Heinsberg - „Außergewöhnlicher Einzelfall“: Verunglückter ließ sein Kind fahren

„Außergewöhnlicher Einzelfall“: Verunglückter ließ sein Kind fahren

Von: Marlon Gego
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Die Unfallstelle auf der L228 zwischen Dremmen und Randerath: Der Pkw war dort gegen einen Baum geprallt. Der Vater des 15-Jährigen starb noch vor Ort an seinen Verletzungen. Foto: CUH
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Die Unfallstelle auf der L228 zwischen Dremmen und Randerath: Der Pkw war dort gegen einen Baum geprallt. Der Vater des 15-Jährigen starb noch vor Ort an seinen Verletzungen. Foto: CUH

Heinsberg. Am Tag nach dem tödlichen Unfall auf der Landesstaße 228 in Heinsberg machte sich überall dort Fassungslosigkeit breit, wo auf diese oder jene Weise Menschen mit dem Unfall befasst waren. Fassungslosigkeit herrschte bei der Polizei Heinsberg, die ermittelt hatte, dass am Steuer des Autos ein 15-Jähriger gesessen hatte. Sein Beifahrer, der noch am Unfallort starb, war sein Vater gewesen.

Fassungslosigkeit herrschte im Innenministerium, Dienstherr der nordrhein-westfälischen Polizei. Und Fassungslosigkeit herrschte bei Kurt Bartels, dem Vorsitzenden des Fahrlehrerverbandes Nordrhein.

Das Auto, ein Audi A4, war am späten Donnerstagnachmittag auf der L 228 zwischen den Heinsberger Stadtteilen Dremmen und Randerath aus bislang ungeklärten Gründen von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Die Aachener Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen und ist dabei, die Unfallspuren auszuwerten. Wie schnell das Auto zum Unfallzeitpunkt fuhr, steht noch nicht fest. Zeugen des Unfalls werden gebeten, sich unter Telefon 02452/9200 mit der Heinsberger Polizei in Verbindung zu setzen.

Dass tödliche Verkehrsunfälle von Jugendlichen oder generell von Menschen verursacht werden, die noch nie einen Führerschein besessen haben, ist ungewöhnlich. Iris Wüster, Sprecherin des nordrhein-westfälischen Innenministers Herbert Reul (CDU), sprach am Freitag von einem „außergewöhnlichen Einzelfall“.

Deswegen gibt es in der polizeilichen Kriminal- und Verkehrsstatistik auch keine Kategorie für von jugendlichen Autofahrern herbeigeführte tödliche Verkehrsunfälle. In der Verkehrsinspektion der Polizei Heinsberg konnte sich am Freitag jedenfalls niemand daran erinnern, dass es einen solch ungewöhnlichen Unfall in der jüngeren Vergangenheit schon einmal gegeben hat.

Auch der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Nordrhein, Kurt Bartels, der gebürtig aus Herzogenrath stammt, hat von solch einem Unfall noch nicht gehört. Allerdings erklärte Bartels, dass aus ländlichen Gebieten stammende Fahrschüler seiner Erfahrung nach oft mehr praktische Erfahrung und bessere psycho-motorische Eigenschaften besäßen als Fahrschüler aus Großstädten.

Das liege vor allem daran, dass Menschen vom Land durchschnittlich früher Erfahrungen mit motorisierten Fahrzeugen sammeln als Städter, etwa durch das Fahren von Mofas, Motorrollern, Traktoren und selbst von Autos. Denn der Anteil der Fahrschüler, die etwa im Kreis Heinsberg das Angebot von begleitetem Fahren ab 17 nutzen, sei mit ungefähr 50 Prozent wesentlich höher als in Großstädten wie zum Beispiel Berlin (rund 20 Prozent). All das rechtfertige aber nicht, 15-Jährigen auf öffentlichen Straßen das Steuern von Autos zu gestatten, sagte Bartels.

Warum nun der 15-Jährige am Donnerstag den Audi A4 fuhr und nicht sein neben ihm sitzender Vater, ist Gegenstand der Ermittlungen, wie Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts am Freitag erklärte. Ob der Fahrer über Erfahrungen mit motorisierten Fahrzeugen verfügt, konnte sie am Freitag noch nicht beantworten. Gegen ihn wird derzeitig wegen fahrlässiger Tötung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis ermittelt.

Die Leiche des 45-jährigen Vaters soll am Montag obduziert werden. Das Ergebnis eines toxikologischen Gutachtens, das Aufschluss darüber gibt, ob der 45-Jährige zum Beispiel alkoholisiert war, werde aber erst in einigen Wochen vorliegen, sagte Schlenkermann-Pitts.

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