Auch Landesvater und Radiohörer mit Musik verwöhnt

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Gut aufgestellt: Mit erfahrenen Kräften und engagiertem Nachwuchs präsentiert sich der Musikverein heute.

Gangelt. Der Musikverein St. Hubertus Gangelt wird 90 Jahre alt – und feiert dies in Verbindung mit dem Gemeindefreundschaftstreffen der Musikvereine Gangelt am Wochenende 3. und 4. September rund ums Gangelter Rathaus. Grund dazu hat er allemal, denn seine Geschichte ist ebenso bewegt wie interessant.

Bereits 1904 hatte sich in Gangelt eine Feuerwehrkapelle gegründet. Als nach dem Ersten Weltkrieg das Leben wieder einigermaßen in geordneten Verhältnissen verlief, begann sich auch das Vereinsleben in Gangelt langsam wieder zu entwickeln. Die Gangelter Musikkapelle aber lebte nach diesem Krieg nicht wieder auf. Am Hubertustag 1926, dem 3. November, trafen sich dann zehn junge Männer auf Anregung von verschiedenen Seiten, besonders aber auf Betreiben des sehr rührigen und einsatzfreudigen Schuhmachermeisters Wilhelm Wirtz, um eine Musikkapelle zu gründen.

Da die Versammlung am Hubertustag stattfand, war man sich über den Namen schnell einig. Der damalige Küster und Organist an St. Nikolaus, Johann Roos, wurde für die Ausbildung der Musiker gewonnen. Gebrauchte Musikinstrumente wurden erworben oder von Freunden und Gönnern zur Verfügung gestellt. Ein Zollbeamter, der als Militärmusiker gedient hatte, wurde als Dirigent verpflichtet. Auch die Politik spielte so manches Mal bis in die Vereine hinein. So war es auch, als die Weimarer Republik zu Ende ging und Hitler an die Macht kam. Der Musikverein musste befürchten, einer nationalsozialistischen Organisation angegliedert zu werden.

Das aber wollte man unter allen Umständen vermeiden. Um diesen Bestrebungen zuvorzukommen, traten alle Mitglieder des Musikvereins am 10. Oktober 1933 der Freiwilligen Feuerwehr Gangelt bei und nannten sich fortan „Feuerwehrkapelle St. Hubertus Gangelt”. Als der Zweite Weltkrieg 1945 zu Ende ging, die Gangelter Bevölkerung außer den Bewohnern des Klosters und einiger weniger Familien nach Vught in Holland evakuiert war, waren fast alle Instrumente des Musikvereins verloren gegangen. So manches Mitglied des Musikvereins hatte sein Leben im Krieg verloren. Doch 1947 begannen dann einige Unentwegte wieder mit dem Musizieren. Am Fronleichnamsfest 1948 konnten die jungen Mitglieder zum ersten Mal aufspielen.

1949 besuchte anlässlich der bevorstehenden Abtrennung des Selfkants von Deutschland der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold, mit seinem Kabinett den Selfkant, und der Gangelter Musikkapelle wurde die Ehre zuteil, für die musikalische Unterhaltung zu sorgen. Als am Jahresende der nordwestdeutsche Rundfunk eine Neujahrsfeier übertragen wollte, war die Musikkapelle wieder gefragt. Am Neujahrsmorgen 1950 saßen alle gespannt an den Rundfunkgeräten und lauschten voller Stolz ihren Klängen, die durch den Äther gingen. Welche ländliche Musikkapelle durfte schon im Rundfunk spielen?

Ende 1961 wurde die Trennung von der Freiwilligen Feuerwehr vollzogen. Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen wurden in eigener Regie Heideblütenfeste organisiert. Sie wurden in den Jahren 1962 bis 1964 am Kahnweiher abgehalten. Doch der Mitgliederbestand wurde immer geringer.

Dann aber gelang den letzten „Fünf Aufrechten”, Andreas Bleilebens, Walter Brunell, Franz Dahlmanns, Hubert Hamacher und Heinrich Nelißen, Ende der 1960 Jahre der Aufschwung: Als 1970 Schinvelder Musikvereine bei einem Freundschaftstreffen zur Gangelter Pfingstkirmes ein Konzert gaben und hierfür begeisterten Applaus erhielten, fanden sich zu den Probeabenden immer mehr neue Mitglieder ein. Der von der Katholischen Pfarrgemeinde zur Verfügung gestellte Raum neben dem Pfarrhaus musste erweitert werden. Die Zeit war gekommen, sich jetzt auch der Konzertmusik zu widmen. 1976 war dann das große Jubiläum: 50 Jahre Musikverein St. Hubertus.

Vom 1. bis 3. August 1980 war der Verein Ausrichter des Gemeindefreundschaftstreffens der Musikvereine in Gangelt, ein Zusammentreffen, das durch den damaligen Bürgermeister Heinrich Aretz ins Leben gerufen wurde. Der Nachwuchs wurde nun intensiver ausgebildet als jemals zuvor. Der schönste Lohn für die Jugendarbeit, aber auch für den gesamten Verein, war ein 1. Rang mit Belobigung beim Landesmusikfest 1983 in Übach-Palenberg in der Mittelstufe.

Eines ist auch nach 90 Jahren sicher: Auch in Zukunft möchte der Musikverein St. Hubertus Gangelt die Traditionen bewahren und versuchen, die Festlichkeiten im Ort Gangelt zu verschönern.

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