Arbeitsmarktkonferenz: Der Niedriglohnsektor bereitet Sorgen

Von: anna
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Thomas Hartmann, Gertrud Grotthaus und Johannes Eschweiler (von links nach rechts) bilden das neue ­Sprecherteam der Regionalen Armuts- und Arbeitsmarktkonferenz. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Mit ihren drei neu gewählten Sprechern will die Regionale Armuts- und Arbeitsmarktkonferenz im Kreis Heinsberg (RAAK) bei Problemen im Arbeitsmarkt der Region auch weiterhin kompetent Stellung beziehen. Dies will das Sprecherteam künftig bei Bedarf auch zwischen den beiden jährlichen Treffen tun, bei dem sich die Mitglieder im großen Kreis treffen.

Die RAAK sei im Jahr 2010 gegründet worden mit Vertretern aus Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden und weiteren Einrichtungen wie zum Beispiel den Tafeln, erklärte Johannes Eschweiler bei der Vorstellung des neuen Teams in den Räumen vom Arbeitslosenzentrum des Vereins Amos in Oberbruch. Eschweiler, der als Pastoralreferent in der Arbeitnehmer- und Betriebsseelsorge ebenso aktiv ist wie in der Amos-Genossenschaft, wurde von der Trägerkonferenz in seinem Amt als Sprecher bestätigt.

Neu im Team sind Thomas Hartmann, Organisationssekretär für die Region NRW Süd-West des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), und Gertrud Grotthaus, Sprecherin der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bezirk Heinsberg.

„Wir sehen unsere Aufgabe darin, genau hinzugucken auf den Arbeitsmarkt und auf die Arbeitslosigkeit in der Region“, erklärte Eschweiler. „Der Niedriglohnsektor ist nämlich im Kreis Heinsberg auch zu Hause.“ Immer mehr Menschen hätten zwar Arbeit, könnten jedoch von dem Einkommen, das sie mit dieser Arbeit erzielen würden, nicht mehr leben.

Ein zweites Phänomen, das die RAAK beschäftige, sei die zunehmende sogenannte Schwarzarbeit in Landwirtschaft und Privathaushalten. Da gelte es auch genau hinzuschauen, wie diese Menschen leben würden und wie sie abgesichert seien, so Eschweiler weiter. Problematisch sei das immer dann, wenn diese Arbeitnehmer weder durch die Statistik des Arbeitsmarktes noch bei Versicherungen erfasst seien, fügte Hartmann hinzu, der als DGB-Sekretär den Blick auf die aktuellen Arbeitsmarktdaten hat. Die Wanderarbeiter in der Landwirtschaft hätten zum Beispiel oft Arbeitsverträge in ihren Heimatländern.

Einige Bevölkerungsgruppen in Deutschland seien inzwischen tatsächlich „arm durch Arbeit“, betonte Hartmann. Gute Konjunkturdaten würden bei ihnen einfach nicht mehr ankommen. Das Niveau von Langzeit-Niedriglohn verfestige sich, beklagte er.

Und das bedeute nicht nur kein auskömmliches Einkommen für die Familie, sondern später auch zu wenig Rente. Betroffen seien davon besonders alleinerziehende Frauen und ältere Arbeitnehmer im Alter ab 50 Jahren. Von den im Januar dieses Jahres von der Agentur für Arbeit Aachen-Düren gemeldeten 8675 offenen Stellen seien nur 84,5 Prozent unbefristete Beschäftigungsverhältnisse gewesen, fügte er hinzu.

70 Prozent der von Armut Betroffenen und auf Grundsicherung angewiesenen Menschen seien Frauen, berichtete Grotthaus. Nicht hinzunehmen sei dabei der Umstand, dass sich für viele Frauen diese Grundsicherung durch ihre Kindererziehungszeiten nicht erhöhe, wenn die Anrechnung dafür mit der eigenen Rente unterhalb der Grundsicherung liege.

„Die Kindererziehungszeiten müssen separat angerechnet werden“, so ihre Forderung. Überhaupt müssten die Sätze bei jeder Form von Sozialleistung erhöht sowie ein sozialer Arbeitsmarkt auf- und ausgebaut werden, fügten Eschweiler und Hartmann hinzu.

Für den Kreis Heinsberg fordern sie kurzfristig den Aufbau eines Pilotprojekts für einen sozialen Arbeitsmarkt zur dauerhaften Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen, also Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind.

Ferner müsse künftig im Sozialmonitoring des Kreises auch der Zusammenhang von Armut und Erwerbsarbeit in den Blick genommen werden, so Eschweiler. „Dafür muss man auf Baustellen gehen, zu den Erntehelfern und in die Familien, wo ausländische Pflegekräfte beschäftigt sind.“

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