Aufklärungsquote der Polizei sinkt wegen Personalmangels

Von: defi
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Die Gewerkschaft der Polizei im Kreis Heinsberg ehrte im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung Polizisten, die seit vielen Jahren ihren Dienst tun und der Gewerkschaft die Treue halten. Der Kreisvorsitzende Lothar Engel (l.) nahm die Ehrungen vor. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Kreis Heinsberg hält alljährlich zum Jahresbeginn ihre Mitgliederversammlung im kleinen Saal der Festhalle Oberbruch ab. Ehrungen langjähriger Gewerkschaftsmitglieder sind fester Bestandteil der Versammlung und stets wird der Blick auf aktuelle den Polizeidienst betreffende Fragen gelenkt.

2012 rückte Lothar Engel, Vorsitzender der GdP Kreis Heinsberg, den Focus auf die zunehmende verbale und körperliche Gewalt gegen Polizisten. Dass im September 2012 seine mahnenden Worte auch im ländlichen Kreis Heinsberg schreckliche Wahrheit werden würden, ahnte Lothar Engel damals nicht.

Im September 2012 überlebte einer seiner Kollegen die Attacke eines Mannes, dem der Polizist den Führerschein hatte entziehen müssen, nur, weil der Notarzt rechtzeitig zur Stelle war.

2013 sprach der neue Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Adi Plickert, als Gastreferent deutliche Worte zur Zukunft des Polizeidienstes. Schon heute, so Plickert, liege die Aufklärungsquote von Straftaten aufgrund des Personalmangels nur noch bei zwei von zehn Delikten. Adi Plickert: „Und ihr Kollegen wisst es wahrscheinlich noch besser als ich, wie viele dann tatsächlich vom Gericht verurteilt werden.“ „Keiner“, raunte einer in die Runde. Mehr werden es wohl in Zukunft auch nicht werden.

Bis 2020 würden NRW-weit 1800 Polizisten abgebaut, mahnte Adi Plickert, das ließe sich auch mit den schönsten Politikerreden nicht mehr schön reden. Über die letzten 20 Jahre gesehen mache dies 3000 Polizisten weniger aus. Dem gegenüber stünden, so der Landesvorsitzende der gewerkschaftlich organisierten Gesetzeshüter, eine „Gefahren- und Bedrohungslage“, die neue Qualitäten annähme. Ein gleichbleibendes Potential linksradikaler Demonstranten würde spätestens seit der NSU auch gegenüber dem rechtsradikalen Lager mehr Polizeiarbeit erfordern.

Bei ansteigender Kriminalitätsrate und Gewaltbereitschaft auf der einen und immer weniger Polizisten auf der anderen Seite sieht der GdP-Landesvorsitzende die Ordnungsmacht in einigen Jahren nicht mehr in den Händen der Polizei. Salopp und ein wenig sarkastisch in Richtung der politisch Verantwortlichen formulierte es der Ruhrgebietler Plickert so: „Als Straftäter gehe ich doch eigentlich kein Risiko mehr ein.“

Lothar Engel: „Für uns bedeutet das, dass im Jahre 2020 vorgeplant 17 Polizeivollzugsbeamte fehlen werden!“ Krankheitsfälle eingerechnet entspreche dies dem Wegfall einer Polizeiwache wie Hückelhoven oder Geilenkirchen, von zwei Millionen Überstunden NRW-weit ganz zu schweigen. Engel: „Nur eine zeitnahe Umkehr der Personalpolitik und der Anzahl der Neueinstellungen auf das notwendige Maß kann den personellen Bankrott verhindern.“ Mit drei Aktionstagen wird die GdP in NRW ab kommenden Montag versuchen, der Öffentlichkeit den Ernst der Lage klar zu machen. Auch die GdP im Kreis Heinsberg wird sich daran beteiligen.

Ehrungen

Folgende GdP-Jubilare wurden geehrt: Volker Aldenhoven, Heinrich Brendgen, Klaus Gutjahr, Christoph Jansen, Dirk Peetz (für 25-jährige Mitgliedschaft), Helmut Bachmann, Hans-Josef Barion, Leo Claßen, Hans-Gerd Deenen, Manfred Gröger, Detlef Gutsche, Werner Käver, Hildegard Klothen, Egon Meurer, Ulf-Rüdiger Nickel, Ulrich Pommerening, Karsten Reinke, Kurt Schmitz (für 40-jährige Mitgliedschaft), Wilhelmine Hafkann, Rudolf Knoke (für 50-jährige Mitgliedschaft) und für 60 Jahre Zugehörigkeit Dietrich Osicki.

Ein besonderer Dank galt den Senioren der GDP. Klaus Labahn, der Seniorengruppenvorsitzende baute ein Netzwerk von Ansprechpartnern für ehemalige Polizisten auf und wurde gerade erst mit einem Verdienstorden ausgezeichnet. Er wurde mit einem Präsentkorb geehrt, so auch Manfred Thomann, Ulli Gütte und Franz-Josef Bongard für langjährige Vorstandarbeit.

Für ihre ehrenamtlichen Verdienste erhielten Manfred Gröger, Wilfried Fussangel, Dieter Weichsel, Hans Müller, Heinz-Willi Jansen, Werner Gebbing, Willi Hermanns und Hubert Tharau auch den Dank der Kreisgruppe.

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