Autorin Claudia Mech erhält viel Applaus für Offenheit und großen Mut

Von: Johannes Bindels
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Claudia Mech zeigt den Gästen im Kulturhaus die Puppe „Voodivoo“, die sie aus einem T-Shirt ihres Großvaters genäht hat. Was es mit dieser Puppe auf sich hat, erfahren Interessierte im Buch. Foto: Bindels

Höngen. „Ich weiß etwas, was du nicht weißt!“ So lautet der erste Satz in einem Buch, mit dem die Autorin Claudia Mech den Gästen im Kulturhaus des Kulturvereins Selfkant in Höngen bei ihrer Lesung gegenübertritt. Es ist diese kindliche Sprache, die jeder kennt, die aber in ihrem autobiografischen Roman „Mit Liebe hat das nichts zu tun“ eine völlig andere Bedeutung bekommt. Denn sie enthält ein bitteres „Geheimnis“.

Maria Görtz vom Kulturverein Höngen begrüßte zahlreiche Gäste, die der Einladung ins Kulturhaus gefolgt waren. „Ich bin Claudia Mech, bin verheiratet und habe zwei Töchter im Alter von 12 und 14 Jahren und wohne in Wassenberg-Myhl. Mir geht es gut!“, betont Mech bei ihrer Vorstellung. Damit zeigt sie, dass sie keinen bleibenden Schaden von dem sexuellen Missbrauch durch ihren Großvater behalten hat.

Ihr Roman sei entstanden, weil sie auf die Frage ihrer Großmutter, wer denn „damit“ angefangen habe – sie oder er – eine Antwort geben wollte. Eine unnötige Antwort darauf, warum sie als zwölfjährige Heranwachsende den Missbrauch in der eigenen Familie erleben musste.

In dem Vorwort ihres Buches, als Brief an ihre Großmutter formuliert, schreibt sie: „Es ist meine Geschichte, nicht deine, auch wenn du ebenfalls darin vorkommst. Und was mir angetan wurde, war nie mein Wunsch.“

Immer wieder unterbricht sie ihre Lesung, gibt neue erklärende Informationen wie: „Ich bin ab dem dritten Lebensjahr bei meinen Großeltern aufgewachsen, die das Sorgerecht für mich hatten. Mein leiblicher Vater war einer von den fünf Söhnen. Ich wuchs wie die Schwester dieser Söhne auf und nannte meine Großeltern deshalb Mutti und Vati.“ Das geschehe auch in ihrem Buch so, in dem sie den Personen neue Namen gibt und sich selbst Stefanie nennt.

Sie nimmt ihre Zuhörer mit auf die ein Jahr andauernde und schockierende Reise in den Missbrauch, der so schleichend wie perfide auf einer Urlaubsreise begonnen hat, sich dann im Alltag fortsetzt, immer dann, wenn die Großmutter nicht im Haus ist. Eine Reise in die Wahrnehmung eines jungen pubertierenden Mädchens, das seine ersten sexuellen Erfahrungen mit einen alten Mann erleben muss, begleitet von den Schamgefühlen, der Ohnmacht und dem Ausgeliefertsein.

Es herrscht atemlose Stille im Kulturhaus, wenn sie bis ins Detail schildert, wie ihr Großvater, den sie liebt und vergöttert, diese Liebe missbraucht, um seine sexuellen Begierden auf Kosten der jungen Enkelin zu befriedigen. „Ich lag nackt vor meinem Vater, der eigentlich mein Großvater war, ich konnte nichts dagegen tun.“

Ihre bemühte Sachlichkeit, die sie immer wieder betont, wird durch ihr ständiges Räuspern beim Vorlesen ein wenig erschüttert. „Die Bilder der alten Erinnerungen kommen beim Vorlesen wieder zurück“, versucht sie zu erklären. Wer könnte ihr die Enttäuschung verdenken, die nachvollziehbar wird, als sie berichtet, dass ihre Großmutter noch immer äußere, sie habe nie etwas bemerkt. „Dabei hat sie uns selber einmal dabei erwischt, wie ihr Mann an mir rumfummelte.“

Wie sie sich aus der Missbrauchssituation befreit, lässt sie in der Lesung offen. Dass dabei eine selbstgemachte Puppe mit den Namen „Voodivoo“, die sie aus einem geringelten T-Shirt ihres Großvaters gemacht hat, eine Rolle spielt, so viel wird noch klar. Wer es genau wissen will, muss das Buch kaufen und zu Ende lesen.

Wie sehr das Erlebte die Zuhörer betroffen macht, wird klar in dem Satz eines der wenigen männlichen Gäste: „Ich möchte Ihnen meine Anerkennung vermitteln, aber ich bin zu schockiert und weiß nicht, ob ein Applaus angebracht ist.“ Erst mit der Ermunterung durch die Autorin, darüber würde sie sich freuen, bekommt sie für ihre Offenheit und Mut den verdienten Applaus.

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