Kreis Heinsberg - Aufklärung ohne erhobenen Zeigefinger

Aufklärung ohne erhobenen Zeigefinger

Von: hewi
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„Alkohol? Weniger ist besser!
„Alkohol? Weniger ist besser!”: Im Rahmen der Aktionswoche war die Hauptschule Ratheim ein Schauplatz. Auch mit Rauschbrillen waren die Jugendlichen auf dem Alkoholparcours unterwegs. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. Die Schüler der Ratheimer Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Hauptschule setzten sich am Dienstag spielerisch mit dem Thema Alkohol und den Risiken des Alkoholkonsums auseinander. Denn im Rahmen der Aktionswoche unter dem Motto „Alkohol? Weniger ist besser!” waren Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes mit einem Alkoholparcours zu Gast.

Ziel der vier Stationen waren Aufklärung und Sensibilisierung für das Thema Alkohol. Angesprochen wurden Schüler ab der achten Klasse. Dabei wurde aber nicht mit erhobenem Zeigefinger gearbeitet, sondern mit Informationen und einem Wettbewerb. Denn an jeder Station konnten wertvolle Punkte gesammelt werden, die am Ende zusammengezählt wurden.

Gewonnen hatten die Gruppen mit den meisten Punkten. „Die Reaktionen der Jugendlichen sind zumeist positiv”, erklärte Brigitte Hocks vom Kreisjugendamt. Immer wieder komme es an den einzelnen Stationen zu Gesprächen, in denen die Jugendlichen auch ungeschminkt über ihre eigenen Erfahrungen berichten würden. Dabei konnten sie sicher sein, dass die Mitarbeiter am Parcours nichts weitertragen würden. Diskretion sollte Vertrauen schaffen.

An der Ratheimer Hauptschule ist Alkohol „immer wieder mal ein Thema”, betonte die Schulsozialarbeiterin Nicole Reichwein. Es gebe aber auch erfreuliche Trends. So sei beim letzten Karneval kein einziger Schüler der Hauptschule wegen Alkoholkonsums an der Schule aufgefallen. Hingegen bot der Karneval 2011 kreisweit eine traurige Bilanz.

Mit Alkoholvergiftungen mussten an den tollen Tagen von Altweiber bis Veilchendienstag 56 Jugendliche unter 18 Jahren ins Krankenhaus eingewiesen werden; fast doppelt so viele wie im Vorjahr. „Dabei sind nur die Minderjährigen an den genannten Tagen erfasst”, erläuterte Jugendpfleger Peter Wiese aus Hückelhoven. „Nicht erfasst werden kann die Dunkelziffer, die entsprechend hoch ist.”

Über Grenzen hinweg

Der euregionale Alkoholparcours der Stiftung euPrevent - EMR erlebte am Dienstag in Ratheim und am Tag zuvor in Wegberg (wo die Hauptschule ins Jugendzentrum de Schuer eingeladen war) seine kreisweite Premiere. Ent­wickelt wurde er in grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit belgischen und niederländischen Fachkräften der Suchtprophylaxe.

Die Entwicklung ist sehr unterschiedlich, wie auch der Erkelenzer Jugendpfleger Markus Wilmer erklärte. Während der Alkoholkonsum bei Jugendlichen allgemein rückläufig sei, nehme das „Komasaufen” gleichzeitig zu.

Die Rauschbrillen kamen bei den Jugendlichen gut an. Schließlich ist es lustig, wie auf Eiern durch ein total verzerrtes Bild zu laufen und über Dinge zu stolpern, die man eigentlich gesehen hat. Die Brillen simulierten die Wahrnehmung mit 0,8 und 1,3 Promille. Schnell wurde den Teilnehmern klar, dass es nicht allzu lustig ist, mit einer solch eingeschränkten Wahrnehmung durch den Straßenverkehr gehen zu müssen.

Eine Station weiter zeigte Wiese mit einem gläsernen Gefäß, wie Alkohol über den Mund und den Magen in den Darm kommt. Dazu kam Essen, das den Abbau des Alkohols sogar noch verlangsamt. Dabei lernten die Jugendlichen, dass 40 Milliliter Schnaps dieselbe Wirkung haben wie 330 Milliliter Bier. In Wissensfragen musste beispielsweise eingeschätzt werden, ob bunte Modedrinks auf Bierbasis ebenso schnell betrunken machen würden wie Bier.

Eine Station widmete sich den Eltern und deren möglichen Reaktionen. Diese reichten von „Lass uns mal zusammen einen heben” bis „Besser trinken als kiffen”. Dabei wünschten sich Jugendliche von ihren Eltern oftmals eine konsequentere Haltung, wie Hocks aufgrund ihrer Beobachtungen und der geführten Gespräche meinte. Deshalb sei es - neben der Aufklärung der Jugendlichen - auch wichtig, ihnen einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol vorzuleben.

Wo gibt es weitere Informationen?

Für weitere Informationen steht beim Kreis Heinsberg Ilona van Halbeek, Fachkraft für Suchtvorbeugung des Kreisgesundheitsamtes, zur Verfügung. Sie ist zu erreichen unter 02452/135317 oder per E-Mail an Ilona.vanHalbeek@Kreis-Heinsberg.de.
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