dann ein Satz auf 10,70 Meter.

Und auch an neuen Tricks arbeitet er. Drehungen, rückwärts fahren, freihändig – und alle möglichen Kombinationen daraus. Jede Bewegung hat ihre eigenen Tücken: Man dürfe bei der Drehung zum Beispiel ja nicht die Ferse oder die Zehen ins Wasser tauchen. Dann ist die wilde Fahrt schneller vorbei, als einem lieb ist. Und: „Wenn man rückwärts fährt, sieht man nichts. Dann muss man ertasten, wo man ist“, sagt Pablo Adolph. Er merkt also, wann er mit dem blanken Fuß über die Welle, die das Boot ins Wasser wirft, gezogen wird. Das hilft bei der Orientierung.

Bei so viel Übung auf der Mosel oder wie in diesem Sommer im Trainingslager in Florida muss Pablo Adolph darauf achten, in der Schule nicht den Anschluss zu verlieren. Deshalb muss der Schüler der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule zwischen den Trainingseinheiten immer wieder die Nase in die Schulbücher stecken.

Wenn es weiter gelingt, Schule und Sport unter einen Hut zu bringen, dann könnte Pablo Adolph es bei den Barfuß-Junioren noch ganz an die Spitze schaffen: „Pablo kann noch zwei Jahre bei den Junioren fahren. Er hat das Zeug dazu, Europameister in allen vier Disziplinen zu werden“, sagt Pablos Vater Reiner Adolph.

Im Barfuß-Sport gibt es vier Wertungen: Slalom, Springen, Trick und die Gesamtwertung „Overall“, die sich aus den drei anderen Disziplinen zusammensetzt. Bei den Weltmeisterschaften dominieren bislang Sportler aus den USA oder zum Beispiel aus Neuseeland. Dort sind die Trainingsbedingungen besser als in Deutschland. Und in wärmeren Gefilden kann man das ganze Jahr lang trainieren, nicht bloß im Sommer.

Sein Talent hat man jedenfalls auch schon beim Deutschen Olympischen Sportbund erkannt, Pablo Adolph gehört zu dessen Deutschlandkader. Deshalb wird der Nachwuchssportler auch finanziell gefördert. Und Anerkennung bekam er zuletzt auch vom Kreissportbund. Bei der diesjährigen Sportgala wurde er als Dritter in der Kategorie männliches Nachwuchstalent geehrt.

Dass der Weg an die Spitze ganz schön hart sein kann, hat Pablo Adolph auch schon erfahren müssen. „Wenn man stürzt ist das ziemlich schmerzhaft. Aber ich bin durch den Anzug ganz gut geschützt“, sagt er. Und so oft falle er auch gar nicht ins Wasser, dafür beherrscht er seine Technik schon viel zu gut.

Genauso wichtig wie die Medaillen und Erfolge sei aber die gute Atmosphäre bei den Wettkämpfen. „Man lernt viele Leute kennen und kommt rum auf der Welt“, sagt Pablo Adolph. Dabei sei die Atmosphäre meist locker. Übersteigertes Konkurrenzdenken gebe es nicht, jeder gönne dem anderen eine gute Punktzahl.

Dank der vielen netten Bekanntschaften hat Pablo Adolph die Möglichkeit, demnächst andere Barfußsportler in Australien zu besuchen. Sie hat er bei einem Wettkampf kennengelernt und wurde gleich zum Trainieren ans andere Ende der Welt eingeladen. Für Pablo Adolph eine tolle Sache: „Nette Leute, einen Platz zum Schlafen und Barfuß-Fahren – mehr brauche ich nicht“, sagt er.

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