Archäologen finden Relikte alter Töpferei

Von: Andrea Schever
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In Jahrzehnten des Suchens und Sammelns haben Richard Riediger, Matthias Zavrtak und Lutz Westemeyer ein anschauliches Repertoire der Produkte aus der Töpferei Hohenbusch erstellt. Foto: Andrea Schever
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Die Familie van der Zander hatte verschiedene Prägestempel, mit denen sie ihre Ware kennzeichnete. Foto: Andrea Schever

Gangelt-Hohenbusch. So manch ein Kind oder Gärtner mag im heimischen Garten wohl schon die eine oder andere Scherbe gefunden haben – und sich gefragt, woher diese wohl kommen möge. Die Antwort muss nicht immer direkt in große Industriestädte führen, sondern lässt sich bereits kurz vor der niederländischen Grenze finden.

Im Dorf Hohenbusch befand sich nämlich bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges die erfolgreiche Töpferei van der Zander. Im Oktober jährte sich die Schließung der größten ansässigen Töpferei nun zum 100. Mal. Doch das Wissen um den Familienbetrieb gerät dank heimatinteressierter Hobby-Archäologen nicht in Vergessenheit. In der Töpferei van der Zander wurden in für damaligen Verhältnissen großem Stil Topfwaren für den Alltagsgebrauch der Landbevölkerung hergestellt: Krüge, Butterdosen, Rohre und als eins der bekanntesten Produkte die Langerweher ‚Baren‘. Die großen Tongefäße, die manch einer heute noch auf dem Dachboden oder im Keller finden kann, wurden sowohl als Vorratsgefäße meist für Eingelegtes, aber auch als Butterfass genutzt.

Betriebsgründer Werner van der Zander musste seine Heimat Langerwehe 1860 aus recht pragmatischen Gründen verlassen: Er erlernte durch seinen Stiefvater zwar das Töpferhandwerk, durfte später jedoch nicht genug Topfware produzieren, um seine Familie ernähren zu können. Langerwehe als Töpferei-Hochburg verfügte nämlich über eine feste Rangordnung unter den Töpferern, die kleinen Betrieben wie dem von Johann van der Zanders nicht viel Spielraum bot.

Der tonreiche Boden unter Hohenbusch war für den Töpfer die beste Voraussetzung für sein Vorhaben, mit einem eigenen Betrieb seine Familie zu versorgen. In Unterlagen mit dem Datum 1. Mai 1868 findet sich der Beleg für die offizielle Pachtung des Grundstückes vom Freiherrn Josef von Blanckart. Van der Zander konnte nun zur Sommer- wie zur Winterzeit die Brennöfen bestücken.

Der Betrieb ging an Sohn Heinrich und danach an den 1886 geborenen Enkel Johann Josef van der Zander über. Erfolgreich war das Generationsunternehmen allemal: Neben der Töpferei Hohenbusch betrieben sie auch kleinere Stätten in Gangelt und dem niederländischen Schinveld. Die drei Hobby-Archäologen Richard Riediger, Matthias Zavrtak und Lutz Westemeyer haben sich bereits in den 1980er Jahren mit der Geschichte der Töpferei van der Zander beschäftigt. Sie sichteten nicht nur zahlreiche Dokumente auf der Suche nach lückenlosen und zuverlässigen Informationen und befragten Experten aus der Geschichtsforschung, sondern gruben auch im Umfeld des ehemaligen Standorts des Betriebs.

Die letzte Stunde schlug der Töpferei van der Zander in Hohenbusch mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Als dieser 1914 ausbrach, brach der Absatzmarkt in den Niederlanden und Belgien weg. Auch auf deutschem Gebiet wurde weniger verkauft, und am Ende reichten die Einkünfte nicht mehr für den Betrieb. Nach fast 50 Jahren stellte der Familienbetrieb seine Produktion am 10. Oktober ein. Zu sehen ist von der alten Arbeitsstätte Hohenbusch heute nichts mehr. Dort, wo sich die Gebäude der Manufaktur befanden, steht heute der Tower des Nato-Stützpunktes.

Worauf die sammelfreudigen Übach-Palenberger Archäologen auch stolz sind, sind filigranere Werke aus der Töpferei. „Das hier ist der Deckel einer Butterdose“, erzählt Riediger und hält die aus Scherben wieder zusammengesetzte Keramik in der Hand, „oder diese Scherbe mit einem Kind darauf – das sind schon sehr filigrane Arbeiten verglichen mit den Baren“.

Um das beachtliche Erbe aus ihrer Heimatregion in Erinnerung zu halten, richteten die Hobby-Archäologen bereits mehrfach in Zusammenarbeit mit verschiedenen Museen Sonderausstellungen aus. Stets sind sie bemüht, das Wissen über die Töpferei, die selbst in Langerwehe als ernsthafte Konkurrenz in Dokumenten vermerkt wurde, weiter zu vermitteln. Dabei erklären die Männer Kindern und Gärtnern gerne, dass die gefundenen Scherben meist über den Misthaufen entsorgt und dann bei Dünge-Arbeiten im Garten verteilt wurden. Und manch eine dieser gefundenen Scherben stammt tatsächlich aus Hohenbusch.

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