Gangelt/Geilenkirchen - Auf stählernem Ross in die Vergangenheit

Auf stählernem Ross in die Vergangenheit

Von: Georg Schmitz
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Ein prachtvoller Anblick: Hier passiert die Selfkantbahn eine Behelfsbrücke über die Baustelle der Bundesstraße 56n.
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Impressionen von der Eröffnung der Saison bei der Selfkantbahn am Osterwochenende.
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Impressionen von der Eröffnung der Saison bei der Selfkantbahn am Osterwochenende.

Gangelt/Geilenkirchen. Mit Volldampf begab sich die Selfkantbahn an den beiden Ostertagen auf die Schmalspur. Für die Saisoneröffnung hatten die Hobby-Eisenbahner ihre ganze Kraft eingesetzt, denn es galt sogar noch in der Nacht zuvor, die bis dahin in Teile zerlegte Dampflok „Haspe“ rechtzeitig auf Trab zu bringen.

Dies gelang bis zum frühen Morgen dank tatkräftiger Unterstützung von Stahlbauer und Ehrenmitglied Reinhard Trepels sozusagen in letzter Minute.

So konnte die „Haspe“ noch vor der ersten planmäßigen Personenfahrt eine Proberunde von Schierwaldenrath nach Gillrath unternehmen. Erst am Donnerstag zuvor wurde ein neuer Streckenabschnitt fertiggestellt. Den Arbeiten an der Bundesstraße 56n war das 230 Meter lange Teilstück geschuldet, die bisherige Gleisführung stand der Baumaßnahme entgegen. In diesem Rahmen musste sogar eine Behelfsbrücke errichtet werden, über die die Museumsbahnen in diesem und im kommenden Jahr dahinschnaufen werden. „Es ist das erste Mal in der 115-jährigen Geschichte der ehemaligen Geilenkirchener Kreisbahn und heutigen Selfkantbahn, dass ein Teil der Strecke umgelegt werden musste“, schaut Günther Steinhauer zurück.

Am 7. April 1900, also heute vor genau 115 Jahren, wurde die Strecke in Betrieb genommen. Steinhauer ist seit 1971 bei der Museumsbahn und seit 1981 als Geschäftsführer der Betriebsführungsgesellschaft hauptamtlich tätig. Unter dem Dach der Interessengemeinschaft Historischer Schienenverkehr (IHS) unterstützen über 500 Mitglieder den weithin bekannten Eisenbahnbetrieb, der die Kommunen Gangelt und Geilenkirchen verbindet. An die 90 aktiven Helferinnen und Helfer legen zudem Hand an und sorgen dafür, dass der Betrieb auch läuft.

Günther Steinhauer ist seit 35 Jahren Lokführer und von Beruf Eisenbahner. Er hat bei der Selfkantbahn seine Verwirklichung gefunden und hält sich hier im Jahr länger auf als in seiner Dortmunder Wohnung. Nebenbei ist er auch noch Vorsitzender des Verbands deutscher Museums- und Touristikbahnen mit Sitz in Berlin. Steinhauer kennt eingefleischte Eisenbahnfreunde aus ganz Europa, und die kann er bestens beschreiben. Da seien zum Beispiel die Briten, die oftmals mehr Zeit bei den Eisenbahnen in Deutschland verbringen würden als in ihrer Heimat. „Diese Briten erkennt man an mit Tesafilm geflickten Brillen und haferbreifarbenen Socken“, schmunzelt Steinhauer, während er am Eröffnungstag noch die Ruhebänke abwischt. Überall legt er selbst mit Hand an und ist sich für nichts zu schade.

Nach monatelanger Abwesenheit aufgrund einer schweren Krankheit ist auch Bahnhofsvorsteher Helmut Kommans wieder im Dienst. Heute bringt ihn nicht einmal die 44-köpfige Gruppe aus Dänemark aus der Ruhe, die für die erste Personenzugfahrt angemeldet ist. Sie ist mit einem Bus von ihrem Hotel in Valkenburg angereist und wollte schon immer mal mit einer historischen Eisenbahn fahren.

„Derzeit wird die „Regenwalde“ repariert und bald nehmen wir eine Diesellok in Betrieb“, kann Kommans vermelden. Dann werde der Expressgutschuppen in Birgden rekonstruiert und im August das neue Bahnhofgebäude in Gillrath eingeweiht. Er freut sich auch über die Tatsache, dass die Bahnhofsgaststätte in Schierwaldenrath wieder geöffnet ist und von der Via Nobis betrieben wird. Kommans: „Jetzt können wir auch in diesem Jahr bis Ende Juni Spargelfahrten anbieten.“

Ein Kameramann vom Belgischen Rundfunk schwenkt seine Riesenkamera und nimmt alles aufs Korn, was sich bewegt. Der Beitrag wird in diesen Tagen im belgischen TV gesendet. Er hält auch den Osterhasen mit der Kamera fest, der in einen Personenwagen einsteigt, der von einem 1941 gebauten Triebwagen „T 13“ gezogen wird. Barbara Aretz aus Niederkrüchten nimmt die „Selfkantbahn-Kaffeetasse 2015“ mit in den Zug. „Das ist meine Tasse Nummer 14“, sagt sie stolz.

Fast jedes Jahr sei sie mit der Museumsbahn gefahren und habe immer die Jahresausgabe gekauft. Während sich Besucher die Fotoausstellung von Hans-Josef Jansen in der Museumshalle anschauen, kuppelt Lokführer Sebastian Schulz die Dampflok 101 „Schwarzach“ an und kurz darauf geht es mit Volldampf über die Behelfsbrücke ab in Richtung Gillrath.

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