Kreis Heinsberg - AOK: Kreis Heinsberg besser als Durchschnitt

AOK: Kreis Heinsberg besser als Durchschnitt

Von: disch
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Bei einigen Parametern sehe der Kreis richtig gut aus, an anderen Stellen würden sich aber Fragezeichen ergeben – so bei Psychopharmaka in Pflegeheimen. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Was die Gesundheitsversorgung angeht, sei der Kreis Heinsberg nicht nur Durchschnitt, sondern besser als der Durchschnitt, sagte AOK-Regionaldirektor Heinz Frohn, als er am Montag in einem Pressegespräch in der Heinsberger Geschäftsstelle den Gesundheitsreport 2014 präsentierte.

Bei einigen Parametern sehe der Kreis Heinsberg richtig gut aus, an anderen Stellen würden sich aber Fragezeichen ergeben. Da sollen, wie er ankündigte, Gespräche mit den Verantwortlichen geführt werden, um Lösungen zu finden. Während in anderen Kreisen noch geredet werde, werde im Kreis Heinsberg schon gehandelt, sagte Frohn mit Respekt und stellte dabei als Beispiel die neue Stroke Unit für Schlaganfallpatienten im Erkelenzer Krankenhaus heraus.

„Da könnte noch was dran getan werden“, erklärte Frohn mit Blick auf die Krebsfrüherkennungsuntersuchungen. So werde die gynäkologische Früherkennung laut AOK-Statistik von 44,59 Prozent der Frauen im Kreis Heinsberg in Anspruch genommen; Solingen weist im Rheinland den besten Wert mit 53,52 Prozent auf. Grundsätzlich stelle sich die Frage, so Frohn, warum die Hälfte der Frauen nicht zur Vorsorge gehe.

Männer würden noch weniger zur Vorsorge als Frauen gehen. Dies sei an Zahlen zu belegen. So weist die AOK für den Kreis Heinsberg eine Quote von 19,01 Prozent bei der urologischen Früherkennung aus. Immerhin: Nur Stadt Krefeld (21,68 ) und Kreis Euskirchen (19,83 ) haben höhere Werte.

Brustkrebs: Fragen über Fragen

Bei der Brustkrebserkrankung von Frauen wurden von der AOK mit Blick auf ihre Versicherten im Kreis Heinsberg im Jahr 2013 exakt 224 Krankenhausfälle je 100.000 Versicherte gezählt – rechnerisch (die AOK hat knapp 78 500 Versicherte im Kreis). Im Nachbarkreis Düren gab es 379 Krankenhausfälle je 100.000 Versicherte. Andererseits wurden im Kreis Heinsberg im Jahr 2012 30,2 Sterbefälle mit der Todesursache Brustkrebs je 100.000 Einwohner (Frauen) gezählt – nur im Kreis Euskirchen (36,1) und in der Stadt Solingen (34,1) gab es höhere Werte.

Da hat der Kreis Düren mit 17,8 Sterbefällen je 100.000 Einwohner rheinlandweit hingegen die günstigste Zahl. Fragen über Fragen: Wird im Kreis Heinsberg vielleicht zu lange mit der Krankenhauseinweisung gewartet? Wird im Kreis Düren in der Diagnostik mehr erkannt? Muss mehr Werbung für die Vorsorge gemacht werden? Oder gibt es ganz andere Gründe für diese Zahlen?

Bei Schlaganfall in die Stroke Unit

Nach einem Schlaganfall sollten Patienten möglichst in einer Spe­zialstation (Stroke Unit) behandelt werden. 2013 war dies aber nur für 55,47 Prozent der Kreis Heinsberger AOK-Patienten nach einer Notfallfahrt der Fall und sogar nur für 32,59 Prozent, wenn der Krankenhausbehandlung keine Notfallfahrt vorausging. Denn: Im Kreisgebiet gab es keine Stroke Unit.

Nachdem nun im vergangenen Jahr eine solche Station in Erkelenz offiziell eröffnet worden ist, steht für den AOK-Regionaldirektor das Ziel fest: Die Werte müssten auch für die Kreis Heinsberger Patienten mindestens 80 Prozent erreichen. Ein Versorgungsdefizit und Nachholbedarf hat Frohn aus den Zahlen auch bei der Rehabilitation nach Schlaganfall abgelesen: „Das darf und muss mehr werden“, sagte er zur mageren 15,41-Prozent-Quote; im Rheinland kommen im Schnitt 27,54 Prozent der Betroffenen in die Reha.

„Mehr Geburten“ würde sich Frohn wünschen angesichts einer Zahl von 41,5 Lebendgeborenen je 1000 Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren. Nur die Kreise Viersen und Wesel stehen schlechter da. Bei der Säuglingssterblichkeit konnte der Kreis Heinsberg mit 2,6 Todesfällen je 1000 Lebendgeborenen für 2010 bis 2012 den zweitniedrigsten Drei-Jahres-Mittelwert vorweisen.

Im Mittelfeld liegt der Kreis bei Früherkennungsuntersuchungen für Kinder, wobei die Teilnahmequoten von U7a (87,79 ) über U10 (44,79 ) bis U 11 (40,12 ) kontinuierlich zurückgehen, ehe sie bei der J1 (51,93 ) wieder ansteigen. Mehr Personal sei notwendig, räumte Frohn mit Blick auf die zahnmedizinischen Früherkennungsuntersuchungen ein, denn da gehört der Kreis bei den Drei- bis Fünfjährigen mit 24,91 Prozent zu den Schlusslichtern.

Höchste Antibiotika-Quote

Nirgendwo im Rheinland ist der Anteil der mit Antibiotika behandelten Versicherten höher als im Kreis Heinsberg: mit 43,50 Prozent. „Da müssen wir aufpassen“, mahnte Frohn. Wobei er gleich hinzufügte: „Es geht nicht darum, dass wir sparen wollen.“

Untersucht hat die AOK auch den Einsatz von Psychopharmaka in Pflegeheimen – im Vergleich mit zu Hause gepflegten Patienten. Der Kreis Heinsberger Spitzen-Differenzwert von 358 Prozent – also sehr viel mehr Verordnungen von Antipsychotika im Heim als zu Hause – wirft nach Ansicht von Frohn schon die Frage auf: „Was ist in den Pflegeheimen los?“ Zumal rheinlandweit der Differenzwert nur bei 77 Prozent liegt. „Dies könnte ein Thema für die Pflegekonferenz sein“, regte Marion Urmes-Breuer, Stabsstellenleiterin der AOK für Medizinische Versorgung, an.

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