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Avi Primor erzählt eine bittere Kriegsgeschichte

Von: Georg Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Bei seinem Besuch in Geilenkirchen hat Avi Primor immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Foto: Schmitz
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Im bequemen Clubsessel beantwortete der frühere Botschafter Israels in Deutschland die Fragen von Dr. Ulla Louis-Nouvertné und stellte seinen Roman vor. Fotos (2): Schmitz Foto: Schmitz

Kreis Heinsberg. „Sie sind uns Deutschen immer offen, vorurteilsfrei und ehrlich entgegengetreten“, fand Uwe Böken bewundernde Worte für den hohen Gast, den er als Schulleiter der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule am Mittwochabend begrüßen durfte.

„Dies ist ein ganz besonderer Tag für die VHS, haben wir doch heute einen Gast, der seit vielen Jahrzehnten als eine der wichtigsten Stimmen des israelisch-deutschen Dialogs gilt“, setzte Volkshochschulleiter Franz-Josef Dahlmanns noch eins drauf.

Die Lobesworte galten Avi Primor, der sich nicht nur durch seine Tätigkeit als Botschafter Israels in Deutschland (1993-1999), sondern auch als Diplomat, Vermittler und Garant für eine friedliche und offene Koexistenz Hochachtung und unzählige Freunde in der Bundesrepublik und darüber hinaus erworben hat.

Avi Primor war auf Einladung der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg und der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule nach Geilenkirchen gekommen, um im lockeren Gespräch mit Dr. Ulla Louis-Nouvertné über seinen kürzlich erschienenen Roman „Süß und ehrenvoll“ zu plaudern.

Zuvor hatte sich der in Tel Aviv lebende und an der dortigen Universität lehrende 78-Jährige in das Goldene Buch der Stadt Geilenkirchen eingetragen. Bürgermeister Thomas Fiedler war erfreut über Primors Widmung „In Geilenkirchen zu Gast zu sein, ist für mich eine Ehre und Freude“.

Als Autor von Sachbüchern und politischer Literatur ist Avi Primor vielfach in Erscheinung getreten. Mit seinem aktuellen Werk hat er jedoch erstmals einen Roman veröffentlicht. „Süß und ehrenvoll – ist es, für das Vaterland zu sterben“ handelt von jüdischen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg für ihr Land kämpften. Für Deutschland, für Frankreich – ohne Wenn und Aber. Und ohne Rücksicht auf ihre religiösen Wurzeln.

Das von Pianistin Maria Slagboom und Anna Kryzankova mit der Geige gespielte „Liebesleid“ des jüdischen Komponisten Fritz Kreisler passte in die Thematik. Unmittelbar nach dem musikalischen Beitrag erfuhren die rund 120 Zuhörer einiges über die Entstehung des Romans und die darin vorkommenden Protagonisten. „Zunächst wollte ich ein Sachbuch schreiben. Ich wollte verstehen, was im Ersten Weltkrieg geschehen ist“, begann Primor in perfektem Deutsch.

„Süß und ehrenvoll“ handelt von dem Bürgersohn Ludwig aus Frankfurt, der bei Kriegsausbruch seine Einberufung kaum erwarten kann, und dem Bäckersohn Louis aus Bordeaux, der ebenfalls 1914 mit der deutschen Kriegserklärung aus seiner unbeschwerten Rekrutenzeit gerissen wird. Beide kämpfen für ihr Vaterland. Inmitten der Schrecken des Ersten Weltkrieges werden die zwei jüdischen Soldaten einander zum Schicksal.

Avi Primor hat für seinen Roman intensiv recherchiert, historische Dokumente durchforstet und verstaubte Akten durchgesehen. Dabei stieß er auf Unmengen von Soldatenbriefen. Schnell wurde ihm klar, dass dies der Stoff für einen Roman sein könnte. „Diese persönlichen Geschichten, die Emotionen haben mich fasziniert und inspiriert. Die kann man nicht in einem Sachbuch niederschreiben“, erklärte Avi Primor. „Ich habe die Erlebnisse und auch die Liebesgeschichten niedergeschrieben“. Dazu gehört auch eine kleine emotionale Anekdote am Rande. Die Geschichte von dem Soldaten, der einen streunenden Hund „adoptierte“ und sich später unter Tränen seiner entledigen musste.

Die Begeisterung für den Krieg sei damals groß gewesen, besonders bei den Juden, führte der Autor aus. Primor: „Das ging so weit, dass man sich nicht einmal die Frage gestellt hat, ob das in Ordnung ist.“

Hintergrund sei oft der Wunsch nach Anerkennung gewesen. Die Juden wollten von der Gesellschaft, in der sie lebten, akzeptiert werden – in Deutschland genauso wie in Frankreich. „Die Juden sind dahinter gekommen, dass Religion ein Hindernis für ihre Integration bedeutet“, sagte Avi Primor auf die Frage von Dr. Ulla Louis-Nouvertné, warum in dieser Zeit der Religion keine große Bedeutung beigemessen wurde. Ein jüdischer Soldat in deutscher Uniform sei während des Ersten Weltkrieges normal gewesen.

Der Roman „Süß und ehrenvoll“ ist ein Blick in die Abgründe des Krieges, aber auch in die Empfindsamkeiten, Sehnsüchte und Wünsche der Menschen. Die Feldpost sei lebenswichtig für die Soldaten gewesen, um den Kontakt zur Familie zu halten. Das habe er beim Lesen der Briefe gespürt.

Bevor der Gast aus Israel seine Bücher signierte, überreichte ihm Schulleiter Uwe Böken ein von seinem Kollegen Jörg Gaab gemaltes Bild mit dem passenden Titel „Am Ende siegt die Liebe und auch die Weisheit“.

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