Alte, fast vergessene Handwerkskünste beim 30. Flachsmarkt

Von: mb
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Verleihung des Flachsmarktprei
Verleihung des Flachsmarktpreises: Hans-Jakob Gerads (3. v. r.) erhielt die Auszeichnung aus den Händen von Heinz Gerichhausen (r.). Mit dabei: Gattin Marita Gerads, die Schirmherren des Flachsmarktes, die Bürgermeister Jan Creemers aus Maaseik, Reinhold Pillich aus Wegberg und Jos Hessels aus Echt (v.l.n.r.) sowie die Langerfelder Garnbleicher.

Wegberg-Beeck. Der historische Kirchplatz in Beeck füllte sich schon zur offiziellen Eröffnung des 30. Beecker Flachsmarkts zusehends.

Heinz Gerichhausen, Vorsitzender des Heimatvereins Wegberg-Beeck, begrüßte die Gäste und freute sich, dass gleich drei Schirmherren anwesend waren: Die Bürgermeister der Partnerstädte von Wegberg, Jan Creemers aus Maaseik und Jos Hessels aus Echt, sowie Wegbergs Bürgermeister Reinhold Pillich.

Pillich war „stolz, dass wir die Städtepartnerschaft wieder mit etwas mehr Leben füllen können”, und dankte dem Heimatverein dafür, „dass sie seit 30 Jahren die Werbetrommel gerührt und Wegberg überregional bekannt gemacht haben.” Pillich war zwar nicht - wie im Vorjahr versprochen - zum Jubiläum in Tracht erschienen, dafür hielt er ein anderes Versprechen: „Das Wetter wird wunderbar.”

Hatte es zur Eröffnung dunkle Wolken und einen Regenschauer gegeben, strahlte pünktlich zum Ende der Rede Pillichs die Sonne über den Platz. Der Flachsmarktpreis ging an Hans-Jakob Gerads, der seit 51 Jahren Mitglied der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft in Beeck ist und sich vielfältig ehrenamtlich engagiert, unter anderem in der Pflege des Kindergartengeländes. „Was ich tue, tue ich gerne”, gab sich der Preisträger bescheiden.

Wie immer standen alte, fast vergessene Handwerkskünste im Mittelpunkt des Flachsmarktes. An den Ständen vieler Handwerker konnte selbst ausprobiert, mitgearbeitet oder eben beobachtet werden. Der Holzschuhmacher aus Belgien war zum 29. Mal dabei. Seine Holzschuhe fertigt er aus Weide, denn Weidenholz ist warm, leicht und wasserdicht. Auf die Frage, an wen er seine Holzschuhe verkaufe, lachte er: „Nur an Leute mit gesunden Füßen.”

Zum ersten Mal in Beeck war der Laternenbauer aus Werdau (Sachsen). Seine Bleiglas- oder Holzlaternen werden in liebevoller Handarbeit selbst gefertigt und mit einer wetterfesten Lasur versehen. Lederscharniere und tönerne Kerzenhalter machen kleine Kunstwerke aus den Lichtquellen, die bereits im frühen Mittelalter gebräuchlich waren.

Theo, der Buttermacher aus den Niederlanden, nahm sich reichlich Zeit für die Fragen der Besucher. „Früher hatte jede Familie ein Butterfass”, erklärte er. Das staunende Publikum erfuhr, dass man 25 Liter Milch benötige, um eineinhalb Kilo Butter zu erzeugen. Und die Buttermilch bei Theo ist ein echter Energiespender. „Jetzt kannst du zweimal über den Platz laufen”, scherzte er beim Ausschank.

Töpfer und Korbmacher, Glasperlenwerkstatt und Hutmacher, Hufeisenschmied und Löffelschnitzer, Leinenstickerei und Wollverarbeitung - Erinnerungen an eine Zeit, die das Wort Wegwerfgesellschaft nicht kannte.

Der Heimatverein selbst demonstrierte während der beiden Tage mit den Arbeitsgeräten des Museums, wie aus der Flachspflanze kostbares Leinentuch gewonnen wird. Das vielseitige Programm wurde von Musik- und Tanzdarbietungen abgerundet. Auch an die kleinen Besucher war gedacht, mit dem Flaxi-Pass wurden sie auf Entdeckungsreise geschickt.
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