Auf historischen Spuren von „et Lüneschloat”

Von: Willi Frenken
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Der Grabstein des Rütger Lünenschloss in der Christuskirche. Foto: W. Frenken

Heinsberg. Nur die wenigsten Heinsberger Bürger haben noch das Haus Lünenschloß gekannt, ein schönes schlossartiges Gebäude, das vor Heinsbergs Zerstörung im Zweiten Weltkrieg die Apfelstraße zierte. Es lag, nach hinten versetzt, zwischen dem heutigen Gebäude der Stadtverwaltung und der neuen Kreissparkasse.

Das Vorderteil wurde durch Bomben zerstört, in veränderter Form wieder aufgebaut und beherbergt heute das Jugendamt.

Die Hinterseite ist noch im Originalzustand erhalten, doch lässt der weiße Anstrich kaum noch die ursprüngliche Schönheit der mit Blausteinelementen hervorgehobenen Gliederung erkennen.

Im Renaissancestil erbaut

Das im Renaissancestil erbaute Gebäude stammte aus dem 17. Jahrhundert. In „Clemen: Kunstdenkmäler des Kreises Heinsberg” wird die Fassade wie folgt beschrieben: „Die Fassade ist durch Hausteingesimse und Bänder so gegliedert, dass diese durch Bänke, Mittelsprossen und Sturz der großen Fenster laufen, ähnlich der Anordnung bei dem Schloss Lerodt. Unter jedem Fenster ist ein oblonges Paneel aus Haustein angeordnet”.

Über die ganze Frontbreite zogen sich ober- und unterhalb der Fenster Streifen aus hellerem Haustein, die im Kontrast zum roten Ziegelmauerwerk standen. Unter „Paneelen” sind die rechteckigen (oblongen) Verzierungen zu verstehen.

Ursprünglich besaß das Haus die doppelte Breite. Durch Einziehung einer heute an der linken Seite des Gebäudes noch sichtbaren Trennwand schuf man zwei Häuser, von denen die Front des linken stilwidriger Weise einen Zementputz erhielt.

Letzter Besitzer ein Fabrikant

Letzter Besitzer des Hauses war der Heinsberger Fabrikant Robert Blancke. Der Name „et Lüneschloat”, wie die Heinsberger das Gebäude nannten, bezog sich nicht auf dessen schlossartiges Aussehen, sondern auf die Besitzer namens Lünenschloß, auch Lünenschladt genannt.

Erster Träger dieses Namens war der evangelische Prediger Johannes Lünenschloß, der aber 1614 nach Solingen übersiedelte. Im 18. Jahrhundert tauchte ein weiterer Lünenschloß auf mit Vornamen Rütger. Er war ebenfalls evangelisch und ein tüchtiger Kaufmann und kam aus Neviges. Sein Grabstein befindet sich in der evangelischen Christuskirche.

Das Taufregister der evangelischen Gemeinde sagt über ihn aus: „1773 den 19. November ist geboren Rütgerus Lünneschloz der ältere, Kaufmann, begraben den 22. November.” Also muss es in Heinsberg noch einen jüngeren Rütger Lünenschloß gegeben haben, der als Notar in Heinsberg lebte.

Welcher Lünenschloß das ursprünglich dem benachbarten Adeligen Damenstift gehörende Haus gekauft hat, ist unklar. Nach dem Familiennamen ist jedenfalls das Haus von den Heinsbergern „et Lüneschloat” genannt worden.

Der Kaufmann Rütger Lünenschloß führte ein Wappen, das auf seinem Grabstein in der evangelischen Christuskirche abgebildet ist. Auf diesem Wappenschild befinden sich drei Türme, die wohl das „schloß” in seinem Familiennamen andeuten.

Wappengeschmückte Grabsteine wie diesen setzten nur wohlhabende Familien ihren Verstorbenen. So darf man annehmen, dass er nicht unvermögend gewesen ist. Vielleicht liebte er es auch, mit seinem Wappen bei den Heinsbergern zu prahlen, weshalb diese eventuell mit einem Anflug von Ironie sein Haus „et Lüneschloat” nannten.
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