Badewannenrennen: Wagemutige Kapitäne in den Wurmfluten

Von: Annika Wunsch
Letzte Aktualisierung:
15175989.jpg
Die meisten Teams freuten sich besonders auf die Stellen in der Wurm, die eine rasante Fahrt ermöglichen. Foto: Annika Wunsch
15175990.jpg
Die „Desperados Housewives“ starteten als einziges Frauenteam im Rennen. Foto: Annika Wunsch
15175991.jpg
Auch untereinander sorgten die Mannschaften dafür, dass auch jeder pitschnass wurde. Foto: Annika Wunsch
15176006.jpg
Oft verfing sich eine Wanne an den Stromschnellen in den Steinen, und die Teams brauchten die Hilfe der DLRG. Foto: Annika Wunsch
15175994.jpg
So manche rasante Fahrt endete vorläufig an den Ufern der Wurm. Doch die Boote wurden schnell wieder flott gemacht. Foto: Annika Wunsch
15175995.jpg
Manchmal musste der Regenschirm auch als Schutzschild funktionieren, wenn gerade eine Badewanne vorbeikam. Foto: Annika Wunsch

Geilenkirchen. Wasser von allen Seiten erwartete nicht nur die Teilnehmer des von der Karnevalsgesellschaft Würmer Wenk veranstalteten Badewannenrennens. Auch alle Zuschauer bekamen reichlich davon zu spüren. Während die 26 Teams in den Fluten der Wurm schnell pitschnass waren, mussten die Zuschauer Regenschirme und Regenjacken auspacken.

Aber auch wenn es nicht zeitweise geregnet hätte, wären die Zuschauer nicht verschont geblieben: Mit Wasserpistolen ausgerüstet, waren die Mannschaften nicht nur darauf bedacht, schnell ins Ziel zu kommen. Vielmehr sah es so aus, als ob eher Ziel wäre, so vielen Zuschauer wie möglich eine Erfrischung zukommen zu lassen. Und selbst wenn sie keine richtigen Wasserpistolen dabei hatten, tat es auch ein heftiger Spritzer mit dem Paddel, um die Besucher am Ufer kreischen zu lassen. Und die Regenschirme wurden kurzerhand als Schutzschilde verwendet.

Obwohl sie damit rechnen müssen, nass zu werden, – oder gerade deswegen – kommen viele Besucher immer wieder aus der Region, den benachbarten Kreisen oder sogar den Niederlanden nach Würm, viele auch schon seit Jahren.

Auch Familie Marsiske war bereits zum vierten Mal dabei. Wie viele andere waren Moritz (7) und Sophie (5) mit eigenen Wasserpistolen und Regenjacke gegen die Angriffe der Teilnehmer gewappnet und beantworteten sie mit Wasserstrahlen. Warum er jedes Jahr wiederkommen möchte? Das war für Moritz ganz klar: „Weil man die abspritzen kann!“ Vor allem hätten die Kinder so viel Spaß dabei, erklärte sein Vater. Dabei hatte er selbst einen Eimer an einer langen Schnur, aus dem er ab und zu Wasser aus dem Fluss zog und den Inhalt über der Besatzung eines Bootes ausleerte.

„Rosenmontagszug im Sommer“ nannte mal jemand das Badewannenrennen der KG Würmer Wenk. Seitdem benutzt Organisator Franz-Josef Schroeder diese Bezeichnung gerne immer wieder, um die traditionelle Veranstaltung auf der Wurm zu beschreiben. „Auch wenn es Rennen heißt, geht es in erster Linie nicht um den Sieg, sondern um den Spaß an der Freud“, findet er. Deshalb gebe es neben dem ersten Preis nur einen elften und einen 22. Preis. Ähnlich wie im Karneval eben.

Um die Siegerteams zu ermitteln, wurde jeweils beim Start und am Ziel der anderthalb Kilometer langen Strecke die Zeit jeder Mannschaft notiert. Die benötigte Zeit rechnete das Organisationsteam am Ende aus. Damit sich die 26 Boote nicht in die Quere kamen, starteten alle jeweils ein paar Minuten zeitversetzt. Dies verhinderte aber nicht mehrere Zusammenstöße und Überholmanöver. Doch die Teams waren mehr daran interessiert, so viel Spaß wie möglich im Wasser zu haben, als Sieger zu werden. Auch sonst standen eher die bunten Wasserfahrzeuge und ausgefallenen Kostüme im Vordergrund als der sportliche Ehrgeiz.

Ein strenges Kriterium zur Anmeldung musste aber jedes Team erfüllen: Eine Wanne muss im Boot verbaut sein, egal ob es sich um eine Badewanne, eine Babywanne oder Zinkwanne handelt.

Das Team „Flotte Keule“ hatte diese Regel befolgt und an den Seiten der Badewanne zwei Surfbretter als Stützen befestigt. Bereits 2003 hatten Detlef Reichert , Jürgen Deussen und Heiko Gauls mit dem selben Boot verkleidet als Neandertaler am Rennen teilgenommen und dafür die Surfbretter extra aus Thüringen abgeholt. Seitdem aber hing das Wasserfahrzeug zur Erinnerung in Heiko Gauls Garage an der Decke. Doch in diesem Jahr wollten sie es noch einmal zu Wasser lassen, denn: „Die Fahrt ist superschön; eine geile Sache.“ Die Surfbretter waren nicht ohne Grund ausgewählt. Damit hofften sie, stabiler und noch schneller durch die drei Stromschnellen zu kommen.

Auf eine Konstruktion mit Wanne und Kunststoffrohren setzten Sarah Heuter, Anna Maria Reinartz, Maike Wellens und Elena Beckers, die „Desperados Housewives.“

Vor drei Jahren hatten sie die Konstruktion einem ehemaligen Team abgekauft und neu in Rosa angemalt. „Das ist das Witzigste nach Karneval, das ich kenne“, war Anna Maria Reinarzt ganz begeistert. Auch von ihrer Leistung waren die vier jungen Frauen am Ende ganz überrascht. So schnell waren sie noch nie gewesen. Dabei war ihnen als einzige weibliche Mannschaft von Anfang an der Pokal für das beste Damenteam sicher.

Auch wenn das Spektakel auf der Wurm nur zwei Stunden nach dem Start schon wieder verschwunden war, hatten die Vorbereitungen eine lange Zeit eingenommen. Sobald am Aschermittwoch die Karnevalssaison zu Ende war, ging es wie jedes Jahr direkt los, sagte Schroeder.

Aufgaben müssten verteilt werden, Genehmigungen für die Veranstaltung wurden benötigt, Getränke und Grillgut für die Würstchen wurden gekauft. Am Tag selbst waren 60 bis 80 Angehörige der KG auf den Beinen, verkauften Getränke und Hotdogs, sammelten Spenden für weitere Projekte und sorgten für den reibungslosen Ablauf des Tages.

Um die Sicherheit der Besucher und vor allem der Teilnehmer im Wasser zu gewährleisten, kamen der Malteser Hilfsdienst, das Technische Hilfswerk (THW) und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft dem Würmer Wenk zur Hilfe. Das THW half den Booten beim Wasserlassen und holte sie nach der Ankunft im Ziel auch wieder aus der Wurm. Die Mitglieder der DLRG kamen den Teilnehmern zwischen Start und Ziel an den drei Stromschnellen zur Hilfe, wenn die Boote umkippten.

Auch die „Flotte Keule“ kam nicht so problemlos ans Ziel, wie die Besatzung erwartet hatte. Nach der letzten Stromschnelle trieb das Boot alleine weiter zum Ziel, während die Mannschaft zu Fuß durchs Wasser hinterher stapfte. Am Abend wurde dann beim „Burgfest“ im Haus Honsdorf der aufregende Tag bei Livemusik gefeiert.

Außerdem wurden die vier Pokale verliehen: Der erste Platz ging an die „Die Exprinzen“, zwei ehemalige Karnevalsprinzen des Würmer Wenk und des GKV, die in elf Minuten die Strecke gefahren waren. Das „Männerballett Ratheim“ vom Roathemer Wenk belegte den elften Platz, und als 22. Sieger wurde die „GKV-Wanne“ vom Geilenkirchener Karnevalsverein ausgezeichnet. Und auch die „Desperados Housewives“ bekamen ihren angestammten Pokal als bestes Frauenteam.

Nur zwei Teams hatten es nicht ins Ziel geschafft, während das letzte sich nach einer Stunde und 37 Minuten das Ziel erkämpft hatte.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert