Hückelhoven - Auf der Suche nach den Spuren der Zuwanderer

Auf der Suche nach den Spuren der Zuwanderer

Von: hewi
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Die Mitglieder des Arbeitskreises „Spurensuche” freuen sich im Barbarastollen in Hückelhoven über eine gelungene Ausstellung. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Im Barbarastollen am Schacht 3 waren die ersten Ergebnisse der „Spurensuche” ausgestellt. Das Projekt in Trägerschaft des türkischen Arbeitnehmervereins wird mit Landesmitteln unterstützt und widmet sich der Erinnerungen und Spuren der ersten türkischen Generation an Einwanderern in Hückelhoven.

Dabei sei es nicht nur für Deutsche interessant, zu erfahren, was die Menschen damals erlebt und erfahren haben, hob der Vorsitzende des Arbeitnehmervereins, Sati Tavsan, hervor. „Nur wer die Geschichte kennt, kann die Zukunft gestalten”, betonte er.

Jahrzehntelanger Prozess

Der stellvertretende Bürgermeister Dieter Geitner bezeichnete Integration als „jahrzehntelangen Prozess”, der sich ständig verändere. Hückelhoven habe hier schon lange im Stillen gute Arbeit geleistet.

Den Spuren der ersten Zuwanderer zolle man in der ehemaligen Zechenstadt große Wertschätzung. Neben den Dokumentationen der Interviews und vielen Fotos aus den frühen Jahren in Deutschland waren aber auch Zeitdokumente wie Melderegister aus den 60er-Jahren mit den erteilten Aufenthaltserlaubnissen ausgestellt.

Maßgeblicher Beitrag

Christian Ehlers von der Integrationsagentur erklärte, man wisse „statistisch fast alles, doch persönlich fast nichts” über die türkischen Mitbürger. Er erinnerte an ein Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau, wonach sich „eine Gesellschaft durch gemeinsame Erzählungen” konstituiere.

Mit der Spurensuche sei man in Hückelhoven auf dem richtigen Weg, betonte Ehlers. Der Vorsitzende des Arbeitnehmervereins erklärte, dass auch die heutige Generation junger Türken, die in dritter Generation in Hückelhoven leben, oftmals keinen Zugang mehr zu der Lebenswelt ihrer Eltern und Großeltern hätten. Dabei hätten die Immigranten durch ihre Arbeit unter Tage maßgeblich zur Entwicklung der Region beigetragen.

Kernstück der Ausstellung

Kernstück der Ausstellung sind die dokumentierten Interviews, die das Team der Spurensucher geführt haben. Die Befragten berichteten ebenso schöne wie beängstigende Erlebnisse aus den ersten Jahren in Hückelhoven. Warum brachen sie vor 40 oder 50 Jahren auf in eine fremde Welt? Als Antwort konnte man „Not” ebenso lesen wie „Abenteuerlust”.

Für Hüseyin Baytekin war die Ankunft in Deutschland 1965 ein Kulturschock ganz anderer Art. Seine Familie stammt aus der Metropole Istanbul und fand sich auf einmal im ländlichen Wassenberg wieder. Die meisten der Einwanderer in Hückelhoven stammten jedoch aus der Region Zonguldak am Schwarzen Meer, die ebenfalls vom Bergbau geprägt ist.

Birgit Fluhr-Leithoff vom Hückelhovener Gymnasium wertete die Ergebnisse der Spurensuche als „Belege gelebter Integration”.

Komplizierte Freundschaft

Neben der Dokumentation der Erinnerungen hatten sich die Schüler aber auch mit den Lebenssituationen der jungen Türken in Hückelhoven beschäftigt. In einem Film kamen sie zu Wort. Zum Beispiel der 19-jährige Fatih Canakli, der freiwillig am katholischen Religionsunterricht teilnimmt.

Sein Fazit: „Ich bin in Deutschland und in der Türkei ein Ausländer.” Eine junge Frau berichtete von der „komplizierten Freundschaft” mit ihrem türkischen Lebensgefährten, der sich weigere, ihren japanischen Kleinwagen zu fahren und seine Abendplanung danach ausrichten muss, in welchen Diskotheken die Türsteher ihn hineinlassen und in welchen nicht.„Er hat das Vorurteil, dass alle Vorurteile gegen ihn haben”, berichtete sie.

Gleichrangige Beteiligung

Die Ausstellung zeigt nur die bisherigen Forschungsergebnisse, weitere werden folgen. An der Spurensuche sind das Gymnasium, die Moscheegemeinde DITIP, der türkische Arbeitnehmerverein, die Diakonie, Pax Christi, die AWO und die Stadt Hückelhoven gleichermaßen beteiligt.

Weiterführung der Arbeit

Der städtische Integrationsbeauftragte Heinz-Josef Schmitz zeigte sich zufrieden mit den ersten Ergebnissen. Die Arbeit werde selbstverständlich weitergeführt und in regelmäßigen Ausstellungen würden die Ergebnisse präsentiert, erklärte er. Die Ausstellung aus dem Barbarastollen wird auch noch an anderen Stellen in der Stadt gezeigt.
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